(dpa) Neun Wochen, sieben Rennen, ein Ziel: Die Formel 1 hat sich für 2012 aus Europa verabschiedet. Sie macht sich auf die schonungslose Übersee-Hatz, die Zeit der Entscheidungen ist gekommen. "Es ist noch alles drin, jetzt geht's los", kündigte Titelverteidiger Sebastian Vettel die verschärfte Aufholjagd auf WM-Spitzenreiter Fernando Alonso an. Erster Zwischenstopp der rasanten Weltreise ist die Nachtschicht in Singapur am Wochenende. Druck, Hitze und Flutlicht: Singapur wird zum knallharten Test für die verbliebenen Titelkandidaten. Wer auf dem kurvigen Stadtkurs bestehen will, muss seine innere Uhr bezwingen. Das Freitagstraining endet um 23.00 Uhr Ortszeit, Qualifikation und Rennen nur eine Stunde früher. Bis in den Morgen sind Fahrer und Mechaniker an der Strecke gefordert. "Singapur ist ein wunderbar ungewöhnlicher Grand Prix", schwärmte Rekordchampion Michael Schumacher.
Sebastian Vettel
Sebastian Vettel will den Saison-Endspurt spannend machen. Dafür muss aber die Technik mitspielen.
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Teams und Piloten versuchen, im europäischen Biorhythmus zu bleiben und machen die Nacht zum Tag. Vorjahressieger Vettel hat bewiesen, dass er das kann. Diesmal aber ist die Aufgabe besonders schwer. Der Titelverteidiger braucht dringend Siege, um im Endspurt den Titel einfahren zu können. "Wir sind Profis genug, um den Kopf hochzuhalten und nach vorne zu schauen", sagte der WM-Vierte zuletzt nach seinem frustrierenden Aus in Monza. Zunächst aber muss Vettel das Vertrauen in sein Auto zurückgewinnen. Nach der zweiten Nullnummer wegen einer defekten Lichtmaschine forderte Red Bull von Motorenpartner Renault eine Lösung des Problems. "Wir können es uns nicht leisten, nicht ins Ziel zu kommen", so Teamchef Christian Horner. Zumindest die Statistik macht Hoffnung: Vor Monza waren zuletzt 2010 in Südkorea beide Red Bull ausgefallen. Danach gewann Vettel die nächsten vier Rennen.
Lewis Hamilton
McLaren-Pilot Lewis Hamilton liegt derzeit 37 Punkte hinter dem führenden Alonso.
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Das will Ferrari-Mann Alonso Fall verhindern. "Wenn wir bei den nächsten Rennen schlecht aussehen, dann sieht es für uns in dieser Saison schlecht aus", warnte der Spanier. Seine Taktik: "Wir müssen jedes Rennwochenende so angehen, als müssten wir einen Rückstand aufholen. 37 Punkte sind nichts."  Eben diese 37 Punkte liegt McLaren-Pilot Hamilton hinter Alonso. Mit zwei Siegen in den letzten drei Rennen und dem derzeit wohl besten Auto fühlt sich der Brite gerüstet für den Angriff. "Ich mag es, mich mit Fernando zu messen und hoffe, wir haben noch die ein oder andere enge Schlacht", sagte der 27-Jährige. Auch von den hartnäckigen Gerüchten, er würde am Jahresende als Nachfolger von Schumacher zu Mercedes wechseln, will Hamilton sich nicht ablenken lassen. "Mein Fokus liegt darauf, den Titel zu gewinnen", betonte der Weltmeister von 2008. Alle Spekulationen seien "Müll".
Nur einen Punkt hinter Hamilton und einen vor Vettel lauert der Finne Kimi Räikkönen. Mit bemerkenswerter Konstanz hat sich der Lotus-Pilot die Chance auf seinen zweiten Titel nach 2007 erhalten. Der Haken daran: Räikkönen hat noch kein Rennen gewonnen - und ohne Sieg wurde noch kein Pilot Weltmeister. Aber was ist in diesem verrückten Formel-1-Jahr schon normal?