Dieser Pokal fehlt ihm noch in seiner Sammlung. 80 WM-Rallyes hat Rekord-Weltmeister Sébastien Loeb (2004-2012 neun Titel in Folge) gewonnen. Nur bei der Safari Rallye kam der inzwischen 48 Jahre alte Franzose über Rang fünf nicht hinaus.
Allerdings startete Loeb nur einziges Mal in Kenia, im Jahr 2002. Anschließend verschwand die 1953 zur Krönung von Königin Elisabeth II. ins Leben gerufene Rallye aus dem WM-Kalender.
Seit 2021 gehen die Werksteams wieder auf Reise, oder in der Landessprache Suaheli: auf Safari. Früher führte diese über mehr als 5.000 Kilometer durch Kenia, Tansania und Uganda. Am kommenden Wochenende (23. bis 26. Juni) sind es weniger als 400 Kilometer rund um den Lake Naivasha etwa 100 Kilometer nördlich von Nairobi.
Trotzdem gilt die Safari Rallye Kenia immer noch als die mit Abstand härteste Schotter-Veranstaltung der Weltmeisterschaft. Mit entsprechend großer Ausfallquote auch beim Comeback 2021. „Wir haben wir trotz eines anfänglichen Rückstands von zwei Minuten noch gewonnen. Das wäre bei keiner anderen Rallye möglich“, erinnert sich Toyota-Werkspilot Sébastien Ogier, mit acht Titeln seit 2013 legitimer Thronerbe von Loeb.
Bei der Safari Rallye in Kenia treffen die alten Rivalen Sébastien Loeb und Sébastien Ogier erneut aufeinander.

Wie Landsmann Loeb bestreitet Ogier nicht mehr die komplette WM. Loeb konzentriert sich inzwischen auf Wüstenrallyes wie die legendäre „Dakar“ und die Elektro-Offroadrennserie Extreme E. Ogier feierte vor zwei Wochen seine Premiere beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans.
Am kommenden Wochenende treffen die beiden Super-Sébs in der Savanne Kenias zum dritten Mal in der laufenden Saison aufeinander. Die Rallye Monte Carlo gewann Loeb im Ford Puma knapp vor dem zehn Jahre jüngeren Ogier. In Portugal hatten beide Teilzeit-Rentner nach Unfall (Loeb) und Reifenschäden (Ogier) mit der Punktevergabe nichts zu tun. An der Tabellenspitze steht nach fünf Rallyes aktuell einer, der der Sohn zumindest von Loeb sein könnte – der erst 21 Jahre alte Toyota-Werksfahrer Kalle Rovanperä aus Finnland.
Toyota feierte in Ostafrika schon zehn Siege. Ford taucht mit neun Erfolgen in der Safari-Statistik auf. Für Hyundai, den dritten in der WM engagierten Hersteller, steht bisher nur ein dritter Rang von Ott Tänak in der Saison 2021 zu Buche.
Jetzt fangen allerdings alle Werksteams bei Null an: Die zur Saison 2022 neu eingeführten Rally1-Boliden mit über 500 PS starkem Hybrid-Antrieb stellen sich zum ersten Mal der Herausforderung kenianischer Brutalo-Pisten mit fußballgroßen Steinen, knietiefem Feinstaub (Fesh-Fesh) und aufgrund der jüngsten Regenfälle noch tieferen Wasserdurchfahrten. „Ich denke, wir müssen noch mehr mit Köpfchen fahren als letztes Jahr“, grübelt Ogier. „Reifenschäden könnten ein Thema werden“, befürchtet Loeb, der die aktuelle Strecke nur vom Training kennt.
Das ist heutzutage auf zweimaliges Abfahren der Wertungsprüfungen beschränkt, mit bis auf Sicherheitseinrichtungen serienmäßigen Autos und gemäßigtem Tempo. Früher, zu den Zeiten von Walter Röhrl, verbrachten die Werksteams mit eigenen Testmannschaften mehrere Wochen in Ostafrika. Wer die gesamte Strecke nicht mindestens vier Mal mit Vollgas gefahren war, und zwar im vollwertigen Wettbewerbsauto, brauchte sich keine Siegchancen auszurechnen. Der zweimalige Weltmeister Röhrl kam über Rang zwei 1982 im Opel Ascona nicht hinaus. Immerhin drei Plätze besser als Rekordchampion Loeb.       

TV-Tipp Safari Rallye Kenia

Die Homepage der Rallye-WM (www.wrc.com) streamt alle Wertungsprüfungen live im Internet, der Dienst ist kostenpflichtig. Servus TV (www.servustv.com/sport) überträgt live im Internet und im Free-TV am Freitag und am Samstag je eine Wertungsprüfung, am Sonntag zwei Prüfungen.

Von

Christian Schön