Volvo XC90 II: Gebrauchtwagentest
Was hat der gebrauchte XC90 noch drauf?

Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Luxus hat viele Facetten. Mit dem XC90 der zweiten Generation leitete Volvo ab 2014 eine stilistische und technische Revolution ein, machte das Oberklasse-Flaggschiff zum Wegbereiter der neuen skalierbaren Produktarchitektur. Der XC90 ist ein echter Schwede und insbesondere auf Langstrecken höchst entspannt. Das färbt auch auf das Wohlbefinden der Passagiere ab. Die traditionellen Käufer schätzen Understatement, Sicherheit, Komfort und Ergonomie. Doch wie altert die zweite Generation des kürzlich zum zweiten Mal gelifteten XC90 II?
Selbstbewusst gegen Q7, X5 und GLE
Das ist er: Für seine klare Formensprache sollte man den XC90 mögen. Thors-Hammer-LED-Scheinwerfer, elegante Seitenlinie und reduzierte Heckpartie sehen auch nach fast zehn Jahren nicht alt oder langweilig aus. Natürlich spielt auch das Thema Sicherheit eine große Rolle: Der XC90 holte fünf Sterne im EuroNCAP-Crashtest und war eines der ersten Autos mit Fußgänger-Notbremssystem. Im Oberklassesegment positionierten ihn die Schweden selbstbewusst gegen Audi Q7, BMW X5 und Mercedes GLE. Unter der Haube geht es beim Top-Volvo dagegen vergleichsweise bescheiden zu: Vierzylinder und Hybrid-Lösungen waren ein nachhaltiges Statement, das bei der Einführung mutig erschien und heute besonders umweltbewusste Käufer anspricht.

Zehn Jahre nach seinem Debüt bleibt der XC90 eine beeindruckende Erscheinung. Die Preise sind inzwischen volksnah.
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Der XC90 hat viel Platz für Passagiere und Gepäck
Das hat er: Der XC90 ist – wie die legendären großen Volvo-Kombi – ein Raumwunder für Passagiere und Gepäck. Bis zu sieben Personen finden mit optionaler dritter Sitzreihe Platz. Der Kofferraum fasst 709 bis 1874 Liter Gepäck, was Familien und anspruchsvolle Hobbyspediteure freut. Die möglichen Ausstattungen sind enorm vielfältig; schlichte, aber funktionale Basis ist das Kinetic-Modell. Darüber rangieren der von uns gefahrene Momentum und der sportlich akzentuierte R Design. Luxuriöse Topvarianten sind die Inscription- und Excellence-Versionen.
Technische Daten
D5 AWD Geartronic | T5 AWD Geartronic | T6 Polestar Performance | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1969 cm³ | 1969 cm³ | 1969 cm³ |
Leistung | 165 kW (225 PS) bei 4250/min | 184 kW (250 PS) bei 5500/min | 246 kW (335 PS) bei 6000/min |
Drehmoment | 480 Nm bei 1750/min | 350 Nm bei 1500/min | 440 Nm bei 4500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 220 km/h | 215 km/h | 210 km/h |
0–100 km/h | 7,8 s | 7,9 s | 6,4 s |
Tank/Kraftstoff | 71 l/Diesel | 71 l/Super | 71 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Achtstufenautomatik/Allrad | Achtstufenautomatik/Allrad | Achtstufenautomatik/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4950/1931/1775 mm | 4950/1931/1775 mm | 4950/1931/1775 mm |
Kofferraumvolumen | 709-1874 l | 709-1874 l | 709-1874 l |
Leergewicht/Zuladung | 2082/548 kg | 2112/518 kg | 2124/505 kg |
Innen gibt es je nach Konfiguration und Mehrausstattung hochwertige Stoffe und natürliche Materialien wie Holz und Leder sowie das serienmäßige Sensus-Infotainmentsystem. Der große, zentrale Hochformat-Touchscreen wirkt fast wie ein Tablet und dominiert die Mittelkonsole. Er erfordert Eingewöhnung, ist danach aber passabel bedienbar. Spürbar moderner ist das Google-basierte System ab dem 2019er Facelift.

Geschmackvoll eingerichteter Innenraum mit volldigitalen Anzeigen. Das Infotainment benötigt etwas Eingewöhnungszeit.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Das optionale Luftfahrwerk bringt ein deutliches Komfort-Plus
So fährt er: Der stets allradgetriebene XC90 wartete mit Innovationen wie dem Intelli-Sicherheitspaket inklusive teilautonomen Stauassistenten auf. Der von uns gefahrene D5 als 225 PS starker Turbodiesel ist trotz guter Dämmung präsent, hat dafür aber eine angenehme Leistungscharakteristik. Den Komfort verbessert das optionale Luftfahrwerk deutlich. Sowohl der Haldex-Allrad als auch das generelle Konzept sind nicht besonders geländefreundlich. Hängerfahrer dürfen sich auf bis zu 2,7 Tonnen Anhängelast freuen. Die T5- und T6-Benziner sind unter Last deutlich durstiger als die Diesel. Stark und gleichzeitig sparsam sind die Plug-in-Hybride. Der T8 Twin Engine leistet 408 PS und 670 Newtonmeter.

Auf der Langstrecke trumpft der XC90 II mit gutem Fahrkomfort auf. Angesichts des aktuellen Neupreises von 80.000 Euro wirken frühe, gepflegte Gebraucht-Modelle durchaus günstig.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Stärken
- Enormes Platzangebot
- Hohes Technologieniveau
- Qualität überdurchschnittlich
Schwächen
- Hohe Unterhaltskosten
- Mäßige Fahrdynamik
- In manchen Details im Alter nicht immer zuverlässig
Reparaturen sollte man einplanen
Das macht Ärger: Zwei Jahre Neuwagen- und Lackgarantie sowie zwölf Jahre Durchrostungsgarantie waren Standard. Das Infotainmentsystem kann vielfältige Ausfälle und Störungen zeigen, teils helfen Software-Updates. Der Turbolader ist ab 150.000 Kilometer aufwärts und insbesondere mit elektronischer Leistungssteigerung ein Problemkandidat. Häufiger kommt auch Ölverlust vor, teils erheblich. Der Kompressor des Luftfahrwerks kann ausfallen. Fahrwerk und Lenkung reagieren sensibel auf schlecht gewuchtete Räder. Wenn der Hochvoltakku des Hybridmodells nicht mehr lädt, ist oftmals das Bordladegerät kaputt. Der Rostschutz ist gut, jedoch nicht auf perfektem Niveau, besonders Achsen rosten früh. Beim KBA sind 27 Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 8,2 l D/100 km |
|---|---|
CO2 | 152 g/km |
Inspektion | 400-1000 Euro |
Haftpflicht (21)* | 802 Euro |
Teilkasko (25)* | 1119 Euro |
Vollkasko (25)* | 1691 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 304 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 1141 Euro |
|---|---|
Anlasser (AT) | 907 Euro |
Wasserpumpe | 1038 Euro |
Zahnriemen | 616 Euro |
Nachschalldämpfer | 1112 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1636 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 748 Euro |
Infotainmentbildschirm | 2040 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 235/55 R19 V) | 850 Euro |
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