Wintercamping

Wohnmobil Heizung: Übersicht

Nie mehr frieren im Wohnmobil

Sobald das Wohnmobil nicht nur als Sommer-Residenz genutzt wird, ist eine Heizung notwendig. Doch welche Arten Wärmequellen gibt es? Wie funktionieren sie? Welcher Wohnmobil-Typ braucht welche Heizung? Alle Antworten!
Heizungen sind ein fester Bestandteil von Wohnmobilen. Ab Werk ist meistens Standardware eingebaut. Aber ist das immer die beste Wahl? Es lohnt durchaus, sich im Vorfeld Gedanken über die eigenen Nutzungsgewohnheiten und dementsprechend die optimale Heizung zu machen. Nutze ich mein Wohnmobil nur im Sommer oder auch in den anderen Jahreszeiten? Welche Touren plane ich die nächsten Jahre? Gerade bei niedrigen Temperaturen ärgern sich Reisemobilisten oft über Kältenester im Fahrzeug, obwohl die Heizung eingeschaltet ist. Nichts ist ungemütlicher, als im Reisemobil zu frieren oder zu schwitzen. Zum einen kann es daran liegen, dass die Heizung nicht für die Fahrzeuggröße ausgelegt ist. Zum zweiten passt womöglich das Heizungssystem nicht zum Nutzungsprofil. Drittens kann die Heizung durch den Hersteller nicht korrekt eingebaut sein. Warmluftausgänge an den falschen Stellen können kalte Ecken zur Folge haben. Schnelle Hilfe ist möglich: Zum Beispiel nachrüstbare Zusatzheizungen, die auch für Gebrauchtfahrzeuge sehr nützlich sind. Hier klären wir über die unterschiedlichen Heizsysteme ausführlich auf:

Kraftstoffheizung

Der Einbau der Webasto-Hybridlösung erfolgt unterm Fahrzeug. Die Heizluft und Warmwasser werden erwärmt und über ein Rohrsystem verteilt.

Das ist sie: Diese Heizung wird durch den Kraftstoff aus dem Fahrzeugtank betrieben. Ein zusätzlicher 12­-Volt-­Anschluss versorgt Glühstift und das Gebläse mit Strom. Vor allem in Campingbussen werden Kraftstoffheizungen verbaut, immer häufiger aber auch in großen Wohnmobilen. Bei Kraftstoffheizungen gibt es zwei Arten: Luft-­ und Wasserheizungen. Die Luftvariante ermöglicht eine schnelle Erwärmung des Fahrzeugs. Die Wasserheizung ist im Kühlkreislauf des Motors integriert. Die Heizung erwärmt das Kühlwasser und damit auch den Motor. Über das fahrzeugeigene Lüftungssystem wird die Wärme zudem im Fahrzeug verteilt. Heizungshersteller, die sich auf Kraftstoffheizungen spezialisiert haben, sind Webasto, Truma und Eberspächer. So funktioniert sie: Bei einer Wasser­Kraftstoffheizung gelangt über die Kraftstoffpumpe der Kraftstoff vom Fahrzeugtank in die Heizung. Der Kraftstoff wird durch das Brennstoffgebläse und den Metallfaser-­Verdampfer in der Brennkammer verteilt. Zusätzlich befördern Brennlufteinlass und Kraftstoff-Heizungsgebläse Luft in die Brennkammer. Mit dem Glühstift wird das Luft­-Kraftstoff-­Gemisch entzündet. Die Flamme erwärmt den Wärmetauscher, der wiederum das Kühlwasser am Kühlmitteleinlass und ­-auslass erhitzt. Die Kühlmittelpumpe verteilt das Kühlmittel im Kühlwasserkreislauf. Das Steuergerät stellt den Funktionsablauf sicher, erhält die Informationen der Sensoren und regelt den Heizbetrieb.

Kraftstoffheizung
Stärken Schwächen
Häufiges Wechseln der Gasflaschen entfällt Abgasgeruch möglich (Wasserheizung)
Brennstoff immer mit dabei, hohe Autarkie Beobachten des Tankfüllstands ein Muss
Weniger Gasflaschen, mehr Stauram Je nach Einbau Gebläsegeräusch (Luftheizung)

Gas-Luft-Heizung

Klassiker: Die häufigste Heizung im Reisemobil ist die Truma Combi mit integriertem Wasserboiler (10 Liter).

Das ist sie: Der Klassiker unter den Reisemobil­-Heizungen. Marktführer in diesem Segment ist Truma. Mithilfe eines Gasbrenners wird über einen Wärmetauscher Luft erwärmt und mit einem Gebläse im Fahrzeug verteilt. Die Combi­-Modelle besitzen zudem einen integrierten Wasserboiler mit zehn Liter Fassungsvermögen. Es ist möglich, Luft und Wasser gleichzeitig oder getrennt voneinander zu erhitzen. Für kleine Fahrzeuge eignet sich die kompakte Truma Vario Heat, die es in zwei Ausführungen gibt. So funktioniert sie: Über den Gasanschluss ist die Heizung mit der Gasversorgung verbunden. Ein Magnetventil reguliert die Gaszufuhr. Die benötigte Verbrennerluft gelangt durch das äußere Rohr des kombinierten Verbrennungsluft-­ und Abgaskamins in das Gerät. Das Verbrennungsgebläse befördert die Luft in den Gasbrenner. Der wiederum entzündet mit zwei Zündkerzen das Gas­-Luft­-Gemisch in der Brennkammer. Die heißen Abgase wer­den am Ende der Brennkammer am Prallblech des Flammrohrs abgelenkt. Die Abgase fließen zwischen dem Flammrohr des Brenners und der Innenwand des Wärmetauschers zum Abgaskamin, der ins Freie führt. Das Umluftgebläse führt die zu erwärmende Luft in das Gerät. Die Luft strömt nun am Wärmetauscher vorbei und wird erhitzt. Über vier Warmluftausgänge verteilt sich die Luft im Fahrzeug. Durch den Wasserzulauf gelangt kaltes Frischwasser in den Wasserbehälter, der ein Fassungsvermögen von 10 Litern hat. Dieses Wasser wird durch den Wärmetauscher erhitzt und gelangt durch das Warmwasseranschlussrohr zu den Wasseranschlüssen in Bad und Küche.

Gas-Luft-Heizung
Stärken Schwächen
Schnelle Wärme Je nach Einbauort laute Gebläsegeräusche
Wasser und Luft können gleichzeitig oder getrennt voneinander erhitzt werden Genügend Gasvorrat nötig (im Winter)
Variabler Einbau möglich Durch das Gebläse verteilt sich Staub schneller

Wasserheizung

Alde Compact 3020 HE: Eine Warmwasserheizung besteht aus einem Heizkessel sowie Konvektoren und Plattenheizkörpern.

Das ist sie: Der Einbau von Wasserheizungen in Reisemobilen ist komplex. Daher ist so ein System schlecht nachrüstbar und nur für Neufahrzeug-­Käufer eine Überlegung wert. Einziger Anbieter und Marktführer ist der schwedische Hersteller Alde. Herzstück der Wasserheizung ist ein Wasserkessel, in dem Warmwasser und eine Glykol­-Flüssigkeit erwärmt werden. Konvektoren sind an den Wänden des Reisemobilaufbaus an­ gebracht und erwärmen die Luft. Die Warmluft steigt langsam nach oben und erwärmt dabei die Außenwände sowie Möbel und dient als natürliche Kältebrücke vor den Fenstern. Die Alde­-Warmwasserheizung ist auch mit verschiedenen Truma-­Klimaanlagen kombinierbar. So funktioniert sie: Über das Bedienpanel im Fahrzeuginneren wird die Heizung gesteuert. Das Herzstück der Heizung ist der Heizkessel, dieser wird mit Gas und Elektrizität betrieben. Dort wird sowohl das Heiz­- als auch das Warmwasser erhitzt. Durch die im Heizkessel eingebaute Elektronik wird die Funktion überprüft und gesteuert. Mithilfe des Verbrennungsluft­Ventilators gelangt Frischluft in den Gasbrenner. Zusätzlich gibt es noch Elektroheizstäbe, die den Verbrennungsvorgang beschleunigen oder alleine funktionieren. Beim Verbrennungsvorgang wird zum einen Brauchwasser in der Warmwasseraufbereitung erhitzt, zum anderen auch eine Glykol­Flüssigkeit, die durch die Konvektoren und Plattenheizkörper den Wohnraum des Wohnmobils erwärmt. Zusätzlich ist der Einbau von Bodenheizung, Handtuch­ wärmer, Heizboost mit Gebläse für schnellere Wärme, Heizmatten im Fahrerhaus, Wärmetauscher zum Vorwärmen des Motors und einer speziellen Heizung für die Fahrerhaussitze möglich.

Wasserheizung
Stärken Schwächen
Gleichmäßige Wärme Schlecht nachrüstbar
Wärmetauscher für Ausnutzen der Motorwärme Lange Aufheizzeit
Mit Gas und Elektrizität beheizbar Teurere Anschaffung

Elektro- und Hybridheizung

Webasto eThermo Top Eco: Elektrische Standheizung in zwei Leistungsvarianten.

Das sind sie: Rein elektrisch betriebene Heizungen für Reisemobile sind im Moment nur Zusatz­Standheizungen von Webasto und Eberspächer. Truma hat einige Hybrid­-Varianten im Angebot, die einen Verbrennungs-­, Misch-­ oder reinen Elektrobetrieb ermöglichen. Zudem bietet Truma auch ein Nachrüst-­E-­Kit (499 Euro) für die kompakte Vario­Heat an. Ganz neu stellte Webasto die erste Hochvolt­-Heizung für Elektrofahr­zeuge vor. Diese Heizung kann laut Hersteller auch in zukünftigen Elektro-Reisemobilen eingebaut werden. So funktionieren sie: Truma Combi 4 E und Combi 6 E funktionieren wie übliche Gas­-Luft­-Heizungen und Truma D 6 E wie eine Dieselheizung. Jedoch verfügen diese drei Modelle über zusätzliche Elektroheizstäbe im Wärmetauscher. Somit können diese Systeme auch im Mischbetrieb oder reinen Elektrobetrieb auf Campingplätzen heizen oder Warmwasser erhitzen. Die Webasto eThermo Top Eco ist als Zusatzheizung im Frontbereich ge­dacht. Dieses Heizsystem nutzt die Motorvorwärmung und funktioniert lediglich mit einem 230­-Volt­-Anschluss. Ebenfalls 230 Volt benötigt die elektrische Standheizung von Eberspächer. Diese Wasserheizung wärmt sowohl den Motor als auch den Innenraum vor.

Elektro- und Hybridheizung
Stärken Schwächen
Emissionsfrei E-Heizungen heizen nur mit genügend Strom
E-Heizungen als Zusatz, um Gas zu sparen Je nach Einbau Gebläsegeräusche
Motorvorwärmung Teure Anschaffung

Sechs Tipps: So heizen Sie richtig

1. Um Schwitzwasser im Reisemobil zu verhindern, ist es wichtig, regelmäßig zu lüften. Zweimal am Tag alle Fenster und Dachluken für mindestens fünf Minuten öffnen.
2. Beim Wintercamping darauf achten, dass Ansaug- und Abgaslüftungen eisfrei sind.
3. Schneewall oder Abdeckung rund ums Wohnmobil verhindern. Abkühlung durch Zugluft unterm Fahrzeug.
4. Achten Sie vor allem nachts bei Gas- und Dieselheizungen auf ausreichende Kraftstoffvorräte.
5. Thermohauben für das Fahrerhaus verhindern den Verlust der Heizwärme durch die Fensterflächen.
6. Luftschlitze nicht verstellen. Die Luftzirkulation im Reisemobil sollte immer gewährleistet sein.

Autor: Helene Schmidt

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