VW New Beetle RSi (2002): Gebrauchtwagen
Dieser New Beetle war die Blaupause für den Golf 4 R32

Ein 3,2-Liter-VR6, Recaro-Schalensitze und Carbon-Türtafeln: Für den VW New Beetle RSi war das Beste gerade gut genug. Aktuell steht eines der 250 Exemplare zum Verkauf!
Bild: Autosalon Gotha
Der VW New Beetle wird bis heute oft belächelt. Dabei war die 1998 vorgestellte Neuauflage des Käfers einer der Vorreiter des bis heute anhaltenden Retro-Design-Trends.
Und was nur wenige wissen: Im Jahr 2001 brachten die Wolfsburger einen echten Hardcore-Beetle auf den Markt, ohne den es den legendären Golf 4 R32 womöglich nie gegeben hätte: den New Beetle RSi, einem auf 250 Exemplare limitierten und einst 135.950 DM teuren Sondermodell, das heute maximal noch in Sammlerkreisen bekannt ist.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1999: In Anlehnung an den von VW Motorsport entwickelten Rennwagen New Beetle Cup, entschieden die Verantwortlichen eine Straßenversion zu entwickeln. Die Idee des New Beetle RSi war geboren: extra breit, extra schnell und extra teuer.
2001 wurde das Sondermodell enthüllt und sah praktisch eins zu eins aus wie der Rennwagen. Die rundliche Karosserie wurde um 86 Millimeter verbreitert, die Spurweiten wurden vorn um 45 Millimeter und hinten um 59 Millimeter vergrößert. Dazu gab es eine neue Frontschürze mit großen Lufteinlässen und Spoilerlippe, einen Remus Duplex Auspuffanlage und einen der wildesten Heckflügel in der VW-Geschichte. Und damit die extrabreiten Radhäuser auch entsprechend befüllt wurden, spendierte VW dem RSi Vielspeichen-Räder in 9Jx18 rundum.

Kein Tuning, hier ist alles Serie. Auch wenn es nicht den Anschein macht, aber der New Beetle RSi kam so ab Werk.
Bild: Autosalon Gotha
Der ab Werk mit reichlich Plastik ausgestattete Innenraum des New Beetle wurde komplett auf links gekrempelt: Die serienmäßigen Sitze flogen genauso raus wie die kleine Blumenvase am Armaturenbrett. Stattdessen gab es klappbare Recaro-Vollschalensitze serienmäßig. Die Türtafeln wurden aus Carbon gefertigt und mit Fernterheberkurbeln aus Aluminium versehen. Die Sonnenblenden bekamen einen Alu-Rahmen spendiert, und das Radio wanderte in den Alcantara-Dachhimmel, um Platz für drei Zusatzinstrumente in der Mittelkonsole zu machen.
Besonderer Motor fürs Sondermodell
Bei all der Technik und Ausstattung an Bord, ist es auch nicht verwunderlich, dass für das Sondermodell nur ein ganz besonderer Motor infrage kam. Auch hier stand die Rennversion Pate, die mit einem 2,8-Liter-VR6 ausgerüstet wurde.

Platz ist in der kleinsten Hütte: Der 3,2-Liter-VR6 füllt den Motorraum des New Beetle vollständig aus.
Bild: Autosalon Gotha
Für den RSi (steht übrigens für RennSport injection) wurde der Motor jedoch noch mal ausführlich überarbeitet. Der Sechszylinder wurde auf 3189 cm³ aufgebohrt. Das Ergebnis waren 224 PS und 320 Nm (im New Beetle Cup waren es 204 PS und 270 Nm), die mittels Sechsgang-Handschaltung an alle vier Räder gingen.
Wem dieser Motor bekannt vorkommt – rund ein Jahr später wurde der VW Golf 4 R32 vorgestellt, ebenfalls mit einem 3,2-Liter-VR6 und 4Motion, in diesem Fall jedoch mit 241 PS.
Neupreis auf Porsche 911-Niveau
Teure Materialien und die kleine Stückzahl trieben den Preis des VW New Beetle RSi in die Höhe. Am Ende kostete der Hardcore-Beetle 135.950 DM und war damit fast so teuer wie ein Porsche 911 Carrera der Baureihe 996. Zu viel für einen (zugegebenermaßen ganz besonderen) New Beetle entschied die Kundschaft – und so wurden nicht wenige der 250 Exemplare zuerst auf ein VW-Autohaus zugelassen.
Mittlerweile hat sich das Blatt jedoch gewendet, denn einige Sammler haben den Exoten-Status des RSi erkannt. Obwohl nur 250 Stück gebaut wurden, stehen immer mal wieder Exemplare zum Verkauf, die Preise sind jedoch zuletzt deutlich gestiegen. Noch vor zwei bis drei Jahren gab es die günstigsten New Beetle RSi ab etwa 40.000 Euro, mittlerweile geht praktisch nichts mehr unter 60.000 Euro.

Blau statt orange. Werksseitig wurden alle RSi mit einem Interieur in "Tropic orange" ausgeliefert. Der Erstbesitzer ließ den Innenraum seines Exemplars mit blauem Leder auskleiden.
Bild: Autosalon Gotha
Der Innenraum ist einzigartig
Beim "Autosalon Gotha" wird aktuell die Nummer 039/250 verkauft. Zwar hat der RSi bereits vier Briefeinträge und auch schon 136.299 Kilometer auf dem Buckel, ein Detail macht ihn aber zu einem waschechten Unikat: Ab Werk waren alle New Beetle RSi in der Farbe "Reflexsilber Metallic" lackiert (nur die Nummer 002/250 wurde für Ferdinand Piëch höchstpersönlich in Blau ausgeliefert), und auch im Innenraum waren alle RSi mit der identischen Lederausstattung in "Tropic orange" ausgestattet. Der Erstbesitzer dieses Exemplars entschied sich jedoch, die orangefarbene Lederausstattung gegen eine blaue zu tauschen. So wurden die Recaro-Schalensitze, die Rückbank und sogar die ebenfalls in Leder eingeschlagene Bordmappe in blaues Leder gehüllt.
Davon abgesehen, befindet sich 039/250 im unverbastelten Originalzustand, was beim New Beetle RSi nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist, weil einige Exemplare im Nachgang noch weiter modifiziert wurden. Trotz der hohen Laufleistung macht das Auto anhand des Inserats einen gepflegten Eindruck.
Knapp 65.000 Euro soll der RSi kosten
Womit wir zur Preisfrage kommen: Mit 64.950 Euro ist der New Beetle alles andere als ein Schnäppchen – und auch nicht der günstigste RSi auf dem Markt. Es gibt jedoch auch Fahrzeuge, die noch mal 10.000 bis 20.000 Euro teurer sind. Die blaue Lederausstattung macht 039/250 zum Unikat.
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