Welche europäische Nation fällt Ihnen, abgesehen von Deutschland, ein, wenn Sie das Wort Camping hören? Also wir denken da sofort an unsere niederländischen Nachbarn! Die sind nämlich genau so verrückt nach der Freiheit auf vier Rädern wie wir. Um ganze 16 Prozent legte der Reisemobilmarkt laut Caravaning Industrie Verband (CIVD) im Jahr 2020 dort zu.

Kein Wunder, dass sich auch in den Niederlanden zahlreiche Hersteller und Manufakturen angesiedelt haben, die sich auf den Bau von Reisemobilen, Expeditionsmobilen oder Campingbusausbauten spezialisieren.
So wie die Firma Tonke aus dem beschaulichen Terheijden. Neben ungewöhnlichen Absetzkabinen in Bauwagenoptik baut das Team dort vor allem neue und junge gebrauchte VW-Busse zu detailverliebten Campern um.
Wer in Norddeutschland einen Tonke fahren will, steuert die Firma Bullibü in Hamburg-Ottensen an. Inhaber Thorsten Turck verkauft und vermietet die Vans. Mit dem größten Modell, dem Tonke Van XL, waren wir unterwegs.

Tonke Van XL: VW T6.1 Multivan mit einem besonderen Ausbaukonzept

Das ist er: Ein nagelneuer VW T6.1 Multivan mit einem besonderen Ausbaukonzept. Das beginnt bei den Materialien. Die Schrankfronten und der Tisch bestehen aus leichtem und strapazierfähigem Bambus (978 Euro), die restlichen Elemente werden aus Birke-Multiplexplatten gefertigt.
Die isolierte Bodenplatte besteht klassisch aus Vinyl, passt jedoch zu den Schränken in Bambusoptik. Decken und Wände sind mit Filz verkleidet.
Tonke Van XL
Auf der umgeklappten Dreiersitzbank entsteht ein Bett mit 1,25 Meter Breite. Zwei weitere Schlafplätze gibt es im Schlafdach.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

Ganz gewöhnlich hingegen wirkt auf den ersten Blick der Grundriss: umklappbare Dreiersitzbank, Schrank, Kühlbox und Küchenzeile auf der Fahrerseite, oben das Schlafdach.
Das Besondere liegt im Detail: Die handelsüblich wirkende Küche lässt sich durch die zweite Schiebetür (zusammen 1785 Euro) nach draußen schwenken. Das ist übrigens auch der Grund für die Markise auf der linken Seite.
Was uns schon beim ersten Stöbern, Anfassen und Klappen auffällt: Die unfassbar stabilen Möbelelemente und Scharniere, die wirken, als würden sie die nächsten Jahrzehnte an Ort und Stelle bleiben.

Schlafdach, Küche, Kühlbox: Tonke-Van mit reisefertiger Ausstattung

Das hat er: Schon von Haus aus eine reisefertige Ausstattung. Dazu gehören neben Sitzbank, Zweitbatterie, Airlineschienen, Verdunklung und Schlafdach auch Küche und Kühlbox.
Was unseren Testwagen am Ende so kostspielig macht, sind die zahlreichen VW-Optionen, die allein mit knapp 23.000 Euro (!) zu Buche schlagen. Bei Tonke gibt's die zum Teil im sogenannten Excellence-Paket.

Technische Daten

Technische Daten
Motorisierung
2.0 TDI
Leistung
110 kW (150 PS) bei 3250/min
Hubraum
1968 ccm
Drehmoment
340 Nm bei 1500/min
Höchstgeschwindigkeit
179 km/h
Getriebe/Antrieb
Siebenstufen-DSG/Allrad
Tankinhalt/Kraftstoffsorte
70 l/Diesel + 27 l AdBlue
Länge/Breite/Höhe
4904/1904/2050 mm
Radstand/Bereifung
300 mm/215/60 R 17 C
Leergew. fahrbereit/Zuladung (Testmobil)
2710/490 kg
Anhängelast (gebremst/ungebremst)
2500/750 kg
Material Wand/Dach/Boden
je Stahlblech
Liegefläche Heck L x B
1950 x 1250 mm
Liegefläche Schlafdach L x B
1950 x 1200 mm
Kühlbox
37 l, KompressorHerd
Herd
2 Flammen
Bordbatterie
75 Ah
Frisch-/Abwassertank
40/20 l
Gasvorrat/Heizung
1x 5 kg/Luftstandheizung
Grundpreis
ab 60.295 Euro
Testwagenpreis
98.439 Euro

So fährt er: Allradantrieb, Siebenstufen-DSG, 150-PS-Diesel (zusammen 9541 Euro) und allerlei Assistenzsysteme – der voll ausgestattete Bulli ist ein echter Verwöhner.
Einziges Manko ist das Dach. Das bewirkt eine Höhe von 2,05 Metern, der Tonke passt damit in die meisten Parkhäuser nicht rein. Außerdem sorgt es während der Fahrt für leichte Windgeräusche. Wer damit leben kann, bekommt einen alltagstauglichen Allrounder.

Fazit

von

AUTO BILD
Der Tonke Van XL ist eine echte Alternative zum VW California. Manch einer behauptet, er sei sogar besser. Nicht nur die schicke Schwenkküche überzeugt, sondern vor allem die Qualität des Ausbaus. Auch wenn wir kritisch sind – hier gibt's (fast) nichts zu meckern.