Gebrauchtwagen-Test Polo BlueMotion/Prius Hybrid

VW Polo BlueMotion vs. Toyota Prius Hybrid: Gebrauchtwagen-Test

Zwei aus der 4-Liter-Liga

VW Polo V 1.2 TDI BlueMotion und Toyota Prius III 1.8 Hybrid – zwei Spritsparer mit ungleicher Technik. Welcher ist gebraucht der bessere Kauf?
Einen Kurzen pro Kilometer. Klingt nach Promille-Party, ist es aber nicht. Wir sitzen im Polo 1.2 TDI BlueMotion und blicken gebannt auf den Bordcomputer. Auf der Probefahrt über die Landstraße fällt der Momentanverbrauch bei Tempo 90 tatsächlich unter die Drei-Liter-Marke. Der Dreizylinder-Diesel nippt also alle 1000 Meter nur das weg, was in ein gut gefülltes Schnapsglas passt. Ähnlich zurückhaltend macht das auch der Toyota Prius III. Doch während sich die Spritspartechniken des Polo auf eine optimierte Aerodynamik in Verbindung mit einem knauserigen Selbstzünder beschränken, fährt der japanische Kompakte mit Hightech auf. Sein 1,8 Liter großer Vierzylinder-Benziner wird zeitweise von gleich zwei E-Motoren unterstützt, die aus einem Nickel-Metallhydrid Akku gespeist werden. Von außen aufladen weder nötig noch möglich. Trotzdem ist der Benziner genauso sparsam wie der Polo mit Spardiesel. Die smarte Steuerelektronik nutzt die beim Bremsen und im Schiebebetrieb frei werdende Energie sowie die überschüssige Kraft des Motors, um den Akku zu laden. Der hält seinen Saft für die E-Motoren bereit.

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Spätere Modell sind hier wie da der bessere Kauf

Hallo Zukunft: Head-up-Display und Digitalanzeigen. 
Nach dem Facelift fällt der Arbeitsplatz spürbar hochwertiger aus.

Bei den Fahrversuchen zeigt sich: Bei Stop-and-go hat der Prius schnell Vorteile, kommt auf Miniverbräuche von weniger als fünf Litern pro 100 Kilometer, weil er oft elektrisch anfährt und beim Bremsen wieder den Akku lädt. Der Polo knausert sich die vier vorm Komma erst auf längeren Strecken zurecht, ist vor allem auf der Autobahn bei höheren Tempi genügsamer – hier bringt der Hybridantrieb des Prius fast nichts. Der Polo arbeitet auch geräuschärmer. Zwar könnte das Getriebe noch einen sechsten Gang vertragen, was den Verbrauch weiter senken würde, doch der gemütlich vor sich hin schnuffelnde Dreizylinder ist schalltechnisch besser als der Toyota-Benziner isoliert. Vorwürfe dieser Art stießen bei den Japanern auf offene Ohren, weshalb der Prius III nach dem Facelift neben vielen Qualitätsverbesserungen (Materialauswahl, Verarbeitung und Fahrwerk) im Frühjahr 2012 auch hörbar besser gedämmt vorfährt. Wer so ein gebrauchtes Modell sucht, muss aber fünfstellige Summen beim Kauf einplanen, unter 10.000 Euro ist nichts zu machen. Polo-Käufer sind ebenso gut beraten, sich auf spätere Modelle zu konzentrieren; ganz einfach deshalb, weil der Selbstzünder erst ab April 2014 die Euro-6-Norm erfüllt.

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Technische Daten
VW Polo V 1.2 TDI BlueMotion Toyota Prius III 1.8 Hybrid
Motor Dreizylinder, Turbo/Diesel Vierzylinder, Hybrid/Otto
Ventile/Nockenwellen 12/2 16/2
Hubraum 1199 cm³ 1798 cm³
Leistung 55 kW (75 PS) bei 4200/min 73 kW (99 PS) bei 5200/min
Drehmoment 180 Nm bei 2000/min 142 Nm bei 4000/min
Höchstgeschwindigkeit 173 km/h 180 km/h
0-100 km/h 14,7 s 11,4 s
Tank/Kraftstoff 45 l/Diesel 45 l/Super
Getriebe/Antrieb Fünfgang-Schalter/Vorderrad stufenlos/Vorderrad
Länge/Breite/Höhe 3970/1682/1465 mm 4460/1745/1490 mm
Kofferraumvolumen 280/952 l 445/1545 l
Leergewicht/Zuladung 1132/458 kg 1390/415 kg

Ist der Prius-Akku defekt, wird's teuer

Beim Prius lieber Finger weg vom EV-Schalter, denn der Akku wird durch den unnötig langen Ladezyklus stärker belastet.

Unter den wenigen Schwachstellen des komplexen Prius befindet sich die Hybridbatterie, was aber vorrangig dem Alter geschuldet ist. Denn das Lademanagement hält den Ladezustand auf einem gleich bleibenden Niveau, Über- oder gar Tiefenentladungen sind so fast ausgeschlossen. Nicht selten, dass der etwa 40 Kilogramm schwere Akku eine Viertelmillion Kilometer durchhält. Kommt es jedoch zum Defekt, kündigt sich der Schaden an den einzelnen Zellen durch immer kürzer werdende Be- und Entladungszyklen an, am Ende durch eine Fehlermeldung im Display. Toyota behebt das Problem beim Prius III durch einen kompletten Tausch des Akkumulators, was 5000 Euro und mehr kosten kann. Erst ab dem Prius IV nehmen sich die Fachwerkstätten auch einzelne defekte Module vor. Diesen Service bieten einige Firmen auch für den Prius III an. Für etwa 1000 Euro werden dann einzelne Module getauscht. Doch Toyota äußert Skepsis gegen über solchen Reparaturen, mahnt vor dem bald auftretenden Ausfall weiterer Akku-Module. Kleiner Tipp: Finger weg vom EV-Schalter. Durch die Betätigung fährt der Prius bei entsprechend geladenem Akku und sanftem Gasfuß zwar ein paar Kilometer rein elektrisch. Doch das bringt erstens keinen Verbrauchsvorteil, denn anschließend dreht der Motor automatisch höher, um den Akku wieder zu laden. Zweitens wird der Akku durch den unnötig langen Ladezyklus stärker belastet. Wann der Prius mit wie viel E-Power unterwegs ist, weiß die Elektronik besser als der Fahrer.

Kosten
VW Polo V 1.2 TDI BlueMotion Toyota Prius III 1.8 Hybrid
Unterhalt
Testverbrauch 4,8 l/100 km 4,9 l/100 km
CO2 127 g/km 116 g/km
Inspektion 130/300 Euro 120/250 Euro
Haftpflicht (16)* 545 Euro 684 Euro
Teilkasko (18)* 87 Euro 67 Euro
Vollkasko (16)* 474 Euro 491 Euro
Kfz-Steuer (Euro 5) 114 Euro 36 Euro
Ersatzteilpreise**
Lichtmaschine (AT) 765 Euro entfällt
Anlasser (AT) 428 Euro entfällt
Wasserpumpe (AT) 328 Euro 681 Euro
Zahnriemen 312 Euro entfällt, Steuerkette
Nachschalldämpfer 309 Euro 280 Euro
Kotflügel vorn links, lackiert 830 Euro 830 Euro
Bremsscheiben und -klötze 726 Euro 674 Euro
*Onlinetarif der HUK24-Versicherung: Zulassung in Hamburg, Fahrer nur Versicherungsnehmer und Partner (25 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 km, Schadensfreiheitsklasse 1; **Preise inklusive Arbeitslohn und 19 Prozent Umsatzsteuer
Überblick: Alles zum VW Polo und Toyota Prius

Beide wurden besonders sorgsam behandelt

Der Dreizylinder-Diesel läuft deutlich rauer als der butterweiche Prius-Hybridantrieb.

Einen großen Vorteil teilen sich Polo BlueMotion und Prius als Gebrauchtwagen: Die Vorbesitzer der beiden Modelle hatten in der Regel das Sparen im Sinn. Ergo wurden Prius und Polo meist überdurchschnittlich sorgsam behandelt. Das trifft auch auf unsere Testwagen zu. Der Polo ist eine Leihgabe vom Autohaus Wadood Automobile in Kisdorf bei Hamburg. In dieser Fahrzeugklasse sind Kilometerstände um 200.000 Kilometer selten, erst recht mit so geringen Abnutzungsspuren. Allerdings sind die Gummilager des Motors hart und spröde geworden. Beim Motorstart mit offener Haube scheint der Dreizylinder aus seiner Behausung springen zu wollen, wackelt wild hin und her. Die Vibrationen lassen sich auch beim Fahren spüren. Vibrationen und Wackelstart sind dem von Hallas Automobile in Rendsburg angebotenen Prius fremd. Die Kraft des Verbrenners und der beiden E-Motoren (der kleinere ist überwiegend als Generator und Anlasser tätig) verwaltet ein Planetengetriebe mit stufenloser Übersetzung. Das monotone Motorgeräusch und das verzögerte Ansprechverhalten beim Beschleunigen gefallen wahrlich nicht jedem Fahrer. Doch eines hat sich der Hybrid-Pionier Prius bewahrt: das Image des Saubermanns. Das zeigt beim Knauser-Knirps von VW leider ein paar Risse – trotz Spatzendurst.

Gebrauchtwagen-Test Polo BlueMotion/Prius Hybrid

VW Polo BlueMotion, Toyota Prius HybridVW Polo VToyota Prius III

Tim Dahlgaard

Fazit

Freude am Sparen bieten beide, doch im Prius finden Sparfüchse trotz aufwendigerer Technik den ausgereifteren Gebrauchten. Der Polo BlueMotion fasziniert durch seine schlichte, aber effektive Spartechnik, ist als Opfer der hausgemachten Diesel-Problematik aber nur eingeschränkt zu empfehlen.

Autoren: Tim Dahlgaard,

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