Der große Tiefschlag kam bereits 1992. Pünktlich zur dritten Generation des Golf GTI schritt VW zur Weichspüler-Offensive, gab dem sportlichen Kürzel denkbar unsportliche Technik mit auf den Weg, um nur wenige Monate später schließlich auch seinen Führungsanspruch zu untergraben. VR6 hieß fortan das neue Oberhaupt, das nach VW-Aussage zwar eher Komfortvariante für Genießer als echtes Performance-Modell sein sollte, mit mindestens 174 PS den damals 115 PS starken Achtventiler des GTI allerdings ziemlich mickrig aussehen ließ. Seither fiedelt das legendäre Kürzel die zweite Geige in der Hierarchie, während R32 und später R immer weiter in Richtung Fahrdynamik aufspielten.An dieser Rollenverteilung hat sich auf den ersten Blick nichts geändert, bei genauem Hinschauen dann aber doch eine ganze Menge. Der GTI bearbeitet die sportliche Basis, während der neue R mit 300 PS gegen etablierte Sportwagen stichelt und seinen kleinen Bruder dabei auf Abstand hält. Wobei Letzterer stetig schrumpft – am Sachsenring liegen nur noch drei Sekunden Differenz an. Grund: Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist der aktuelle GTI kein klassisches 90-Prozent-Auto mehr, das über Land schier grenzenlose Agilität suggeriert, um sich auf der Strecke plötzlich in chronischem Untersteuern zu verlieren; dank werksseitiger Performance-Aufstockung in Form von elektromechanischer Differenzialsperre, größerer Bremsanlage und symbolischer 10 Mehr-PS (230 statt 220 PS) meistert er nicht nur die etwas härtere Gangart, er bietet auch mehr Tuningpotenzial als zuvor. Ob es ausreicht, um sich durch gezielte Eingriffe an die Fahrdynamik eines R heranzutunen, beantworten nun BBM Motorsport, HG Motorsport und Oettinger im großen Vergleich.
BBM Motorsport Golf GTI Performance
BBM entsorgt die Vorderachsbremse zugunsten einer neuen Stoptec-Anlage.
Bild: Ronald Sassen
BBM Golf GTI Performance
Die grundlegenden Stellschrauben sind dabei natürlich gleich. Alle Tuner schreiten mit Eingriffen in puncto Leistung, Fahrwerk, Radsatz und Abgasanlage zur Tat, wobei sich lediglich Art und Umfang der Eingriffe unterscheiden. BBM generiert 298 PS und 451 Newtonmeter über Zusatzsteuergerät, Airbox und Abgasanlage, strickt das Adaptivfahrwerk kurzerhand zur klassischen KW-Variante-3-Lösung um, erdet das neue Set-up über 19-zöllige 225er und entsorgt die Vorderachsbremse zugunsten einer neuen Stoptec-Anlage. Deren Scheiben sind mit 328 Millimetern zwar etwas kleiner bemessen, doch dafür stellen sich Vier-Kolben-Festsättel statt des serienmäßigen Einkolbers in den Dienst maximaler Verzögerung.
Oettinger Golf GTI Performance
Tradition siegt vor Moderne: Altmeister Oettinger stellt
das fahrdynamisch mit Abstand reizvollste Paket.
Bild: Ronald Sassen
HG Golf GTI Performance HG Motorsport verzichtet auf ein Upgrade der Bremsanlage, investiert im Gegenzug dafür nochmals mehr Aufwand in die Leistungssteigerung. Neben Elektronik, Ansaugung und Abgasanlage schreitet der Turbo-Spezialist mit neuem Ladeluftkühler zur Tat, was letztlich 307 PS und 435 Newtonmeter hervorbringen soll. Kleiner Wermutstropfen: Wer die große Leistungsstufe auf öffentlicher Straße bewegen will, muss sich noch einige Wochen gedulden, ehe der TÜV seinen Segen gegeben hat. Problemlos, weil schon jetzt komplett abgenommen: die Modifikationen zum Thema Querkraft, die sich auf neue Eibach-Federn, umlackierte 19-Zoll-Räder aus dem VW-Regal und entsprechend gewählte Spurverbreiterungen beschränken.
HG Motorsport Golf GTI Performance
HG Motosport investiert beim Tuning vor allem in die Leistungssteigerung.
Bild: Ronald Sassen
Oettinger Golf GTI Performance
Das größte Paket schnürt der größte Name dieser Runde. Oettinger stöpselt die Leistungssteigerung auf 290 PS und 440 Newtonmeter zwar rein über eine Zusatzbox – also ohne Dazutun von Abgasanlage oder Ansaugung – ins Kennfeld, spendiert dem Mehr an Längsdynamik dafür aber auch einen optischen Rahmen. Die kosmetischen Eingriffe an Grill, Frontspoiler und Splitter dramatisieren den Auftritt zwar kaum mehr als das dezente Schwellerwerk oder der angepasste Heckdiffusor samt zugehörigem Vierrohr-Endschalldämpfer, spendieren insgesamt aber genug Individualität, um sich aus der Flut an Gleichgeformten wohltuend herauszuheben. Leider kämpfte unser Bodykit zum Zeitpunkt des Tests noch mit einigen Schönheitsfehlern im Frontbereich, was Oettinger auf Nachfrage wiederum als Erprobungs-Wehen bezeichnet; mittlerweile soll das Qualitätsniveau den hauseigenen Ansprüchen genügen.

Fazit

von

Manuel Iglisch
Klare Sache: Oettinger programmiert die ausgewogenste Leistungssteigerung, kreiert nicht nur das agilste Handling, sondern tatsächlich Performance auf Golf R-Niveau und stellt mit seiner Wahl des Handschalters obendrein den einzig passenden Rahmen, um die Leistung gefühlvoll zu verwalten. HG verheißt die meiste Leistung, bringt das Power-Plus aber nicht zur Geltung, weshalb der zweite Platz nur deshalb herausspringt, weil BBM etwas teurer kalkuliert und aufgrund eines Software-Fehlers nicht vollends zeigen konnte, was in ihrem GTI steckt.