Dass der Preis heiß ist, wissen wir seit Harry Wijnvoords gleichnamiger Kultsendung aus den 90ern. Bei diesem 2001er Einsteigermobil stehen 19.500 Euro auf dem Händlerschild – damit kostet er kaum mehr als ein neuer VW Golf mit Buchhalter-Ausstattung. Seinen 90er-Jahre-Charme muss man allerdings mögen: Mintgrüne Farbakzente, ein Möbeldekor namens "Elsbeere" und Stoffbezüge mit der Bezeichnung "Cassandra" zeigen, dass der 540 M aus einer Zeit stammt, in der gewagte Farbkombinationen so angesagt waren wie Techno-Beats in der Disco. Eine echte Zeitkapsel also, noch dazu mit durchdachtem Konzept und viel Raum auf möglichst kleiner Grundfläche.

Ausreichend Platz und stimmiger Grundriss

Weinsberg Meteor 540 M
Das Alkoven-Doppelbett über dem Fahrerhaus bietet viel Platz, ohne dass vorab Tische und Bänke geklappt werden müssen.
Mit 5,50 Metern ist der Weinsberg Meteor angenehm kurz und mit einem Wendekreis von nur 11,1 Metern verblüffend stadttauglich. Trotz der knappen Außenlänge lässt das Alkovenmobil zwei bis drei Personen an Bord volle Bewegungsfreiheit. Durch das zentral angeordnete große Dachfenster wirkt der Innenraum noch luftiger, als es die Innenstehhöhe von 209 Zentimetern und die Breite von 230 Zentimetern vermuten lassen. Der charakteristische Buckel über dem Fahrerhaus ist zwar – von außen betrachtet – kein Fall für Design-Ästheten, doch in der Praxis steigert das vorgelagerte Obergeschoss den Nutzwert enorm. Eine Kingsize-Liegefläche für zwei mit verschwenderischen Ausmaßen und drei Lüftungsluken lädt zum Lümmeln ein, ohne dass vorab Tische und Bänke geklappt und Polster umgeschichtet werden müssen. Wer abends trotzdem umbauen mag, hat Schlafplatz für drei. Die Küchenzeile mit Dreiflammenherd und Spüle reicht für die Zubereitung kleinerer Gerichte aus. Ein Plus: Der Kühlschrank ist angenehm hoch eingebaut und damit leicht zugänglich. Am Tisch gegenüber oder draußen unter der Omnistor-Markise ist je nach Witterung der Essplatz der Wahl. In der im Heck eingebauten Nasszelle können sich selbst groß gewachsene Personen problemlos bewegen. Dank des üppigen Angebots an Staufächern und Schränken sind Meteor-Reisende auch für mehrwöchige Urlaube gut gerüstet. Sämtliche Beschläge sind intakt, die Scharniere des Fotomobils funktionieren nach 15 Jahren noch tadellos. Und im schachtartigen Heckfach steht weiterer Stauraum zur Verfügung.
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Die Aluminium-Außenhaut ist eine Schwachstelle

Weinsberg Meteor 540 M
Schäden am Aufbau sind beim Meteor die Regel und nicht die Ausnahme. Die Wartungshistorie sollte nachvollziehbar und lückenlos sein.
Alles prima also? Augenblick noch, erst mal die Motorhaube hoch. Der quer eingebaute 1,9-Liter-Diesel ist zwar sparsam, hat aber mit knapp 2,7 Tonnen Leergewicht und der hart im Wind stehenden großen Stirnfläche zu kämpfen. Viel mehr als Landstraßentempo und Flachlandetappen möchte man dem kleinen Euro-2-Turbodiesel mit seinen 90 PS nur ungern zumuten. Zumal im Ernstfall noch kein Antiblockiersystem kritische Bremsmanöver entschärft. Viel souveräner fahren sich die einst gegen deftigen Aufpreis lieferbaren 2,8-Liter-JTD-Diesel. Wer so einen kaufte, bekam das ABS mit dazu. Und noch etwas sollten Kaufinteressenten wissen: Die frühen Meteor-Alkoven ließ Weinsberg im Lohnauftrag bei Wema in Bad Kissingen bauen. Leider war das Thema Dichtigkeit anfangs ein permanentes Problem. Deutlich besser wurde die Qualität, als Knaus die Traditionsfirma Weinsberg schluckte und die Baureihe 2000 gründlich überarbeitete. Damit der Preis wirklich heiß bleibt, müssen.

Fazit

Dieser Meteor 540 M ist auch im Alter von 15 Jahren noch nicht verglüht. Den Käufer erwartet ein vollwertiges, kompaktes und gepflegtes Mobil auf Ducato-Basis. Allerdings muss er sich mit dem eigenwilligen Farbkonzept arrangieren und den müden Motor akzeptieren.