Werksbesuch bei Trigano
Hier werden Wohnmobilträume umgesetzt

Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
- Martin Häußermann
Sagt man Ardèche, denkt man an Urlaub. Das Département im Südosten Frankreichs ist hauptsächlich durch den wilden Fluss und die große Schlucht bekannt, durch die im Sommer viele Kanus und Kajaks gleiten.
Wir aber fahren an die größere und ruhig fließende Rhône, dorthin, wo das Département Ardèche an das Département Drôme grenzt. Dort, wo andere Urlaub machen, wird intensiv gearbeitet. Nicht nur für die Urlauber vor Ort, sondern für Menschen, die gern mobil Urlaub machen. In Tournon-sur-Rhône werden Wohnmobile der Marken Chausson und Challenger sowie Wohnwagen der Marken Sterckeman und Caravelair gebaut – mehr als 10.000 Fahrzeuge pro Jahr.

Das Trigano-Werk aus der Vogelperspektive. Letztmals wurde es 2019 modernisiert und erweitert.
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Entsprechend riesig ist das Produktionswerk. Es belegt die Fläche von umgerechnet 33 Fußballfeldern. Da muss der Besucher erst einmal schauen, zu welchem der vielen Tore er denn reingelassen wird. Es ist eine Fabrik mitten im Grünen, umrahmt von bewaldeten Hängen und Weinbergen. Das scheint sich auf die Atmosphäre auszuwirken. Der Besucher wird mit ausgesuchter Höflichkeit und Zuvorkommenheit vom Werkschutz empfangen und an den Gesprächspartner weitergeleitet.
Romain Gerard erwartet mich, der Produktmanager will mir in einem rund zweistündigen Rundgang die wichtigsten Stationen des Produktionswerks zeigen. Zuvor müssen wir aber noch ein wenig Zusammenhänge aufdröseln, denn das Konstrukt von Trigano, Chausson, Challenger und den beiden Wohnwagenmarken ist nicht ganz einfach zu verstehen.

In Tournon entstehen jährlich rund 7000 Reisemobile am laufenden Band.
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Die Firma Trigano wurde 1935 gegründet, war ursprünglich ein Textilhändler, nahm zehn Jahre später Campingartikel auf, begann 1971 mit dem Bau von Wohnwagen (Caravelair), wurde aber drei Jahre später insolvent. Die Bank Crédit Lyonnais setzte 1981 François Feuillet als Geschäftsführer ein, der drei Jahre später im Rahmen eines Management-Buy-outs Trigano gemeinsam mit seinem Bruder Bernard übernahm. 1990 zahlte François seinen Bruder aus und wurde Alleineigentümer. Inzwischen ist Trigano eine Aktiengesellschaft mit einem Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2022/23), an der die Familie Feuillet nach wie vor die Mehrheit hält.
Zur Trigano-Gruppe gehören heute 15 Freizeitfahrzeugmarken, darunter Eura Mobil, Adria oder Roller Team. Der Nukleus und das größte Produktionswerk ist aber nach wie vor die Fabrik in Tournon. Deren Grundstein wurde 1974 gelegt, firmierte unter SIR (Société Industrielle de Rochebonne) und beschäftigte sich weiter mit dem Bau von Caravelair- Wohnwagen – 1976 waren es immerhin 10.000 Einheiten.

Die Produktionshalle: Vorn befinden sich die Wohnwagenbänder, hinten die Reisemobillinien.
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Zu dieser Zeit fertigte man im oberschwäbischen Bad Waldsee neben den beliebten Eriba-Wohnwagen die ersten Hymer-Wohnmobile. Das ließ dem geschäftstüchtigen François Feuillet natürlich keine Ruhe. Hier kommt nun die Marke Chausson ins Spiel, die 1903 in Paris als Automobilzulieferer gegründet wurde, später Stadtbusse baute und 1980 mit dem Modell Odyssee den ersten Campingbus im Blechkleid auf die Räder stellte.
Leuchtend weiß rollten 1984 die ersten Chausson-Reisemobile aus den Werkshallen in Tournon: die Alkovenmobile Acapulco 44 und 56. Nur ein Jahr später wurde die Tochtermarke Challenger gegründet, die sich nur optisch von Chausson abhebt und ebenso unter dem Dach der Produktionsgesellschaft SIR gefertigt wird, die 2001 zu Trigano VDL umfirmierte. Das Kürzel steht für Véhicules de Loisirs (frz. Freizeitfahrzeuge).

Fertige Fahrzeuge stehen unter Schutznetzen mit Blick auf die Weinberge.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
Dass die ersten Chausson-Alkoven weiß waren, wird in der Unternehmenshistorie hervorgehoben, weil es etwas Besonderes war zu einer Zeit, in der Eierschalenfarben dominierten. Und auch heute glänzt die Marke gern mit kleinen Besonderheiten, mit zwei gegenüberliegenden Aufbautüren etwa, dem Verzicht auf die klassische Dinette oder einer superschmalen Aufbaukonstruktion bei den X-Modellen.
Darauf ist man stolz in Tournon, wie uns Romain Gerard versichert. Diesen Stolz registriert man auch in Gesprächen mit Mitarbeitern am Band. Nun ist Reisemobilbau keine Raketenwissenschaft, sondern primär solides Handwerk. Aber genau solches beobachtet man in den Produktionshallen. Schließlich will man dort, wo andere Urlaub machen, der Kundschaft ein möglichst perfektes Urlaubsfahrzeug bauen.
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