Wer hält sich hinter dem Steuer besser an die Regeln: Frauen oder Männer? Es gibt ja den Spruch "Frau am Steuer, das wird teuer". Ein Klischee mit der üblichen Prise Wahrheit? Von wegen! Tatsächlich sind es die Männer, die häufiger ins Visier der Bußgeldstellen geraten.
Laut der neuesten Auswertung des Onlineportals Geblitzt.de zeigen die Zahlen, dass Frauen am Steuer durchschnittlich vorsichtiger und regelkonformer fahren als Männer. "Rund neunzig Prozent der Personen, die über das Portal gegen Bußgeldbescheide vorgehen, sind Männer", sagt Tom Louven, Partneranwalt von Geblitzt.de.

Männer sind die Spitzenreiter bei Verkehrsverstößen

Die großen Fragen dahinter: Werden Männer tatsächlich häufiger geblitzt oder gehen sie einfach öfter gegen die Bescheide vor?
Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes decken auf: Männer sind die Spitzenreiter bei Verkehrsverstößen. Im Jahr 2022 gingen beachtliche 78 Prozent aller Verkehrsverstöße auf ihr Konto, obwohl sie nur 56 Prozent der Führerscheininhaber in Deutschland ausmachen. Trotz eines nahezu ausgeglichenen Verhältnisses bei den Führerscheinen zeigt sich hier eine deutliche Schieflage bei den Verkehrsdelikten.
"Männer sind die größten Verkehrssünder, besonders beim Überholen und beim Fahren unter Alkoholeinfluss!", sagt Louven. Und: "Sie begehen jeweils über 85 Prozent der Verkehrsstraftaten und Ordnungswidrigkeiten".
Wer fährt besser: Mann oder Frau?
Bild: dpa
Diese Statistik enthüllt noch mehr: Bei gravierenden Verkehrsvergehen wie starken Geschwindigkeitsübertretungen oder Abstandsverstößen sind es überwiegend Männer, die sich nicht an die Vorschriften halten. Besonders auffällig ist ihr Verhalten bei hohen Geschwindigkeitsüberschreitungen mit Motorrädern – hier scheinen viele Herren die Gesetze recht locker zu nehmen. "Sie behaupten auch eher, technische Kenntnisse zu besitzen und zu wissen, dass die Messung gar nicht richtig sein könne", so Louven.

Männer im Straßenverkehr aggressiver als Frauen

Forschungsergebnisse belegen: Männer verhalten sich im Straßenverkehr aggressiver als Frauen. Dies wird auch durch Zahlen des Statistischen Bundesamtes untermauert: Pro 100.000 Einwohner sind 404 Frauen, aber 529 Männer in Verkehrsunfälle verwickelt. Besonders alarmierend ist dabei, dass Männer dreimal häufiger bei solchen Unfällen ums Leben kommen. Louven: "Durch einen offensiveren Fahrstil kommt es somit möglicherweise zu den vielen Unfällen und Verstößen."
"Schuld ist das Testosteron", sagte die Psychologin Anke Precht (54) der Bild: "Das ist bei Männern zehnmal so hoch wie bei den Frauen. Allerdings heißt das nicht, dass Männer hormonell ferngesteuert sind. Sie können sich perfekt beherrschen, wenn der Chef daneben sitzt, der gerne gemächlich fährt. Aber der Impuls ist da, und manche Männer geben ihm nach. Das führt dann mal schnell zum Knöllchen."
Man muss aber dazu wissen: Männer sitzen insgesamt länger im Auto als Frauen. "Frauen nutzen häufiger den öffentlichen Nahverkehr, während Männer doppelt so weite Strecken mit dem Pkw zurücklegen, wie die Studie 'Mobilität in Deutschland' von 2017 zeigt", sagt Louven. Auch bei der Nutzung von Firmenwagen und Carsharing sind die Männer im Vergleich zu den Frauen vorne. "Sie bekommen daher augenscheinlich entsprechend mehr Gelegenheiten, geblitzt zu werden", so Louven weiter.

Männer gehen gerne mal vor Gericht

Der Anwalt verrät auch, dass es vor allem Männer sind, die Unstimmigkeiten im Verkehr gerne mal vor Gericht ausfechten. Im Straßenverkehr ist es rund jeder dritte Mann, der schon einmal gestritten hat. "Auch in der Kanzlei bemerken wir die hohe Streitlust der Männer", berichtet Louven. Frauen hingegen zahlen oft einfach, wenn es um Bußgelder geht.
Louven vermutet, dass die hohe Anzahl männlicher Nutzer auf Geblitzt.de darauf zurückgeht, dass Männer tendenziell mehr Verkehrsverstöße begehen und öfter rechtliche Schritte einleiten. Zudem könnte die Tatsache, dass Männer im Allgemeinen häufiger und für längere Zeiträume Auto fahren, ein weiterer Grund für die ungleiche Verteilung in der Statistik sein.
"Frauen streiten sich genauso oft, aber anders", erklärt Psychologin Precht. "Zudem kommt noch hinzu, dass mehr Männer beruflich auf den Führerschein angewiesen sind, wie im Vertrieb und deshalb mehr vor Gericht ziehen."