Moment mal, das ist doch ... Nein, das ist nicht der V90 von Volvo, es ist der neue V60, gewissermaßen das kleinere Geschwistermodell. Auf den ersten Blick sind beide Kombis nur schwer auseinanderzuhalten. Beide tragen die typischen Volvo-Merkmale: markante Tagfahrlichter im sogenannten Thors Hammer-Design, die hochgezogenen, senkrecht stehenden Rückleuchten und generell – diese klare, elegante Linie. Das Machwerk Automobil auf seine wesentliche Form reduziert. Wenn es ein iPhone auf Rädern gäbe, es könnte gut ein Volvo sein. Der neue V60 wirkt also vertraut, doch irritiert er auch ein wenig. Denn dem früheren Mittelklassekombi V60 sieht er nicht nur kaum ähnlich, er überragt ihn auch in der Länge – rein von den Abmessungen her ist der neue V60 also eher der Nachfolger des 2016 eingestellten V70, der wiederum vom V90 abgelöst wurde. Beide Modelle basieren auf Volvos aktueller SPA-Plattform (Skalierbare Produkt-Architektur), die auch den SUV-Modellen XC60 und XC90 zugrunde liegt.

Ein allzu rasantes Bild will der V60 nicht abgeben

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Video: Volvo V60 (2018)

Erste Fahrt im V60

Allen gemein ist der Verzicht auf Motoren, die mehr als vier Zylinder und mehr als zwei Liter Hubraum haben. Umso beachtlicher, was die Schweden aus ihrem derzeitigen Topmodell T6 mit 310-PS-Benziner herauskitzeln. Turbolader und Kompressor sei Dank. Mit 400 Newtonmetern von 2200 bis 5100 Umdrehungen liefert der Vierzylinder jederzeit reichlich Druck und lässt den großen Wagen binnen 5,8 Sekunden auf Tempo 100 sprinten. In der Spitze erreicht ein Volvo V60 T6 AWD (für Allradantrieb) standesgemäße 250 km/h. Dennoch zeigt sich auch hier: Ein allzu rasantes Bild will Volvo mit dem V60 nicht assoziieren. Zwar konkurrieren die Schweden mit den noblen drei aus Deutschland, doch kokettieren sie auch ganz gern damit, anders zu sein. Nicht nur hinsichtlich des Designs, sondern vielmehr in puncto Grundhaltung. Sportliche Attitüde als Markenwert wird bei Volvo eher nicht verströmt, und so kann sich die schwedische Marke vielleicht am ehesten den Zylinderverzicht leisten.

Mit einem neuen Diesel-Volvo sind Innenstädte kein Problem

Volvo V60
Prestige-Gehabe ist dem Volvo fremd. Das Statement lautet: Understatement.
Der stärkere von zwei verfügbaren Dieseln hat 190 PS sowie 400 Nm Drehmoment und ist uns aus den XC-Modellen als angenehmer Begleiter in Erinnerung – ein V60-Testwagen stand noch nicht zur Verfügung. Abgesehen von leichtem Brummeln ist dem D4 kaum etwas anzulasten. Wie alle für den V60 erhältlichen Aggregate erfüllt auch er die strenge Abgasnorm Euro 6d-Temp. Damit sollte es, selbst wenn alle Kommunen durchdrehen, gestattet sein, mit einem neuen Diesel-Volvo in die Stadt einzufahren. Wahrscheinlich müssen wir nicht extra betonen, dass der Diesel zu solch einem Kombi der 4,70-Meter Klasse hervorragend passt; zur unaufgeregten Fahrwerksabstimmung des V60 passt er ohnehin. 5,9 bis 6,7 Liter auf 100 Kilometer soll der Motor verbrauchen, je nachdem mit welchen Reifen und Extras der Wagen ausgestattet ist – diese Berechnung folgt bereits dem neuen, realitätsnäheren WLTP-Zyklus. Nach der noch gültigen, abstrakteren NEFZ-Norm wären es sogar unter fünf Liter gewesen. Darüber hinaus runden zwei leistungsschwächere Ausbau stufen – je ein Diesel und ein Benziner – die Motorenpalette nach unten ab. 4000 Euro unter dem T6 ordnet sich der T5 ein. Neben 60 PS fehlen ihm der zusätzliche Kompressor und der Allradantrieb, der übrigens ausschließlich für den T6 angeboten wird. Den Einstieg in die V60-Welt bildet aktuell der D3. Wobei sich D3 und D4 lediglich um ein paar Software-Parameter (genauer um 40 PS) sowie 3300 Euro unterscheiden.
Überblick: Alles zum Volvo V60
Weitere Infos zum Volvo V60 sowie die konkreten Kaufempfehlungen der Redaktion finden Sie in der Bildergalerie.

Von

André Huster