Xpeng X9 Long Range FWD: Elektro-Van im Test
Auf Wolke neun: China-Van bietet den ganz großen Luxus

Xpeng setzt mit dem X9 im Markt der Luxusvans ein Zeichen. Besteht damit Gefahr für den Stern aus Stuttgart oder das Multitalent aus Wolfsburg? Zeit für den Einzeltest.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
- Christoph Richter
- Dennis Heinemann
Inhaltsverzeichnis
Konkurrenz belebt angeblich das Geschäft. In dem winzigen Segment der Vans – Marktanteil rund 1,7 Prozent – teilen sich Mercedes und VW mit V-Klasse, VLE sowie Multivan und ID. Buzz die Kundschaft.
Fahrzeug-Deals
Xpeng möchte mit dem in Graz (Österreich) bei Magna Steyr gebauten X9 mit 95 und 110 kWh großem Akku diesem kleinen Markt Leben einhauchen. Nach eigener Aussage soll das mit „Hightech auf Rädern“ passieren – eine abgedroschene Floskel, die schon viele Hersteller für sich in Anspruch genommen haben.
- Für Großfamilien: Mit sieben vollwertige Sitzplätze in drei Reihen, einem großzügigen Innenraum und bis zu 2250 Liter Kofferraumvolumen ist der X9 die Lösung aller Platzprobleme.
- Für Chauffeur- und Shuttledienste: Mit der luxuriösen zweiten Sitzreihe inklusive Liegefunktion und dem großen Bildschirm fürs Unterhaltungsprogramm bietet der X9 hohen Reisekomfort für alle, die gerne gefahren werden.
Preisliste beginnt bei 77.600 Euro
Reichlich "Tech" bietet der X9 in jedem Fall. Spielereien wie automatisiertes Ein- und Ausparken mit KI-Unterstützung, adaptive Assistenz für die Stadt und Autobahn, Zweikammer-Luftfederung mit KI-Chassis, das die Beschaffenheit der Straße erkennt, Liegesitze in der zweiten Reihe inklusive 21-Zoll-Touchdisplay, das von der Decke herabfährt.

Gutes Angebot: Für den X9 Standard Range verlangt Xpeng 77.600 Euro. Die von uns getestete Long Range-Version kostet 81.600 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dazu Sitzheizung auf jedem der sieben Plätze, Softclose für die Türen vorn und so weiter und so weiter. Und das alles zu einem Einstiegspreis von 77.600 Euro für die Basisversion mit dem kleineren Akku. Bei so viel Spielerei bleibt die Frage, ob Mercedes und Volkswagen bei dieser Ausgangslage um die treue Kundschaft fürchten müssen.
Wuchtiger Van mit futuristischem Design
Für den ersten Eindruck gibt es bekanntlich keine zweite Chance, daher prüfen wir jetzt die Details. Das Exterieur des knapp 5,32 Meter langen, 1,79 Meter hohen und 1,99 breiten X9 wirkt wuchtig, spielt mit seinem futuristischen Design, durchlaufender Lichtleiste vorn wie hinten und eher Van-untypischem Abschluss jedoch nur eine beiläufige Rolle. Der X9 möchte mit inneren Werten punkten.

Futuristischer China-Van: Der 5,32 Meter lange Xpeng X9 fällt auf mit seiner duchgehenden, schmalen Lichtleiste.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Viel Komfort in drei Sitzreihen
Dazu lässt sich Folgendes sagen: Auf drei Reihen sitzen sieben Passagiere wohl kaum vorzüglicher. Elektrische Verstellung in jeglicher Form, ausführliche Massage für die vier Sitze in erster und zweiter Reihe, dazu Liegefunktion in Reihe zwei. Der sogenannte Zero-Gravity-Modus für fast vollständiges Liegen im Auto enttäuscht nicht. Gerade während der Ladepausen lernt man die Vorzüge des Luxusvans zu schätzen.

Ladepause im Liegen: Kollege Mallach misst mehr als 1,90 Meter, so hängen die Beine etwas über, kleine Personen finden dagegen eine optimale Position.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Mit der Polsterung sowie Verarbeitung der Nappaledersessel zeigt der noch junge Hersteller Xpeng – gegründet 2014 –, dass er auf Augenhöhe mitfährt. Schwächen wie ein, zwei unsaubere Nähte sind da zu verschmerzen. Ein Kritikpunkt aus der Redaktion: eine nicht verlängerbare Oberschenkelauflage für Mitreisende jenseits der 1,85 Meter. In Sachen Sitzkomfort hinterlässt der X9 damit einen sehr guten ersten Eindruck.
Für Entertainment ist gesorgt
Gehobener Komfort endet an dieser Stelle keineswegs, vor allem nicht für Reihe zwei. Unter der Mittelkonsole wartet ein rund elf Liter großes Fach, das Champagner auf zehn Grad kühlt oder das Kobe-Steak auf der Heimreise bei 50 Grad warm hält. Währenddessen genießen die fünf Passagiere im Fond Netflix, YouTube oder Amazon Prime über den 21,4 Zoll großen Bildschirm, der von der Decke herabfährt – alles Teil der Grundausstattung.

Großes Kino: Das Display mit 21,4 Zoll fährt von der Decke hinter Reihe eins herab und lässt sich per Touch-, Sprach- oder Fernbedienung steuern.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dazu lädt im Ladefach der Armlehne das mobile Endgerät, belüftet natürlich, oder der Laptop auf einem der zwei sehr wertigen Klapptische. Bleibt noch Reihe drei mit drei Plätzen. Maximalkomfort wie auf den vorderen Reihen steht Erwachsenen nicht zur Verfügung, das liegt auch an der kurzen Schenkelauflage, es reicht aber für kurze bis mittlere Strecken.
Fahrzeugdaten
Modell | Xpeng X9 Long Range FWD |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Elektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 235 kW/320 PS |
Dauerleistung | 110 kW/150 PS |
max. Drehmoment | 450 Nm |
Max | 200 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | Michelin e-Primacy |
Reifentyp | 235/50 R 20 V |
Radgröße | k. A. |
Reichweite* | 615 km |
Verbrauch* | 20,0 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität brutto/netto | 110/106,7 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11 kW/542 kW |
Ladezeit 10-80 %, DC-Ladung | 12 Minuten |
Fach unter der Frontklappe | - |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/750 kg |
Stützlast | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 721–2250 l |
Länge/Breite/Höhe | 5316/1988–2213**/1785 mm |
Radstand | 3160 mm |
Grundpreis | 81.600 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 81.600 Euro |
Der Kofferraum lässt sich schnell beschreiben. 721 bis 2250 Liter verstauen vom Kasten Wasser bis zur bei eBay erstandenen Kommode problemlos. Einfaches Beladen gelingt mit dem absenkbaren Heck über die Luftfedern. Die Rückbank versenkt der X9 ebenfalls vollautomatisch über einen geschickten Mechanismus. Die Lehne legt sich nach vorn auf die Sitzoberfläche, um dann mit dieser gemeinsam nach hinten zu klappen und einen bündigen Kofferraumboden herzustellen.
Sprachbedienung zeigt sich verständig
Letztlich spielt die Musik jedoch in der ersten Reihe, denn Xpeng verbaut allerhand Assistenz, die ein Gefühl wie auf Wolke neun herstellen soll. Gerade hier stellt sich auch noch mal die Frage, wie "high" die Technik des X9 tatsächlich ist. Die Schaltzentrale richten die Chinesen treu dem Motto "Weniger ist mehr" ein.

Reduzierte Schaltzentrale mit nur wenigen Tasten und Schaltern – nicht schlimm, die Bedienung über Sprachbefehl funktioniert nahezu immer problemlos.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das wirkt auf den ersten Blick zwar nett, hilft bei einer reibungslosen Bedienung aber nur bedingt – wäre da nicht die sehr aufmerksame Sprachassistenz. Beim Verständnis ist es dagegen wie mit kleinen Kindern. Die verstehen die eine oder andere Ansage nicht, folgen dann aber doch irgendwann. Klimasteuerung, Türen, Fenster, Multimedia-Display, Massage, Kofferraum oder auch Sitze – all das lässt sich mithilfe der Stimme verstellen respektive bedienen. Weniger Freude bereitet auf den ersten Metern die Fahrassistenz. Die Aktivierung erfolgt über den rechten Lenkstockhebel.
So fährt der X9 sicher auf der Autobahn geradeaus, hält den Abstand, kommt selbst zum Stillstand, fährt wieder an, unterstützt auch beim Spurwechsel und erkennt zuverlässig das umliegende Verkehrsgeschehen. Es fällt aber auf, dass der Wagen immer wieder zwischen den Linien etwas hin und her schlingert, so den Eindruck vermittelt, er weiß nicht, an welcher Spur er sich orientieren soll.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Minuspunkte gibt es auch für die fummelige Abstandsregelung. Die lässt sich bei aktivierter Fahrassistenz über die linke Lenkradspeiche anpassen. Das gilt es aber zu wissen, weil ohne aktivierte Assistenz die linke Lenkradspeiche die Klimaanlage steuert. Beim Thema Bedienung ist noch etwas Luft nach oben, weil Xpeng auch zahlreiche weitere Funktionen unnötigerweise ins Display verlagert. Manchmal ist "weniger" dann doch eine Spur zu wenig.
Messwerte
Modell | Xpeng X9 Long Range FWD |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,7 s |
0–80 km/h | 6,1 s |
0–100 km/h | 7,9 s |
0–130 km/h | 11,6 s |
0–160 km/h | 16,9 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,4 s |
80–120 km/h | 4,1 s |
Leergewicht/Zuladung | 2688/612 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 52/48 % |
Wendekreis links/rechts | 11,4/11,6 m |
Sitzhöhe | 735 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 38,3 m |
aus 100 km/h warm | 38,6 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 54 dB(A) |
bei 100 km/h | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 66 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 16,7 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 20,0 kWh/100 km (+/- 0 %) |
Sportverbrauch | 27,1 kWh/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 534 km |
Fahrwerk mit Licht und Schatten
Bleibt die Frage, ob der erste Eindruck auch beim Griff ins Volant überzeugt. Die Doppelkammer-Luftfederung weiß, was sie tut – federt auf enorm hohem Niveau und bügelt Unebenheiten gekonnt aus dem Asphalt. Im Gegenzug stolpert der X9 über Querfugen oder zu tief eingelassene Gullydeckel ein wenig ruppig, obwohl eine Kamera die Beschaffenheit der Straße erkennen und das Fahrwerk entsprechend anpassen soll.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das Lenkrad zirkelt den wuchtigen Van dank der serienmäßigen Hinterachslenkung (plus/minus fünf Grad, Wendekreis 10,8 Meter) leichtgängig und zielsicher durch die Großstadt. Auch beim Parken sind die mitlenkenden Hinterräder sowie die zahlreichen Kameras und Sensoren eine große Erleichterung. Auf der Autobahn ist sie mitunter aber etwas zu leichtgängig und gefühllos. Schnelle Kurven und ruckartige Manöver quittiert der X9 mit einem aufbauenden Heck, das er jedoch flott wieder einfängt.
Wertung Xpeng X9 Long Range FWD
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Hochwertige Qualität und ein sehr üppiges Platzangebot in drei Reihen. Hohe Zuladung. | 4 / 5 |
Antrieb | Flotter Antritt im Zuge des Gewichts und 200 km/h Spitze. Guter Verbrauch und lädt extrem schnell. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Fahrwerk und Lenkung vermitteln einen guten Eindruck. Langer Bremsweg. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Sehr umfängliches Multimediaangebot mit guter Sprachsteuerung. Soundanlage top! | 4,5 / 5 |
Umwelt | Alles andere als kompakt, dazu sehr schwer. Akustikverglasung auf Spitzenniveau. | 4 / 5 |
Komfort | Einfacher Einstieg, auch in Reihe drei. Sehr komfortable Sitze, Minuspunkte für kurze Schenkelauflage. | 4 / 5 |
Kosten | Hoher, aber fairer Preis für das Gesamtpaket, guter Wiederverkaufswert. Kurzes Wartungsintervall. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,6 |
Der Schocker zum Schluss: Der X9 lädt seinen 100-kWh-Akku mit bis zu 520 kW bei 800-Volt-Architektur im Labortest bei Shell in knapp 30 Minuten auf 100 (!) Prozent. Das hat noch kein anderer Stromer geschafft. Neuer Rekord bei AUTO BILD. Als Randnotiz: In Hamburg laden die schnellsten Säulen mit maximal 400 Kilowatt.
Die wichtigsten Fragen zum Xpeng X9
Was zeichnet den X9 besonders aus?
Der Fokus des X9 liegt klar auf Komfort. Massage-, Heiz- und Belüftungsfunktionen, Liegesitze in der zweiten Reihe, ein großer Deckenbildschirm für Streaming-Dienste sowie hochwertige Materialien sorgen für ein luxuriöses Reiseerlebnis.
Wie viel Platz bietet der X9?
Der Elektro-Van verfügt über sieben Sitzplätze und einen Kofferraum mit 721 bis 2250 Litern Ladevolumen. Damit eignet er sich sowohl für den Familienurlaub als auch für den Transport sperriger Gegenstände.
Wie schlägt sich der X9 auf der Langstrecke?
Dank Luftfederung, großzügigem Platzangebot und umfangreichen Assistenzsystemen reist es sich sehr komfortabel.
Wie weit kommt der X9 mit einer Akkuladung?
Bei einem Durchschnittsverbrauch von 20,0 kWh/100 km reichte eine Akkuladung im Test für 534 Kilometer. Rekordverdächtig ist die Ladezeit des X9: Von 10 auf 80 Prozent dauert es nur 12 Minuten, volle 100 Prozent sind nach 30 Minuten erreicht.
Ist der X9 eine Alternative zu ID.Buzz und V-Klasse?
Ja. Der X9 bietet ähnlich viel Platz wie die etablierten Vans von Volkswagen und Mercedes, kombiniert dies jedoch mit einer besonders umfangreichen Serienausstattung, modernem Infotainment und einem auffällig hohen Komfortniveau.
Service-Links






















