Werbung übers Navi
Kommerz im Cockpit

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Ob im Kino, TV oder Internet: Werbung ist längst allgegenwärtig. Bald könnte der Kommerz über das Navigationsgerät auch im Auto Einzug halten. BMW ist bei der Entwicklung am weitesten.
Bild: Montage
Heute schon drüber nachgedacht, wo Sie beim Essen ein Schnäppchen machen können? Oder beim Tanken? Falls nicht: Ihr Auto wird Sie künftig daran erinnern. Kam die Werbung bisher nur auf dem Umweg über Plakate oder das Radio ins Cockpit, soll sie den Fahrer künftig direkt erreichen. Gleich mehrere Hersteller arbeiten daran, das Navigationsgerät so aufzurüsten, dass es künftig ortsabhängige Werbung anzeigen kann, geschaltet von Firmen, die entlang der geplanten Route liegen. Vorbild, wie so oft: die Mobilfunkbranche, deren moderne Handys das bereits beherrschen.
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Kaffee kostenlos zum Brötchen?
Auf das Auto angewendet bedeutet das: Statt wie bisher etwa einfach die Lage von Tankstellen anzuzeigen, soll das Navigationsgerät bald auf deren Besonderheiten hinweisen – wo es gerade Mengenrabatt auf Benzin gibt, oder Kaffee kostenlos beim Brötchen-Kauf. Vielleicht auch nur, welche Zapfstelle bei einer Kundenumfrage zuletzt mit "sehr gut" bewertet worden ist.
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BMW hält mobile Werbung für machbar
Am weitesten ist BMW. Die Firma positioniert sich schon länger als Vorreiter in Sachen Elektrik, Elektronik und Vernetzung und hält mobile Werbung inzwischen für machbar. Ein mit der Softwarefirma SAP gestartetes Forschungsprojekt unter dem Schlagwort "Virtueller Marktplatz der Zukunft" ist abgeschlossen. Die Technik kann in Serie gehen, verhandelt wird nur noch, was BMW mit ihr anfangen will. "Ein Geschäftsmodell befindet sich derzeit in Arbeit", antwortet der Autohersteller auf die Frage, was er von der Reklame haben wird.
Technik abschaltbar?
Details zum mutmaßlich ersten Marktschreier im Auto sind deshalb noch knapp. In einer Stellungnahme deutet BMW zwar an, dass die Technik abschaltbar sein wird. Genaues bleibt aber mit Verweis auf die Prototypenphase offen. Die Werksfahrer des Test-7er durften zumindest wählen, wenn sie zum Beispiel nichts außer Parkplatzwerbung für den Zielort sehen wollten. Auch das Interessenprofil des Fahrers, an das die Werbung angepasst sein soll, erstellt das Auto nach derzeitiger Planung angeblich nicht selbst. Computer und Handys sind hier inzwischen aggressiver.Aber das wird wohl noch kommen, bei BMW oder der Konkurrenz: BMWs Ankündigung ist nur der erste Schritt, den die Werbung auf dem Weg ins Auto zurücklegt. "Die Kombination von Auto und den sogenannten location based services ist noch neu und schwer abzuschätzen", sagt etwa Dominik Molitor vom Institut für E-Commerce und digitale Märkte der Ludwig- Maximilians-Universität München. BMWs Konkurrenten haben also noch viele Möglichkeiten, mehr Kommerz ins Cockpit zu bringen.
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