Wildunfälle
Jetzt ist es besonders gefährlich!

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Mehr als 210.000 Wildunfälle gibt es offiziell jährlich. Um das Problem in den
Griff zu kriegen, machen Jäger und ADAC nun gemeinsame Sache.
Griff zu kriegen, machen Jäger und ADAC nun gemeinsame Sache.
(dpa/sb) 20 Tote im Jahr, 3000 Verletzte, Schaden in dreistelliger Millionenhöhe und unzählige tote Tiere: Wildunfälle sind eine dauernde und manchmal sogar tödliche Bedrohung auf Deutschlands Straßen. "Wenn Sie mit 60 km/h gegen ein Wildschwein fahren, dann haben Sie ein Aufprallgewicht von 3,5 Tonnen", sagt ADAC-Präsident Peter Meyer. Das entspricht in etwa einem ausgewachsenen Nashorn. Beim Rothirsch sind es sogar fünf Tonnen – so viel wiegt ein Elefant.
Wildunfall: Tipps zur Vermeidung

Nach einem Wildunfall sollte die Polizei oder das zuständige Forstamt informiert werden.
Bild: Ullstein
Wildwechsel: Wie verhalte ich mich richtig
In München stellten sie die Halbzeitbilanz des auf vier Jahre angesetzten Projektes vor. Die besten Mittel gegen Tiere an der Stoßstange, da sind Jäger und Forscher sich einig, sind Duftzäune und Reflektoren. Das Forschungsprojekt soll nun in erster Linie klären, was auf welchen Strecken am besten funktioniert. Erstes Ergebnis: Auf den 25 Teststrecken in Schleswig-Holstein ging die Zahl der Wildunfälle im Idealfall um bis zu 80 Prozent zurück. Auf manchen Strecken tat sich aber auch gar nichts, wie Christian Trothe vom Göttinger Institut einräumt. Die Duftzäune arbeiten mit der Angst vor dem Feind. "Der soll nach dem Fressfeind riechen, nach allem, was für Reh und Hirsch Bedrohung darstellt."
Die Lichtreflektoren senden bei nahender Gefahr durch ein nahendes Auto einen blauen Lichtreflex aus, für den das Rehauge besonders empfindlich sein soll. Jahrelang waren die Reflektoren rot. Aber Rehe und Hirsche sind rotblind – und rotes Licht ist für sie nicht viel mehr ist als eine weitere unauffällige Grau-Schattierung. Ziel des 2011 gestarteten Projektes ist es nun, einen Katalog zu erstellen nach dem Muster: Eine Straße mit Wald links und Feld rechts erfordert einen Duftzaun, eine Straße durch einen Wald braucht eher Reflektoren – oder andersrum. Die Ergebnisse stehen nach Angaben Trothes noch aus. Es soll eine praktische Tabelle werden für Jäger, die Mensch, Tier und Auto in ihrem Zuständigkeitsgebiet voreinander schützen und dafür auch Geld in die Hand nehmen wollen. Ganz billig ist das nicht, betont Jagdverbandspräsident Fischer, der dafür auch die Autoversicherer in die Pflicht nehmen will. Bei Schäden von mindestens einer halben Milliarde Euro im Jahr durch Wildunfälle sollten die doch ein gesteigertes Interesse daran haben, ihre Zahl einzudämmen. ADAC-Chef Meyer findet die Idee auch gut, ist aber skeptisch, ob die Versicherungen das wirklich zahlen wollen.
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