Test: VW California
Vanlife trifft Hightech: alles neu im VW California

Nach 20 Jahren erlebt Deutschlands Kult-Camper Nummer eins den radikalsten Wandel seiner Geschichte. Aber der VW California bleibt sich trotzdem treu. AUTO BILD ist ihn schon gefahren!
Bild: Volkswagen
Die Eagles haben nach Glenn Freys Tod notgedrungen ein neues Line-up und VW einen neuen Bus – so oder so ist das Hotel California deshalb nicht mehr das alte. Doch während man im Radio dem Original hinterherweinen mag, nimmt man den Fortschritt auf der Straße dankend mit. Denn so lieb einem Deutschlands Wohn-Van Nummer eins auch geworden sein mag, braucht jedes gute Hotel immer mal wieder eine Renovierung. Und bei VW ist die jetzt bald zwei Jahrzehnte her.
Umso größer ist der Sprung, den VW nun mit dem neuen California macht – wie immer als "Beach", "Coast" oder "Ocean" und überraschenderweise in der Basis mit einem Grundpreis von 62.689 Euro sogar, nun ja: nicht mehr ganz so teuer wie bisher. Wenn es ums Fahren geht, profitiert der neue California vom Umzug auf den MQB, den Wolfsburger Universalbaukasten für die Verbrennerwelt, bekommt deshalb modernere Motoren mit 150 PS beim Diesel, 204 PS beim Benziner und sogar einen Plug-in-Hybrid mit 241 PS, der erstmals im VW-Konzern dann auch mit Allrad kommt.

Durchgehend geöffnet: Mit zwei Schiebetüren wird der VW California noch flexibler.
Bild: Volkswagen
Dazu gibt es ein betont komfortables Fahrwerk und eine angenehme Lenkung mit viel Pkw-Gefühl sowie ein zeitgemäßes Cockpit und alle wichtigen Assistenten. Und beim Wohnen würzen sie in Hannover die romantische Vorstellung vom Vanlife mit jeder Menge Hightech und machen das rollende Ferienapartment so fit für die Generation iPhone. Nur zwei Dinge ändern sich nicht: Es gibt auch künftig auf Wunsch die ikonische Zweifarblackierung, und am Heck prangt wie eh und je der Name California.
VW California als digitale Heimat
Wie weit die Digitalisierung geht, zeigt sich an der neuen App, mit der alle Einstellungen des Wagens zum Wohnen gebündelt werden. Wahlweise auf dem Bildschirm im Cockpit, einem Schaltpanel in der C-Säule kann man damit Klima, Kühlschrank oder Beleuchtung einstellen. Oder man lädt die App aufs Smartphone und kann dann auch von außen das Dach aufstellen, um so zu kontrollieren, ob drüber wirklich nichts im Weg ist.
Und egal ob man in der Schlafkoje unter dem Ausstelldach kuschelt, in der Küchenzeile werkelt oder draußen auf den Klappstühlen lümmelt, die so pfiffig aus der Heckklappe fallen – immer hat man die Fernbedienung dabei. So smart wie im Hotel California geht es bei den meisten nicht mal zu Hause zu.

Mit einem Zentraldisplay und der Camping-App wird der VW California zum Smarthome.
Bild: Volkswagen
Zwar haben die Entwickler diesmal viele Strippen gezogen, überall USB-Buchsen jedweden Zuschnitts verteilt und Softwarezeilen programmiert – aber sie haben auch die klassischen Tugenden der mobilen Innenarchitektur nicht vergessen. Zumal sich der New California zwar weiter unter die Zwei-Meter-Marke duckt (wichtig für Parkhaus und Tiefgarage!), er sich aber im Radstand nun auf 3,12 und in der Länge 5,17 Meter streckt, fast 30 Zentimeter mehr Auto und entsprechend mehr Platz bietet.
Deshalb haben sie zum Beispiel den Zugang erleichtert und erstmals eine zweite Schiebetür serienmäßig eingebaut. Das macht das Beladen leichter und lässt am Ziel die Grenzen zwischen drinnen und draußen weiter verschwimmen: drinnen Schlafwagen, draußen auf der einen Seite unter der Markise die Wohnküche und auf der anderen unter dem Sonnensegel die Open-Air-Lounge – so kann ein Auto gleich drei Räume bieten.
Entspannte Wohlfühlatmosphäre im VW-Camper
Die zwei unterschiedlichen Küchen der fünf Modellvarianten sind praktischer und geräumiger geworden, auch wenn Gourmets und Top-Virtuosen mit einer Kochplatte weniger auskommen müssen, Einzelsitze anstelle der Rückbank erhöhen die Flexibilität, zumal die Matratze auch dann noch sicher aufliegt, wenn man einen Sessel zu Hause lässt.
Und viele pfiffige Details machen das Vanlife künftig noch einfacher. So hat VW etwa ein neues System zur Verdunklung entwickelt, bei dem nicht einfach Vorhänge zugezogen, sondern stattdessen textile Hängeschränke vor den Fenstern installiert werden, um zusätzlichen Stauraum zu schaffen.
Egal auf welche Lampe man tippt, gehen beim Einschlafen mit einem Mal alle Lichter aus, ohne dass man wie im Hotelzimmer überall die Schalter suchen muss. Und weil – MQB sei Dank – die Handbremse jetzt elektrisch ist und der Wählhebel der Automatik ins Armaturenbrett rutscht, lassen sich die vorderen Sitze jetzt noch leichter drehen.
Dank der digitalen Offensive, viel Zeitgeist und mit der zweiten Schiebetür weht buchstäblich frischer Wind – genau so, wie das Hotel California bei den Eagles heute anders klingt als in den wilden Siebzigern, so hat es sich mit der überfälligen Renovierung auch bei Volkswagen spürbar weiterentwickelt. Und der nächste Zeitensprung steht schon bevor: In Hannover arbeiten sie mit Hochdruck daran, das Konzept auch auf den vollelektrischen VW ID.Buzz zu übertragen und ein bisschen Elektro-Pop ins Hotel California zu bringen. Wollen wir nur hoffen, dass uns zumindest die Eagles diesen Schritt ersparen.
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