VW Phaeton 3.0 TDI Langversion (2015) Gebrauchtwagenangebot
Mutiert der VW Phaeton langsam zum Klassiker?

Er sollte das beste Auto der Welt sein und wurde ein riesiger Flop. Doch langsam scheinen die Preise für gebrauchte VW Phaeton anzuziehen. Noch gibt es Exemplare zum kleinen Preis!
Bild: Ott Automobile 5 Seen
Ist der VW Phaeton auf dem Weg zum Klassiker? Als Neuwagen gefloppt, ist die Luxuslimousine auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu Spottpreisen zu bekommen. Doch es scheint, als würden die Kurse für gute Autos langsam anziehen!
Eines muss man VW lassen: Sie hatten Geduld mit dem Phaeton! Der Luxusliner kam 2002 auf den Markt und wurde trotz schlechter Verkaufszahlen bis 2016 gebaut. Erst nach insgesamt vier Facelifts und knapp 85.000 gebauten Exemplaren war Schluss – am 18. März 2016 wurde die Fertigung in der Gläsernen Manufaktur in Dresden eingestellt. Doch warum war der VW Phaeton überhaupt ein Flop?

Im Laufe der Jahre erhielt der VW Phaeton einige Überarbeitungen, die bei VW intern "GP" (große Produktpflege) genannt wurden.
Bild: Ott Automobile 5 Seen
Der Hauptgrund war das Image: Nur wenige Kunden wollten 80.000, 90.000 oder sogar 100.000 Euro für ein Luxusauto ausgeben, das ein VW-Emblem trägt und blieben deshalb lieber bei der Konkurrenz von Audi, BMW und Mercedes. Dabei hatte der Phaeton einige Innovationen an Bord: etwa die Klimaanlage, die zugfrei arbeitet und das Beschlagen der Scheiben verhindert.
Zudem hatte er die höchste zu diesem Zeitpunkt jemals erreichte Torsionssteifigkeit aller Autos. Auch an der Ausstattung dürfte es nicht gelegen haben, denn gegen Aufpreis konnte der auch in der Langversion erhältliche Phaeton mit fast allen erdenklichen Features bestückt werden.
Die Preise ziehen langsam an
Die Motorenpalette war vielfältig, es gab Prestige-Maschinen wie den mächtigen V10 TDI (bis Ende 2006) oder den bis zu 450 PS starken Sechsliter-W12, der zum Modelljahr 2011 eingestellt wurde. Gebracht hat es wenig, denn die Verkaufszahlen blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück, der Phaeton war ein Minusgeschäft.
Auch als Gebrauchtwagen war der von seinen Spöttern oft "XXL-Passat" genannte Phaeton lange Zeit unbeliebt. Frühe Exemplare standen sich die Reifen bei Kiesplatzhändlern eckig, denn nur wenige potenzielle Kunden trauten sich an die mit Elektronik vollgestopfte Luxuslimousine.
Doch es scheint, als gäbe es langsam ein Umdenken. Enthusiasten erkennen offenbar das Potenzial des Phaeton, denn die Preise für gute Exemplare ziehen ganz behutsam an. Nicht falsch verstehen, wer Lust auf Kopfschmerzen hat: Runtergerockte Phaeton für 5000 oder 6000 Euro gibt es immer noch. Aber späte Exemplare aus seriösem Vorbesitz und womöglich mit seltenen Ausstattungsfeatures sind kaum noch für unter 20.000 Euro zu finden, was immer noch einem Bruchteil des ehemaligen Neupreises entspricht.

Viel Platz und feinste Materialien: Dieser Phaeton ist eine Langversion mit Viersitzer-Konfiguration.
Bild: Ott Automobile 5 Seen
Ein interessantes Exemplar wird vom Händler Ott Automobile 5 Seen aus Schlagenhofen in der Nähe von München angeboten. Hierbei handelt es sich um einen Phaeton V6 mit dem standfesten Dreiliter-Diesel, der in diesem Fall 245 PS leistet.
Hervorzuheben ist, dass dieser Phaeton eine Langversion mit Viersitzer-Konfiguration ist, was dem Erstbesitzer einst fast 20.000 Euro Aufpreis zum normalen Phaeton V6 TDI wert war.
Phaeton GP4 mit unter 150.000 Kilometern
Der VW ist ein deutsches Auto und wurde erstmals im Januar 2015 zugelassen – es handelt sich also um ein ausgereiftes GP4-Modell (vierte Modellpflege). Die Laufleistung ist mit rund 146.000 Kilometern angegeben. Laut Händler ist der Phaeton scheckheftgepflegt (bei VW), hat erst kürzlich eine frische Wartung bekommen und soll sich insgesamt in einem überaus guten Zustand befinden.

Der Erstbesitzer orderte 2015 das erweiterte Holz-Paket, bei dem sogar die Haltegriffe mit Holz verkleidet sind.
Bild: Ott Automobile 5 Seen
Auf den Fotos macht die 5,18 Meter lange Luxuslimousine jedenfalls einen guten Eindruck. Gebrauchsspuren oder gar Beschädigungen sind nicht zu erkennen. Zudem bietet dieser Phaeton eine Fülle an Extras. Zu den nennenswerten Ausstattungs-Highlights zählen das Navi RNS 810, beleuchtete Einstiegsleisten, ein erweitertes Holz-Paket, Voll-Lederausstattung in Individualfarbe, 19-Zoll-Felgen (Serres), TV-Tuner, Standheizung und, und, und.
Neupreis: über 110.000 Euro
So kamen zum einstigen Basis-Neupreis von 88.900 Euro noch mal fast 30.000 Euro für Sonderausstattungen hinzu. Nach elf Jahren und weniger als 150.000 Kilometern soll das Luxusschiff aktuell 24.999 Euro kosten.
Der Wertverlust von über 90.000 Euro ist zwar immer noch schwindelerregend, doch noch vor einiger Zeit hätte es einen Phaeton wie diesen vermutlich für unter 20.000 Euro gegeben.
Fazit
Selten hat mich ein Auto so überzeugt wie der VW Phaeton. Die erste Fahrt in einem Phaeton werde ich nie vergessen: Das Maß an Komfort ist mindestens genauso beeindruckend wie die Verarbeitungsqualität. Ehrlicherweise konnte ich nie wirklich verstehen, warum das einstige Topmodell auf dem Gebrauchtwagenmarkt so "verramscht" wurde – Elektronikprobleme hin oder her.
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