Lenkgetriebe

Lenkgetriebe: Symptome, Reparatur, Kosten

Wenn das Lenkgetriebe defekt ist

Das Lenkgetriebe gibt die Lenkbewegung des Fahrers weiter. Ist es beschädigt, kann es gefährlich werden. Doch woran erkennt man einen Defekt?
Setzt man ein Kleinkind auf ein Bobbycar, begreift es in kürzester Zeit: Das Lenkrad bestimmt die Richtung. Doch wie gelangt die Lenkbewegung an die Räder? Dafür sorgt das Lenkgetriebe. Die Bewegung erfolgt instinktiv: Beim Drehen am Lenkrad ändert das Auto die Richtung. Proportional – je mehr gelenkt wird, desto enger die Kurve. Doch wie wird die Lenkbewegung den Rädern mitgeteilt? Dafür gibt es ein Bauteil, das die Drehbewegung des Lenkrads in eine Lineare umwandelt, die mittels der Spurstangen die Vorderräder lenkt: das Lenkgetriebe. 

Wie funktioniert ein Lenkgetriebe?

Im Wesentlichen gibt es zwei Arten von Lenkgetrieben: die Zahnstangenlenkung, die heute in mehr als 99 Prozent aller Pkw eingebaut wird und die Schraubgetriebe, die es in mehreren Abwandlungen gibt. Dabei dreht das Lenkrad eine Art Gewinde, auf dem eine Mutter sitzt. Beim Lenken verschiebt sich die Position der Mutter, die dabei über eine Mechanik den Lenkhebel bewegt, der wiederum auf die Spurstangen wirkt. Der Nachteil: Mit der Zeit und den Kilometern bekommen die zahlreichen Bauteile in solchen Lenkgetrieben Spiel, exaktes Steuern wird dann schwierig. Typische Vertreter dieser Bauart waren die Kugelumlauflenkung, wie sie bis 2001 bei Mercedes benutzt wurde oder die Schneckenrollenlenkung des VW Käfer.

Mit deutlich weniger bewegten Einzelteilen kommt die Zahnstangenlenkung aus. Es sind nur zwei: ein Zahnrad am Ende der Lenksäule und eine Zahnstange, in die es eingreift und die es beim Lenken hin und her schiebt. Meistens sind die Spurstangen direkt an den Enden der Zahnstange angeschraubt und übertragen die Lenkbewegung an die Räder. Geführt ist die Zahnstange in zwei Buchsen innerhalb ihres Gehäuses, oft befindet sich gegenüber dem Zahnrad – dem Ritzel – noch ein Gleitstück, das bei beginnendem Buchsenverschleiß weiter für spielfreien Kontakt zwischen Ritzel und Zahnstange sorgen soll. So viel zum grundsätzlichen Aufbau, hinzu kommt heutzutage noch die Servounterstützung. Früher ein Merkmal von Luxusautos, finden sich mittlerweile kaum noch Kleinwagen ohne Servolenkung. Dafür gibt es zwei Methoden: hydraulisch oder elektrisch. Bei einer Hydrolenkung ist ein Teil der Zahnstange wie ein Kolben aufgebaut, auf den je nach gewünschter Fahrtrichtung Öldruck über ein Steuerventil geleitet von der einen oder der anderen Seite einwirkt. Die elektrische Servolenkung arbeitet mit einem Elektromotor, der je nach Fabrikat am Ritzel über einen Riemen an der Zahnstange oder auch drinnen an der Lenksäule angreift. Weitere Ratgeber zum Thema Reparatur und Technik.

Was führt zum Defekt/Ausfall eines Lenkgetriebes?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass Lenkgetriebe zu den sehr zuverlässigen Bauteilen gehören und bei der Entwicklung auch gegen allerlei Formen von Missbrauch getestet werden. Einer dieser Tests ist der Bordstein-Abdrück-Test. Dabei steht das Auto still, mit dem Reifen parallel im Kontakt mit dem Bordstein. Dann schlägt der Testfahrer das Lenkrad voll ein. Dabei muss die Lenkung das ganze Auto seitlich verschieben, wobei enorme Kräfte auftreten. Diese Prozedur müssen Lenkgetriebe und Spurstangen aushalten. Allerdings sagen die Tester nicht, wie oft und wie die Felgen anschließend aussehen.

Häufigster Ausfallgrund ist allerdings Schmutz. Ursache ist eine defekte oder abgerutschte Spurstangen-Manschette, die Nässe und Sand den Weg freimacht ins Innere des Lenkgetriebes. Dazu genügen schon wenige Kilometer, und das Schmierfett im Inneren verbindet sich mit dem Sand zu einer Schmirgelpaste, die für extremen Verschleiß sorgt. Was auch vielen Werkstätten nicht bekannt ist: Die meisten Autohersteller fordern schon bei leichten Unfällen, welche die Umgebung des Lenkgetriebes betreffen, dessen Austausch. Also bei einem Schlag aufs Vorderrad oder wenn jemand auf Eis gegen den Bordstein gerutscht ist. Schließlich ist nicht auszuschließen, dass dabei Teile innerhalb des Lenkgetriebes überlastet wurden und bei der nächsten größeren Beanspruchung brechen.

Nicht im Stand lenken! Schon langsames Rollen genügt, um die Mechanik zu entlasten.

Einen kleinen Einfluss auf die Lebensdauer haben auch defekte Spurstangenköpfe und Axialgelenke. Tritt in diesen Spiel auf, wird das Lenkgetriebe auf jeder Unebenheit mit leichten Schlägen belastet. Ähnlich wirken sich auch von den Rädern ausgehende Vibrationen aus, aufgrund von Unwuchten oder unrund laufenden Reifen. Nicht zu unterschätzen sind auch Fehler in der Fahrwerksgeometrie, die einen Seitenzug des Fahrzeugs bewirken. Dann muss der Fahrer permanent gegenlenken, was eine Dauerbelastung für die Servounterstützung bedeutet und entsprechenden Verschleiß. Für manche Defekte sind auch Werkstattfehler verantwortlich, zum Beispiel beim Erneuern der Axialgelenke der Spurstangen. Diese werden direkt an die Zahnstange geschraubt, beim Lösen und Festziehen der Gelenke ist es zwingend erforderlich, an der Zahnstange gegenzuhalten. Andernfalls sind Führungsbuchsen und hydraulische Abdichtungen enormen Kräften ausgesetzt, Folgeschäden programmiert. Den größten Einfluss auf die Lebensdauer eines Lenkgetriebes hat jedoch ein Fahrerfehler, der sich erst mit flächendeckender Einführung der Servolenkung verbreitet hat: Lenken bei stehendem Fahrzeug. Das ist die nach dem Bordstein-Abdrück-Test die höchstmögliche Belastung, erst recht auf griffigem Boden. Übrigens auch für die Reifen, die dabei auf der Stelle radieren. Deshalb besser erst lenken, wenn die Räder rollen.

Wie erkennt man ein defektes Lenkgetriebe?

Es gibt im Wesentlichen zwei Sorten von Defekten: Das Lenkgetriebe bekommt Spiel und klappert oder es wird immer schwergängiger und frisst sich fest. Das ist die gefährlichere Variante, denn dabei entstehen keine Geräusche. Deshalb: Wenn die Lenkung sich ungewöhnlich schwergängig anfühlt und den Eindruck des Klemmens macht: sofort in die Werkstatt! Häufiger jedoch kommt es vor, dass sich Spiel zwischen der Zahnstange und ihren Führungsbuchsen bildet. Dann wird auf schlechten Straßen ein Klappern hörbar, das im Lenkrad auch zu fühlen ist. Bei manchen Fabrikaten lässt sich das Spiel in gewissen Grenzen einstellen. Das ist aber Werkstattsache. Im fortgeschrittenen Stadium bekommt die Zahnstange so viel Spiel, dass das Lenkrad vor allem bei Fronttrieblern ein Eigenleben zu führen beginnt, beim Gasgeben in die eine Richtung zappelt und beim Bremsen in die andere. Das wäre dann der späteste Zeitpunkt, eine Werkstatt anzusteuern.

Ein weiteres Problem bei hydraulischen Servolenkungen sind Undichtigkeiten. Weil die Zahnstange wie ein Kolben ausgebildet ist, der in einem Arbeitsraum hin und her gleitet, sind auch entsprechende Abdichtungen vorhanden. Die irgendwann mal undicht werden. Das erkennt man in der Regel zuerst an ruckartigem Ausbleiben der Servounterstützung, ein Indiz für zu wenig Öl in der Hydraulik. Sieht man nach, wo es geblieben ist, entdeckt man es entweder in den damit prall gefüllten Spurstangen-Manschetten oder an öligen Stellen am Lenkgetriebe. Aber auch bei elektrischen Servolenkungen kann es zu Ausfällen kommen. Probleme mit den Elektromotoren oder ihrer Kraftübertragung zeigt die Lampe "EPS" im Armaturenbrett an – Electric Power Steering. Auch dann ist es höchste Zeit für einen Werkstattbesuch, denn bei einem Ausfall der Hilfskraft steigen die Lenkkräfte extrem an. Weil das meistens plötzlich passiert, besteht höchste Unfallgefahr. Wichtig: Bevor man die Schuld an ungewöhnlichen Geräuschen dem Lenkgetriebe gibt, unbedingt auch die Lenksäule prüfen. In der Verbindung zwischen Lenkrad und -getriebe befinden sich ein bis zwei Kreuzgelenke. Auch diese können mit der Zeit Spiel entwickeln, das sich in Form von Klappergeräuschen oder als ruckender Lauf des Lenkrads bemerkbar macht.

Wieviel kostet der Austausch des Lenkgetriebes?

Wie teuer die Reparatur eines Lenkgetriebes wird, hängt größtenteils vom Fahrzeug ab.

Wie viel der Austausch des Lenkgetriebes kostet, hängt vom Fahrzeugtyp ab. Bei älteren Mercedes mit Kugelumlauflenkung ist das eine Sache von einer Viertelstunde und anschließend muss nicht mal die Spur kontrolliert werden. Beim VW Golf 4 kommt man nicht so gut ran, da dauert allein der Einbau drei Stunden. Etwas besser geht es bei älteren BMW 1ern, da ist die Lenkung in anderthalb Stunden drin. Allerdings kostet dafür das Lenkgetriebe rund 1200 Euro, sodass man mit der bei allen Zahnstangenlenkungen zwingend erforderlichen Achsvermessung doch wieder bei 1500 Euro landet. Ein aktuelleres Beispiel: Ein Lenkgetriebe für einen Golf 7 kostet im Zubehör etwa 400 Euro, für den Einbau sind 2,3 Stunden vorgegeben – inklusive des Aufspielens einer aktuellen Software auf die Lenkung – ca. 270 Euro; dazu eine Achsvermessung bei einem soliden Reifendienst: 80 Euro. Ergibt: 750 Euro.

Sind gebrauchte Lenkgetriebe empfehlenswert?

Oft wird auch die Frage nach gebrauchten Lenkgetrieben gestellt. Bei diesem muss natürlich sichergestellt sein, dass es nicht aus einem Unfallfahrzeug stammt. Da ist es vielleicht besser, das eigene defekte Lenkgetriebe bei einem Spezialisten überholen zu lassen. Preislich läuft das allerdings auf das Gleiche hinaus wie eine Lenkung aus dem freien Zubehörhandel. Aber an der Sicherheit darf man eben nicht sparen, das Lenkgetriebe besitzt dabei einen ähnlich hohen Stellenwert wie die Bremsen. Oder würde bei diesen jemand gebrauchte Teile montieren?
Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.