Wintercamping

Wintercamping: Tipps

Camping im Winter

Mit Wohnwagen oder Wohnmobil in den Winterurlaub? Für viele unvorstellbar. Doch auch im Winter kann Camping viel Spaß machen. AUTO BILD gibt Tipps in Sachen Stellplatz, Heizung, Abwasser und mehr.
Bei Schnee und Eis mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein, das ist für manche Camper nur schwer vorstellbar. Dabei kann ein Trip mit dem Wohnmobil ins nächste Skigebiet ein Erlebnis sein! Utensilien wie gefütterte Schuhe und warme Kleidung sollten beim Wintercamping allerdings nicht fehlen. Doch es gibt noch mehr, was beim Camping im Winter beachtet werden sollte. AUTO BILD gibt Tipps für einen perfekten Urlaub bei eisigen Temperaturen.

Das ist beim Wintercampen zu beachten

1) Fahrzeug
Nutzen Sie ein winterfestes oder wintertaugliches Fahrzeug zum Campen. Beide Begriffe sind geschützt und stehen für ein exakt vorgegebenes Prüfverfahren. Nur dann dürfen die Hersteller ihre Wohnmobile mit einem der Begriffe benennen. Der Unterschied zwischen einem wintertauglichen und einem winterfesten Fahrzeug besteht darin, wie gut die Fahrzeugwände isoliert sind und wie schnell oder langsam ein Fahrzeug auskühlt und sich wieder erwärmen lässt. Letztlich wird ein winterfestes Wohnmobil den Bedingungen beim Wintercamping mehr gerecht. Wohnmobile, die als "wintertauglich2 ausgewiesen sind, bieten nur bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hinreichend Schutz. Deswegen gilt: Wer eine größere Reise plant und in kältere Gegenden fährt, sollte darauf achten, ein "winterfestes" Wohnmobil zu fahren.
Prüfverfahren "wintertauglich":
Phase 1 – Abkühlzeit: Das Fahrzeug wird über mindestens zehn Stunden auf 0 Grad heruntergekühlt. Es werden alle Türen und Fenster geöffnet, um das Wohnmobil wirklich komplett auszukühlen.
Phase 2 – Heizungsstart: Mit maximalem Tempo soll der Innenraum des Fahrzeugs aufgeheizt werden. Starttemperatur ist 0 Grad. Innerhalb von zwei Stunden muss ein zentraler Messpunkt, ein Meter über dem Innenboden in der Mitte des Wohnbereichs, eine Temperatur von 20 Grad haben. Weitere Messpunkte dürfen eine Differenz von maximal sieben Grad aufweisen.
Prüfverfahren "winterfest":
Phase 1 – Abkühlzeit: Das Testfahrzeug wird über mindestens zehn Stunden auf minus 15 Grad heruntergekühlt. Alle Türen und Fenster werden geöffnet.
Phase 2 – Heizungsstart: Der Innenraum des Fahrzeugs soll mit maximalem Tempo aufheizen. Der zentrale Messpunkt über dem Innenboden in der Mitte des Wohnbereichs muss innerhalb von vier Stunden auf 20 Grad erwärmt werden. Fünf weitere Messpunkte dürfen sich um nicht mehr als sieben Grad unterscheiden.
Phase 3 – Stabilisierungszeit: Nach einer einstündigen Stabilisierungszeit werden die Wassertanks befüllt.
Phase 4 – Test der Wasseranlage: Nach einer weiteren Stunde wird geprüft, ob alle Leitungssysteme und Wasserhähne frei und funktionsfähig sind, das Wasser darin also nicht gefroren ist.
2) Reifen

Der ADAC bietet Schneeketten inklusive Rückgabeoption an – falls die Ketten doch nicht gebraucht wurden.

Wer mit seinem Wohnmobil in den Winterurlaub fahren möchte, sollte unbedingt Winterreifen mit einer Profiltiefe von mindestens vier bis fünf Millimetern aufziehen und Schneeketten einpacken. Tipp: Der ADAC bietet an 84 süddeutschen ADAC-Stellen den Kauf von Schneeketten an – inklusive Rückgabeoption. Wer seinen Kettensatz also nicht benutzt und die Verpackung nicht beschädigt, der bekommt den Kaufpreis zurückerstattet. Pro Tag ist dann allerdings eine Mietgebühr von drei Euro zu zahlen.
3) Isolierung
Im Winter ist es besonders wichtig, dass Wohnmobil oder Wohnwagen gut isoliert sind. Auch bei einem wintertauglichen oder -festen Wohnmobil gibt es die sogenannten Wärmebrücken. Das sind bestimmte Bereiche in Bauteilen, durch die die Wärme schneller nach außen transportiert wird als durch andere angrenzende Bauteile. Das können beispielsweise undichte Fugen an einem Fenster sein. Dementsprechend lässt sich oft eine Wärmebrücke im Fahrerhaus finden. Am besten ist es, die Fenster von außen abzudecken, sodass die Wärme nicht entweichen kann und die Scheiben gleichzeitig eisfrei bleiben. Dafür eignen sich Thermohauben. Außerdem gibt es Thermomatten für das Isolieren im Fußbereich. Achtung: Wer einen Campingbus fährt, der sollte unbedingt die Heckklappe abdecken. Hier zieht besonders viel Kälte hinein.
Kann man bestehende Wärmebrücken selbst entdecken?
Sehr leicht lassen sich Wärmebrücken mit einer Thermografie-Aufnahme aufdecken. Bei niedrigen Temperaturen wird mit einer Wärmebildkamera eine Außenaufnahme des auf eine bestimmte Temperatur aufgeheizten Wohnmobils gemacht. Das Bild zeigt dann verschieden warme Bereiche des Fahrzeuges an: Kalte Bereiche sind dunkel, das heißt, von hier aus gelangt nur wenig Wärme von innen nach außen. Helle Stellen zeigen die warmen Bereiche. Hier geht die Heizenergie ungenutzt nach außen verloren.
4) Heizung

Dieses Wasserheizgerät von Eberspächer ist im Kühlwasser-Kreislauf des Motors integriert.

Wer mit seinem Wohnmobil im Winter unterwegs ist, benötigt auf jeden Fall eine Wohnmobil-Heizung. Also eine Heizung, die auch bei abgestelltem Fahrzeug funktioniert. Wohnmobil-Heizungen werden nach Art der Wärmeübertragung und genutztem Brennstoff unterschieden. Das sind die gängigsten Heizungen:
• Gasheizung: Gas wird sowieso im Wohnmobil mitgeführt, da es fürs Kochen oder für das Betreiben des Kühlschranks gebraucht wird. Somit eignet es sich auch zum Heizen. Es ist wichtig, dass ausreichend Gasvorräte mitgenommen werden. Meist gibt es 11-Kilogramm-Gasflaschen, sie halten etwa drei bis vier Tage. Damit das Gas nachts nicht ausgeht, ist es ratsam, sich eine automatische Gasflaschenumschaltung zu kaufen. Die kann auch in einem Gasdruckregler integriert sein.
Kraftstoffheizung: Bei der Kraftstoffheizung wird der Brennstoff direkt aus dem Fahrzeugtank bezogen. Da die meisten Wohnmobile mit Diesel fahren, ist die Dieselheizung am weitesten verbreitet. Aber auch für Benziner gibt es diese Form der Beheizung. Das Praktische: Es müssen keine Gasflaschen mitgeführt werden und die Bordbatterie wird nicht belastet.
• Elektrische Zusatzheizung: Diese Standheizung wird mit Strom betrieben. Sie eignet sich für diejenigen, die am Campingplatz auf Landstrom zugreifen können. Viele Campingplätze bieten auch eine Strompauschale an.
5) Wasser
Es ist sehr wichtig, dass die Wasserleitungen im Winterurlaub regelmäßig kontrolliert werden. Bei niedrigen Temperaturen können sie schnell einfrieren. Besonders der Abwassertank ist in Gefahr, da er meist außen liegt. Bei tiefen Temperaturen kann es also sinnvoll sein, das Abwasser nicht im Tank zu sammeln, sondern direkt in einen Eimer fließen zu lassen. Auf diese Weise kann das Abwasser auch noch als "Eisblock" gut entsorgt werden. Eine andere Möglichkeit ist, die Wasserleitungen mit Hilfe eines Heizstabs oder mit Heizbändern vor dem Einfrieren zu schützen.
6) Strom
Ist es draußen kalt, bringt die Bordbatterie weniger Leistung. Um hier Strom zu sparen, sollte der Kühlschrank – wenn möglich – mit externem Strom versorgt werden. Sie können beispielsweise einen Stromanschluss des Campingplatzes nutzen. Eine weitere Möglichkeit ist ein Stromgenerator, der mit Benzin, Diesel oder Gas betrieben wird. Nachteil ist allerdings, dass ein solcher Generator meist sehr laut ist. Das kann nicht nur einen selbst, sondern auch andere Camper stören.
7) Vorzelt
Ein Vorzelt ist ganzjährig eine gute Ergänzung zum Wohnmobil. Es bietet weiteren Stauraum, was besonders im Winter praktisch ist. Dann können Skiausrüstung, Schlitten und nasse Stiefel trocken abgestellt werden, ohne im Wohnmobil Platz zu beanspruchen. Bei der Wahl des Vorzelts ist es allerdings wichtig, ein spezielles Wintervorzelt auszusuchen. Das besteht aus beidseitig beschichtetem Material, und das Dach hat eine leichte Neigung nach vorn, damit der Schnee besser abfallen kann. Ein solches Wintervorzelt kostet zwischen 300 und 800 Euro.
8) Werkzeug
Wer im Winter campen geht, darf auf keinen Fall passendes Werkzeug vergessen. Dazu gehört ein Hammer, mit dem sich bei Schnee und Eis die Heringe für das Vorzelt besser in den Boden schagen lassen. Außerdem wichtig: Besen und Handfeger für den Eingangsbereich. Schließlich müssen Dreck und Schnee herausgefegt werden. Sinnvoll ist auch ein Schneebesen mit Eiskratzer und Teleskopstange. So kann man den Schnee besser vom Dach schieben. Ein Starthilfekabel oder einen Startbooster für die Autobatterie können Wintercamper ebenfalls gut gebrauchen.
9) Stellplatz

Manche Stellplätze haben Extra-Räume, um Skier und Schlitten abstellen zu können.

Im Winter den passenden Stellplatz auszusuchen, ist wichtig: Wer beispielsweise mit einem kleinen Camper ohne Bad unterwegs ist, freut sich besonders bei Schnee und Eis über geschlossene und beheizbare Sanitäranlagen. Auch wichtig: Manche Stellplätze haben Trockenräume für Skiausrüstung und einen kleinen Shop, um wichtige Campingutensilien sowie Essen und Trinken einkaufen zu können. Einige Campingplätze bieten sogar eine Sauna an. Am besten recherchieren Sie vorab im Internet oder rufen einmal an, um herauszufinden, wie gut ihr Ziel-Campingplatz für die Winterzeit ausgestattet ist. 

Autor: Isabella Sauer

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