VW T6.1 California: Gebrauchtwagen-Test
Wie gut ist der gebrauchte VW T6.1 California wirklich?

Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Eine Sonnengarantie gibt es auch beim T6.1 California nicht, strahlende Gesichter dagegen (fast) immer. Dass die alltagstaugliche Freiheit auf vier Rädern mit der Vorstellung des Nachfolgers gerade vor einem Zeitenwechsel steht, ist dabei kein Hindernis. Im Gegenteil: Mit dem Modellwechsel gibt es noch mehr gute Gründe für den Kauf des alten Modells.
Der T6.1 basiert noch auf dem guten alten Transporter-Layout der frühen Nullerjahre und ist dadurch in vielen Details vergleichsweise robust konstruiert und geräumig. Und der Gebrauchtmarkt ist aktuell relativ gut gefüllt, erstmals seit Jahren sind die Preise nicht mehr ganz so frustrierend hoch. Gut für viele Fans, die sich aktuell für einen gebrauchten T6.1 interessieren.
Großraumlimousine und Camper in Personalunion
Das ist er: Ein kerniger Neo-Klassiker auf Deutschlands Straßen. Genau genommen kennen wir die Grundform bereits seit gut 20 Jahren. Damals trat der neu konstruierte T5 California die Nachfolge des T4 California an. Der T6.1 California besitzt Tausende verfeinerte Details, ist im Grunde aber der dritte Faceliftzyklus der Urvariante.
Auf 4,90 Meter Fahrzeuglänge vereint der California das Beste aus zwei Welten. Einerseits ersetzt er, als Großraumlimousine genutzt, einen großen Kombi oder ein SUV. Andererseits taugt sein Grundriss durchaus dazu, um sich mit bis zu vier Personen in das eine oder andere Campingabenteuer zu stürzen. Diese Qualitäten waren traditionell nie billig. Vor vier Jahren kostete unser Testfahrzeug vom Autohus in Bockel (bei Bremen) rund 73.000 Euro. Jetzt wäre er mit 134.889 Kilometern für 44.980 Euro zu haben.

Mit aufgestelltem Dach legt der California Baech in der Höhe rund einen Meter zu, an der Vorderkannte sind es dann fast drei Meter.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Der California Beach Camper richtet sich an Camping-Puristen
Das hat er: Viel Bewegungsfreiheit, aber wenig Staufächer. Das One-Box-Raumkonzept sorgt für ein gutes Raumgefühl, jedoch ist die serienmäßige Ausstattung ein klarer Fall für Campingpuristen. Gegenüber dem Schwestermodell California Ocean fehlt dem deutlich einfacher ausgestatteten Beach Camper eine praktische Schrank- und Küchenzeile auf der Fahrerseite. Dadurch ergibt sich jedoch genügend Raum für eine dreisitzige Rückbank und ein breiteres unteres Bett, was besonders kinderreichen Familien gefallen dürfte.
Technische Daten
Motorisierung | Vierzylinder/vorn quer |
|---|---|
Leistung | 146 kW (199 PS) bei 3800/min |
Hubraum | 1968 cm3 |
Drehmoment | 450 Nm bei 1400/min |
Höchstgeschwindigkeit | 201 km/h |
Getriebe/Antrieb | Siebengang/Vorderrad |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 70 l/Diesel |
Länge/Breite/Höhe | 4904/1904/1990 mm |
Radstand/Bereifung | 3000 mm/235/55 R 17 |
Masse fahrbereit/Zulad. ca. | 2400/680 kg |
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) | 2500/750 kg |
Material/Wand/Dach/ Boden | Stahl/GFK/Stahl |
Liegefläche unten L x B | 1900 x 1500 mm |
Liegefläche oben L x B | 2000 x 1200 mm |
Kühlschrank/Eisfach | nicht verbaut |
Herd | eine Flamme |
Bordbatterie | 12V/75 Ah |
Frisch-/Abwassertank | nicht verbaut |
Gasvorrat/Heizung | 1 x 1,8 kg/Diesel |
Grundpreis/ Testwagenpreis | 67.254 Euro/ 73.000 Euro |
Testverbrauch | 8,8 l D/100 km |
Beim Verladen des Reisegepäcks ist Improvisation angesagt. Ab Werk gibt es nur drei kleine, relativ klapprige Schubladen im Untergeschoss der auf einem Schienensystem manuell verschiebbaren Rückbank. Dazu kommt das Multiboard für die Polsterauflage im Kofferraum, die genügend Stauraum unter dem Bett sicherstellt. Eine Wasserversorgung ist beim Beach Camper leider nicht vorgesehen. Hierfür müsste man einen spürbar teureren Coast oder Ocean in Erwägung ziehen.
Gegen 458 Euro Aufpreis gab es neu immerhin eine 32 Liter große Box mit Kühl- und Wärmefunktion. Was es als serienmäßige Dreingabe ab Werk gibt, ist eine kompakte Sitzgruppe: In der Schiebetürverkleidung versteckt sich der Klapptisch, zwei vollwertige Campingstühle fahren zusammenfaltet in der Heckklappe mit. Empfehlenswert ist die in unserem Testwagen verbaute optionale Klimaautomatik Climatronic mit drei Zonen, die den Reisekomfort an Bord spürbar erhöht.

Das untere Bett ragt bis knapp unter die Seitenfensterlinie.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Gut gelöst im California Beach Camper ist das Schlafthema. Im Erdgeschoss gibt es ein Doppelbett mit etwas fummeliger, mehrteiliger Polsterauflage. Im Obergeschoss setzten die VW-Ingenieure jedoch auf eine vollwertige Matratze inklusive Tellerfeder-Lattenrost. Vernünftig dimensioniert ist die Standheizung, die über die praktische Camper-Unit oberhalb des Innenspiegels bedient wird und für wohlige Nächte bei kühlerem Wetter sorgt.
Konzeptbedingt ist die Isolierung jedoch nicht mit anderen wintertauglichen Modellen vergleichbar. Stahlblechaußenwände und unisolierte Scheiben neigen leider zum Auskühlen. Wie lebt es sich ansonsten an Bord? Um im California stehen zu können, muss man das manuelle Hubdach mit Stofffaltenbalg aufklappen. Die elektrohydraulische Variante des Topmodells Ocean böte keinen höheren Nutzwert.
Stärken
- Starkes Allrounder-Konzept
- Geringer Verkehrsflächenbedarf
- Toller Werterhalt
Schwächen
- Als Beach und Beach Camper nur rudimentär ausgestattet
- Schwankende Verarbeitung
- Top-Motorisierungen mit recht vielen technischen Problemen
Schnelle Reiseetappen meistert der T6.1 California mühelos
So fährt er: Erfrischend dynamisch. Der California Beach Camper stürmt mit seinem 199-PS-TDI kräftig voran, rennt auf der Autobahn notfalls sogar Tempo 200. Mit optionalem DCC-Fahrwerk legt die Geschmeidigkeit deutlich zu. Diverse praktische Fahrassistenten wie der Spurhalter, das Frontassist-System, der adaptive Tempomat (ACC), der Park-Lenk-Assistent (Park Assist) und die Rückfahrkamera kosteten jedoch stets Aufpreis.
Für Abenteurer besonders interessant sind die allradgetriebenen 4Motion-Modelle. Je nach Ausführung ist der T6.1 außerdem ein sehr brauchbares Zugfahrzeug und darf einen bis zu 2,5 Tonnen schweren Anhänger an den optionalen Haken nehmen.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 8,8 l Diesel/ 100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 171 g/km |
Inspektion | 400 bis 850 Euro |
Haftpflicht* | 433 Euro |
Teilkasko* | 875 Euro |
Vollkasko* | 1981 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 220 E |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 1167 Euro |
|---|---|
Anlasser (AT) | 738 Euro |
Zahnriemen | 682 Euro |
Wasserpumpe | 779 Euro |
Bremsscheiben- u. -klötze, vorn | 762 Euro |
4 Sommerreifen 235/55 R 17 | 660 Euro |
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