Wintertest: BMW i4 M50 fordert den M3 heraus
BMW-Duell auf Schnee: Wintertest mit Überraschungen

Ein E-Auto beim Wintertest? Ja, für den Testflottenverbrauch! Spaß beiseite: Wir wollten einfach wissen, ob die feinfühligen E-Motoren einem Verbrenner auf Eis und Schnee wirklich überlegen sind.
Bild: Almuth Heene
Och nö, nicht schon wieder, hallte es bei der Fahrerbesprechung vor unserem Ritt nach Livigno durch das Büro. Ich stellte die Frage, wer sich denn "opfere", mit dem einzigen Elektroauto die 500 Kilometer von der Redaktion nach Italien zu fahren. (Alle Duelle unseres großen Wintertests.)
Warum die Kollegen so nörgelten? Na ja, die haben in der Beziehung leider schon einiges erlebt. Schnell zum Sachsenring und mit vollem Akku bereitstehen. Dann eine kaputte Ladesäule, der nächste Schnelllader 20 Kilometer entfernt, dazu die immense Zeit, die auf den letzten 20 Prozent verloren geht. Sie merken schon, so richtig warm sind wir mit dieser Art Automobil noch nicht geworden.

Sport ist zu brutal am Gas, über Individual kann man den i4 softer einstellen.
Bild: Almuth Heene
Dennoch: Für den Wintertest hatten wir den BMW i4 M50 als perfekten Sparringspartner zum M3 Competition xDrive auserkoren. Mit 544 (inzwischen 601) zu 530 PS ähnlich viel Power, dazu Allrad. Klare Sache, dass der Verbrenner dem schweren E-Mobil Licht ans Rad macht? Abwarten! Beim letzten Wintertest überraschte uns der Audi SQ8 e-tron. Mit dem konnte man sogar die Kehren anpendeln, in bester Rallye-quattro-Manier. Doch zurück zum BMW-Duell.
TECHNISCHE DATEN | BMW i4 | BMW M3 |
|---|---|---|
Motorbauart vorn/hinten | E-Motor/E-Motor | R6, Biturbo |
Nennspannung | 399 V | vorne längs |
Energieinhalt brutto/netto | 83,9/80,7 kWh | 2993 ccm |
Leistung | 400 kW (544 PS) | 84,0 x 90,0 mm |
Peak-Leistung | – | 9,3:1 |
Dauerleistung | 125 kW (170 PS) | 390 kW (530 PS)/6250 |
Drehmoment | 795 Nm | 177 PS/l |
max. Ladeleistung AC/DC | bis zu 11/205 kW | 650 Nm/2750-5730 |
Zeit 10–80 % an HPC | 30 Min. | - |
Getriebe | 1-Gang | Achtstufenautomatik |
Antriebsart | Allrad | Allrad |
Reifengröße | 245/40 R 19 - 255/40 R 19 | 275/35 R 19 - 275/35 R 19 |
Reifentyp | Goodyear Ultrag. Perf.+ | Michelin Pilot Alpin 5 |
Maße L/B/H | 4783/2073/1448 mm | 4794/2068/1438 mm |
Radstand | 2856 mm | 2857 mm |
Leergewicht/Zuladung | 2215/520 kg | 1780/480 kg |
Kofferraumvolumen | 470-1290 l | 59/480 l |
0-100 km/h | 3,9 s | 3,5 s |
Höchstgeschwindigkeit | 225 km/h | 290 km/h (abgeregelt) |
WLTP-Verbrauch | 21,9 kWh/100 km | 10,1 l Super Plus |
Grundpreis | ab 72.100 Euro | ab 106.200 Euro |
Was gibt es in Sachen Technik für Unterschiede? Der i4 M50 hat pro Achse einen E-Motor, vorne bis zu 258, hinten 313 PS. Dieser direkte, achsweise Antrieb könnte ein Vorteil gegenüber dem regulären Allradsystem im M3 sein. Dort sorgt eine Allradkupplung dafür, dass beide Achsen ihren Teil vom Antrieb abbekommen.

Wir sind im M3 eine Runde in MDM gefahren. Gar nicht so schlecht. Besser ging es mit Power und Fahrwerk auf "Comfort", Allrad auf "4WD" und DSC "off".
Bild: Almuth Heene
Allerdings geht die Drehmomentverschiebung des M3 deutlich langsamer vonstatten als die unmittelbare und viel flexiblere Ansteuerung der E-Motoren. Der M3 kann seine Kraft zudem nur von hinten nach vorn verschieben, der i4 hingegen vorne und hinten getrennt voneinander regeln. In der Theorie also ein klarer Vorteil fürs E-Auto. Mal sehen, wie sich das gleich auf der Piste anfühlt. Mit dem BMW M3 haben wir bereits Erfahrungen auf Eis gemacht. Der Touring war beim letzten Mal zu Gast.
Wir geben dem schwereren E-Auto den Vortritt. Über das Menü kann man den i4 auf Sport trimmen, also eher hecklastige Kraftverteilung, ESP off. Doch schon in der ersten Runde dreht man sich in jeder Ecke ein. Sport ist zu viel, zurück auf Comfort, und siehe da, der Viertürer lässt sich entspannter bewegen. In der vierten Runde haben wir den Dreh raus: über das "Gas" zum Ausbrechen animieren und dann im Allraddrift um die Kurve zirkeln. Doch beim Anbremsen und Umsetzen verhageln ABS und Gewicht bessere Zeiten.

Geradeaus ist der i4 M50 am M3 dran – im Schnee sogar schneller, wenn man die Regelsysteme machen lässt.
Bild: Almuth Heene
Vier Sekunden kurvt der M3 schneller über die Strecke. Trotzdem gehört auch er am Ende zu den Schlusslichtern. Der Grund liegt im Allradsystem, das kompromisslos auf agile Trocken-Performance ausgelegt ist. Egal ob 4WD oder 4WD Sport, die 530 PS hebeln das Heck immer zu aggressiv ums Eck, provozieren Gegenpendler, die man selten hält. Man muss dem M3 Zeit lassen, um seine Bewegungen flüssiger umzusetzen, und das Auto eher auf der Bremse in den Drift lehnen, nicht übers Gas holen.
BMW M3: zu viel RWD im AWD
Man merkt einfach, dass dieser M3 sich auf trockenem Asphalt viel wohler fühlt. Wenn man die hecklastige Verteilung einmal im Griff hat, macht er jedoch höllisch viel Spaß.
BMW i4: zu viel instant Punch
In der Theorie ist der i4 dem M3 eigentlich haushoch überlegen. Die E-Motoren könnten schneller und deutlich feiner regeln. Ohne ESP ist das Instant-Drehmoment jedoch zu schwer zu dosieren.
Service-Links










