BYD: Wohnmobil mit zwei Etagen
BYD mischt den Wohnmobilmarkt auf – mit Dachterrasse

Ein Penthouse auf Rädern – mit diesem Luxus-Wohnmobil will die chinesische Automarke BYD nun auch in der Camperbranche Fuß fassen. Der Preis ist krass!
Bild: Made-in-China.com
- Ludwig Degmayr
Erst schicken die chinesischen Hersteller E-Autos in alle Welt – und jetzt kommen rollende Zweizimmerwohnungen. Ein Wohnmobil auf BYD-Basis sorgt gerade für Staunen, vor allem wegen seines Preises: Umgerechnet rund 50.000 Euro soll der Camper in China kosten. Klingt nach Schnäppchen!
Technik satt, inklusive Waschmaschine
Auf etwa sechs Meter Länge bietet der Camper gleich zwei Etagen. Unten Wohnraum mit Küche, Bad und Bett – oben, auf einem elektrisch ausfahrbaren Dach, eine Terrasse mit Sitzgruppe und Grillstation. Wer also gern beim Sonnenuntergang auf dem eigenen Camperdach sitzt, bekommt hier sein mobiles Penthouse gleich mitgeliefert. Der Umbau zum Reisemobil erfolgt durch spezialisierte Firmen wie Chengli Special Automobile.

So sieht das das BYD-Mobil im Innenraum aus.
Bild: Made-in-China.com
Außerdem an Bord: 300 Liter Frischwasser, Waschmaschine, eine 800-Watt-Solaranlage und eine Wechselrichteranlage für Geräte, die mit Haushaltsspannung betrieben werden. Dazu kommt noch eine nette Außenküche – das alles steckt im kompakten Aufbau. Ein BYD-Fahrgestell dient als Basis, genauer gesagt ein 4x2-Truck mit Hybridantrieb, der vorne von einem Elektromotor und hinten von einem klassischen Verbrenner angetrieben wird. Systemleistung: 141 PS. Wahrlich keine Rakete, aber noch ausreichend. Der Innenraum wirkt modern, fast luxuriös – jedenfalls weit über dem, was man in Europa für 50.000 Euro bekommt.
Ein Penthouse auf Rädern – das schlägt aufs Gewicht
Ein genaues Gewicht gibt BYD für sein Mobil zwar nicht an, klar ist aber, dass es deutlich über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht liegt. Hierzulande dürften es Inhaber der Führerscheinklasse B nicht fahren – hier wäre C1 gefragt. Möglicherweise hilft die neue 4,25-Tonnen-Regel, nach der Klasse-B-Inhaber unter bestimmten Voraussetzungen künftig auch schwerere Wohnmobile fahren dürfen. Unterm Strich kein Drama für den großen China-Camper – er ist eben kein typischer Familienvan oder Kastenwagen. Und das passt irgendwie, denn "typisch" ist an diesem Fahrzeug ohnehin nichts.
Aber: (noch) kein grünes Licht für Europa
So beeindruckend das Konzept ist: Eine Zulassung in der EU hat der Camper bisher nicht. Weder Abgasnorm noch Crashtests oder elektrische Sicherheitssysteme sind nach europäischen Standards geprüft. Auch eine Homologation nach EU-Verordnung fehlt bislang, branchenintern wird sie aber zügig erwartet. Dazu kommen Service- und Ersatzteilfragen – chinesische Wohnmobile sind hierzulande noch Exoten, ohne offizielles Händlernetz bleibt jede Reparatur ein Abenteuer.
Luxus zum China-Preis
Trotzdem: Der BYD-Camper zeigt, wie viel Wohnmobil in China für vergleichsweise wenig Geld zu haben ist. Für umgerechnet rund 50.000 Euro gibt's einen Ausstattungsumfang, für den man bei europäischen Herstellern locker das Doppelte zahlt. Etwas teurer wird es in der Realität dann aber doch, wenn Kosten für technische Anpassungen an die EU-Normen sowie Zoll und Überführung nach Europa mit einberechnet werden.
Fazit
Auch wenn zunächst noch ein Fragezeichen hinter der Zulassung in Europa und der zu erwartenden Führerscheinklasse bleibt, eines muss man BYD lassen: Während sich viele europäische Marken bei ihren Wohnmobilen mit Preiserhöhungen und Produktpflege begnügen, bringt China schon mal das Dachgeschoss mit.
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