Euromaster im Werkstatt-Test

Werkstatt-Test: Euromaster

Kannst du abhaken

Diesmal im Werkstatt-Test: Euromaster. Acht Skoda Fabia fuhren zur Inspektion, korrekt durchgeführt wurde keine. In einem Betrieb wurden wir sogar betrogen.
Es gibt einen Spruch, der lautet: "Ich möchte mal so Urlaub machen, wie du arbeitest." Mitarbeiter von Euromaster müssten ihn eigentlich kennen, denn nirgendwo sonst ging es derart entspannt zu wie in den acht geprüften Filialen dieser freien Werkstattkette. Selbst bei den letzten Tests, die bis in den November 2018 gingen und damit genau in die Reifenwechsel-Saison, notierten die Tester: "Von Hektik keine Spur." Oder war es schlicht Desinteresse? Die kümmerliche Erfolgsquote von nur 39,4 Prozent deutet darauf hin. Dabei war die Aufgabenstellung wie üblich einfach: eine Inspektion nach Herstellervorgaben durchführen. Damit wirbt Euromaster schließlich auch auf seiner Homepage. Diesen Wunsch trugen die Tester am Telefon vor. Wenn sie durchkamen. Zumeist sprang nach sieben bis zehn Rufzeichen ein Band an und verwies auf die Möglichkeit der Online-Terminvereinbarung. Ist okay, aber eine Möglichkeit, um Rückruf zu bitten, wäre besser. Damit ein Kunde nicht 13-mal anbimmeln muss, wie der Tester in Lüneburg.

Das Serviceheft wird bei Euromaster gerne ignoriert

Hat es mit einem Termin dann endlich geklappt, kommt erneut Spannung auf. Welche Inspektion wird der Serviceberater empfehlen? Denn Euromaster hat diverse im Angebot. Den Testern verkauften sie folgende: "Aktionspaket Inspektion/klein Pkw Mittelklasse" (bei einem Fabia!?) oder die "Große Inspektion Pkw Kleinwagen/Kompakt". Jeweils völlig losgelöst von Fahrzeugalter oder Kilometerstand. Nun darf man von einer freien Werkstatt nicht immer und überall erwarten, dass sie die Inspektionsvorgaben aller Hersteller auswendig kennt. Wohl aber, dass sie sich informiert. Zumindest das Serviceheft in die Hand nimmt und feststellt, was bereits gemacht wurde und welche Arbeiten anstehen. Wovon bei Euromaster kaum Gebrauch gemacht wurde. Von Skodas Online-Werkstatt-Information überhaupt nicht. Was den Umkehrschluss nahelegt, dass die Inspektionen dort auch nicht im elektronischen Checkheft eingetragen wurden, die Wartungshistorie somit unvollständig ist.
Überblick: Alles zum Thema Werkstatt-Test

Auch nicht vorhandene Positionen wurden abgehakt

Was der Kunde hingegen von jeder Werkstatt erwarten darf: solides Handwerk. Euromaster scheitert oft schon beim richtigen Aufpumpen der Reifen. Beim Fabia liegt der Luftdruck für normale Beladung je nach Modell zwischen 2,0 und 2,2 Bar. Nur der Neusser Betrieb stellt diesen korrekt ein. Die Dieburger hingegen knallten 2,5 Bar hinein, gefolgt von Berlin-Lichtenberg mit 2,4 Bar und Neu-Ulm sowie Lüneburg mit 2,3 Bar. Die anderen Läden trugen entweder nichts in die Wartungsanweisung ein oder gaben diese gar nicht erst mit. Was die Tester darauf zu lesen bekamen, ist ein Kapitel für sich. Fünf von acht Betrieben hakten einfach alles ab. Alles. Auch Positionen, die an dem betreffenden Auto gar nicht vorhanden waren. Da wurden angeblich Schienen vom Schiebedach geschmiert oder die Stromversorgung der Alarmanlage erneuert, obwohl die Fabia diese Extras gar nicht besaßen. Wer als Kunde mal so richtig hinters Licht geführt werden will, braucht nur nach Berlin-Moabit zu fahren. Die in der Bildergalerie beschriebenen Ereignisse sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Mitarbeiter dort versuchten zuvor außerdem, den Kunden mit einer unnötigen Klimaanlagen-Wartung abzuziehen und gaben den schon etwas in die Jahre gekommenen Fabia zudem mit fünf weiteren Mängeln zurück, die sie nicht repariert hatten. Alles lächelnd und freundlich.

Lebenswichtige Bauteile wurden nicht kontrolliert

Kommen wir zu den Mängeln, die wir präpariert hatten: Kein einziger Betrieb schaffte es, das deutlich sichtbar lockere Kabel des ABS-Sensors wieder in seine Halterung zu drücken. Ein Indiz dafür, dass sich niemand die Unterseite der Autos richtig angesehen, lebenswichtige Teile wie Bremsschläuche und Lenkgelenke kontrolliert hat. Genau darum geht es aber bei einer Inspektion: Zuverlässigkeit und Verkehrssicherheit zu garantieren. Deshalb ist es auch nicht hinnehmbar, wenn Defekte nur in der Checkliste angekreuzt werden, der Kunde aber sonst keine Information erhält. Da darf der Monteur auch mal ein bisschen mitdenken und nicht am 27. einen Verbandkasten als i. O. abhaken, der am 30. abläuft. Also kein Lob für Euromaster? Doch, positiv fiel auf, dass kaum versucht wurde, überflüssige Reparaturen zu verkaufen. Auch die Zeilen in der Tabelle für Kassenfüller sind erfreulich leer. Aber ansonsten wird es Zeit für diese Kette, den Urlaub zu beenden und mit der Arbeit zu beginnen. Weitere Details zum Euromaster-Werkstatt-Test gibt es in der Bildergalerie!

Euromaster im Werkstatt-Test

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Hendrik Dieckmann

Hendrik Dieckmann

Fazit

Dieser Werkstatttest ist ganz großes Kino. Er bietet Komödie: Kunde wird in die Mittagspause bestellt. Spannung: Nimmt beim 13. Anruf endlich jemand das Telefon ab? Und er hat einen kriminellen Höhepunkt in Berlin. Was jedoch nicht geboten wird: gute Arbeit. Nirgendwo, der beste Laden erreicht gerade mal ein "ausreichend". Inspektion nach Herstellervorgabe, verspricht Euromaster. Doch kein einziger Betrieb liefert diese, alle schrauben frei nach Schnauze. Da ist noch viel Schulung nötig, und bis dahin gilt: Kannste abhaken.

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