VW ID.3 GTX: Fahrbericht
Das kann der GTI für die Generation E
Bild: Volkswagen
Der erste Griff und gleich eine kleine Enttäuschung: Natürlich habe ich im ID.3 GTX keinen klassischen Schaltknauf erwartet – und erst recht keinen Golfball darauf. Doch einfach nur der immer gleiche Lenkstockhebel, nicht mal mit ein paar Noppen dran – da hätten sie sich bei VW schon ein bisschen mehr einfallen lassen können.
Schließlich will das neue Top-Modell ihres elektrischen Golf-Enkels, das es zu Preisen ab 50.795 Euro geben wird, zum GTI der Generation E werden und dafür jenen rebellischen Geist heraufbeschwören, der den Breitensportler in den letzten fast 50 Jahren zur Legende der linken Spur gemacht hat.
VW ID.3 GTX Performance mit 326 PS
Immerhin lassen sie sich beim Antrieb nicht lumpen: Wo bislang bei 231 PS Schluss war, montieren sie jetzt für runde 3000 Euro Aufpreis eine E-Maschine mit 286 PS. Und wer noch mal 1500 Euro für den GTX Performance drauflegt, der bekommt sogar 326 PS und 545 Nm – mehr Power bietet kein anderer Elektro-VW mit nur einem Motor.

Den neuen VW ID.3 GTX gibt es ab 50.795 Euro.
Bild: Volkswagen
Dass der ID.3 trotz der überbordenden Kraft mühelos vom Fleck kommt und sicher auf Kurs bleibt, das liegt an der schweren Batterie tief im Boden, die das Gewicht auf ziemlich genau zwei Tonnen treibt; glatt 2,5-mal so viel wie damals beim ersten GTI. Und es liegt zumindest beim Performance auch an einem ausgefuchsten Aktiv-Fahrwerk mit Verstelldämpfern, die sich jeder auf dem Touchscreen in 15 Stufen individuell justieren kann.
Technische Daten | ID.3 GTX | ID.3 GTX Performance |
|---|---|---|
Leistung | 210 kW | 240 kW |
Batteriegröße | 79 kWh | 79 kWh |
Reichweite | 604 km | 601 km |
Beschleunigung | 5,9 s | 5,7 s |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h | 200 km/h |
DC-Laden | 185 kW | 185 kW |
Das Ergebnis sind nicht nur verheißungsvolle Theoriewerte mit Sprintzeiten von 5,9 und 5,7 Sekunden und Spitzentempi von 180 oder gar 200 statt der sonst eher müden 160 Sachen. Sondern auch in der Praxis taugt der ID.3 damit zum Pulsbeschleuniger – und hat dabei einen erfreulich langen Atem.
Neuer Akku sorgt für mehr Reichweite
Denn die große ID-Batterie liefert mit ihren 79 kWh genügend Energie für etwas mehr als 600-Norm-Kilometer. Und die neue Software mit der Vorkonditionierung gemäß der Routenplanung oder einfach auf Knopfdruck sorgt dafür, dass sich die Verschnaufpausen an der Ladesäule nicht unnötig in die Länge ziehen. So steigt die Kurve früh aufs Maximum von 185 kW, und der Sprung von 10 auf 80 Prozent soll im besten Fall in 26 Minuten gelingen.
Es reicht zwar nicht für einen Golfball im Interieur und auch nicht für einen Wabengrill mit rotem Rand. Aber so ein bisschen mischen auch die Designer mit bei der Transformation des GTI-Gedankens. Wie alle GTX-Modelle hat auch der ID.3 deshalb eine neue Frontschürze mit schwarzem Rautengitter und eigenem Tagfahrlicht sowie einen angedeuteten Diffusor am Heck.
Fürs Erbe einer Ikone fehlt ihm die Finesse
Im Innenraum gibt es immerhin sportlich ausgeschnittene Sitze mit roten Nähten auf schwarzem Stoff oder Kunstleder und GTX-Stickereien in der Lehne. Wer wissen will, wie es eigentlich hätte aussehen müssen, der fragt einfach "IDA". Das ist die Sprachassistentin der Niedersachsen, die jetzt voll mit ChatGPT vernetzt ist und deshalb auf Zuruf auch einen Vortrag über die GTI-Geschichte hält.

Fahrer und Beifahrer sitzen in sportlich ausgeschnittene Sitze mit roten Nähten und GTX-Stickereien in der Lehne.
Bild: Volkswagen
Er ist saumäßig stark, zumindest für ein Elektroauto verdammt schnell, und irgendwann kommt auf einer kurvigen Landstraße tatsächlich jener Fahrspaß auf, den man in so vielen ID-Modellen so schmerzlich vermisst. Doch für das Erbe einer Ikone fehlt ihm die Finesse und die Liebe zum Detail.
Dass sie das besser können in Wolfsburg, das haben sie gerade mit einem Showcar zum ID-Festival in Locarno bewiesen, wo sie den GTX im guten Geist von gestern und in Erinnerung an den Bogner-Golf liebevoll zu einem "Fire & Ice" aufgeblasen haben. Wenn sie doch nur ein bisschen von diesem Feuer für die Serie aufgebracht hätten, dann könnte die Eiszeit bald zu Ende sein.
Fazit
Gut gedacht, schlecht gemacht. Ja, die elektrische VW-Flotte braucht dringend ein paar Emotionen, und beim Thema GTI wird jedem warm ums Herz. Aber wenn schon, dann bitte richtig. Natürlich braucht es bei einem ID keinen Golfball mehr auf der Gangschaltung, doch einfach nur an der Leistung zu schrauben, ist nicht genug. Erst recht, weil die bei E-Motoren fast inflationär ist. Und wenn schon GTI-Spirit, warum dann eigentlich GTX?
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