Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss. Eine clevere und vor allem effektive Strategie, die auch VW verinnerlicht hat. Die erste Auflage des VW Touran ließen die Wolfsburger zwölf Jahre, also im Prinzip ein doppeltes Autoleben lang, am Markt – den der kompakte Van seit 2003 auch dominiert. Doch so langsam lässt sich sein Alter immer weniger verbergen. Deshalb startet im September die zweite Generation. Deutlich sportlicher gezeichnet, spürbar gewachsen und technisch auf den aktuellen Konzernbaukasten umgestellt. Zum ersten Test tritt der Familienfreund mit dem 110 PS starken 1,6-Liter-TDI an.

Am Arbeitsplatz wirkt der Touran modern und hochwertig

VW Touran 1.6 TDI
Verbessert: Das Cockpit wurde im Vergleich zum Vorgänger deutlich aufgewertet und modernisiert.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Fünf Personen plus Urlaubsgepäck schluckt der Touran locker, gegen 640 Euro Gebühr dürfen zwei weitere Gäste auf der dritten Sitzbank mit – dann aber bitte nur mit Zahnbürste. Die Sitze bieten in der ersten Reihe keinen Grund für Klagen, die klapp- und verschiebbaren Einzelsitze dahinter fallen zwar nicht gerade üppig, aber durchaus reisetauglich aus. Das Cockpit wurde deutlich aufgewertet und modernisiert. Feine Materialauswahl, solide Verarbeitung, hohe Funktionalität – zusammen mit Echtzeit-Stauwarnung (über eigene SIM-Karte), der Vorbereitung für Apple CarPlay und Android Auto sowie allerhand Assistenten vom Anhänger-Rangierhelfer bis zur automatischen Distanzregelung ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem alten Touran. Der im Testwagen nicht sauber schließende Handschuhfachdeckel trübt den exzellenten Gesamteindruck aber etwas.
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Der kleine TDI braucht einigermaßen hohe Drehzahlen

VW Touran 1.6 TDI
Etwas schmalbrüstig: Der 1,6-Liter-TDI schwächelt bei artgerechter Nutzung des Touran als Van.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Beim Motor sieht das anders aus. Der bekannte 1.6 TDI mit jetzt 110 statt bisher 105 PS reicht zwar für den morgendlichen Weg ins Büro noch aus, schwächelt aber bei artgerechter Nutzung des Vans. Wer die 589 Kilo Zuladung ausreizt, muss Überholvorgänge sorgfältig planen und sportliche Ambitionen zu Hause lassen. Daran ändern auch die manierlichen 11,9 Sekunden auf Tempo 100 nichts – die werden mit Drehzahlen weit über 3000 Touren erzwungen. Bei normaler Gangart braucht der TDI bis 1800 Touren erst mal Zeit zum Luftholen, erst dann entfaltet er seine Kraft. Bis 5000 Umdrehungen müht sich der 1.6er redlich, wird dabei aber knurrig und legt die akustische Zurückhaltung beiseite. Auf der Autobahn sollte jedenfalls niemand Wunder erwarten und sich trotz versprochener 187 km/h schon mit Tempo 160 zufriedengeben. Alles andere wird auf Dauer anstrengend und versaut den sehr guten Testverbrauch von 5,2 l/100 km. Ach ja, der neue 1.6 TDI schafft jetzt auch Euro 6 – erkauft sich die weiße Weste aber mit zusätzlicher Harnstoffeinspritzung.
Hinter der Tankklappe wartet also ein zweiter Einfüllstutzen fürAdBlue. Bei einem Verbrauch von rund ein bis 1,5 Litern pro 1000 Kilometern sollte das Nachfüllen bei der jährlichen Wartung miterledigt werden – Vielfahrer müssen zwischendurch eventuell selbst nachfüllen. Und natürlich gibt es AdBlue nicht umsonst – pro Liter werden in der Werkstatt rund fünf Euro fällig. Macht beim Touran etwa 100 Euro. Tipp: Im Internet kosten zehn Liter nur 13 Euro.

Beim Fahrwerk sind die adaptiven Dämpfer eine Empfehlung

VW Touran 1.6 TDI
Gut abgestimmt: Die Feder-Dämpfer-Kombination bügelt die allermeisten Fahrbahnfehler gekonnt weg.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Wer sich mit dem kleinen Diesel auf die große Reise traut, wird dennoch verwöhnt – vom Fahrwerk. Die Feder-Dämpfer-Kombination bügelt die allermeisten Fahrbahnfehler gekonnt weg, kommt kaum ins Stolpern und hält die Fuhre auch bei forcierter Fahrweise stabil. Wer sich die adaptiven Dämpfer für 1035 Euro gönnt, kann zudem auf Knopfdruck zwischen weicher Welle und sportlichem Spaß wählen – ein Extra, das wir absolut empfehlen können. Auch wenn es den mit 28.725 Euro nicht gerade unter Sonderangebot parkenden 1.6 TDI Comfortline noch ein bisschen teurer macht. Rechnen wir alle für den Test relevanten Sonderausstattungen mit ein, kommt unser Testwagen auf rund 33.000 Euro. Viel Geld, für das allerdings ein echter Spitzen-Van vorfährt. Nur zwei Jahre Garantie sind inzwischen viel zu wenig – da sollte VW so langsam mal etwas höher springen!
Wie nicht anders zu erwarten, macht die Umstellung auf die aktuelle technische Basis von VW den Touran noch mal besser. Das Platzangebot und die Fahrwerkqualität dürfte in dieser Klasse derzeit niemand erreichen. Dazu dann noch gewohnt solide Verarbeitung und viele Extras – klingt nach Klassenprimus. Nur die Preise, die wünschen wir uns volksnäher.