Zukunft des Opel-Werks Bochum
Opelaner stinksauer

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Die Hängepartie ums Bochumer Opel-Werk dauert an. Laut Opel-Chef Stracke gebe es "keine Entscheidung zu Bochum nach 2014". Die Belegschaft macht ihrem Ärger Luft.
(dpa) Die Zukunft des von Schließung bedrohten Opel-Werks in Bochum bleibt unsicher. "Es gibt keine Entscheidung zu Bochum nach 2014", sagte Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke am 21. Mai 2012 bei einer Betriebsversammlung in Bochum. Bis zum 28. Juni werde das Management dem Aufsichtsrat ein Konzept vorlegen, aus dem auch die Zukunft des Bochumer Standortes hervorgehe. Die Beschäftigten reagierten mit Wut und Pfeifkonzerten.
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Der Bochumer Betriebsrat verlangt eine Zusage, dass der bisher im Ruhrgebiet gefertigte Familienvan Zafira für die gesamte Laufzeit des Modells im Werk bleibt. Hintergrund ist die geplante Verlagerung der Astra-Produktion aus dem Stammwerk Rüsselsheim ins Ausland. Arbeitnehmervertreter befürchten nun, dass die Bochumer Zafira-Produktion von 2015 an auf die freigewordenen Kapazitäten in Rüsselsheim verlagert und Bochum geschlossen wird. Stracke wies das auf der Versammlung zurück: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt den Zafira von Bochum in Rüsselsheim angeboten."
Stracke lobte ausdrücklich den Qualitätsstandard des Bochumer Werks mit knapp 3300 Beschäftigten. Andererseits müsse das Unternehmen die Kosten in den Griff bekommen und schnell in die schwarzen Zahlen kommen. Opel gehört zum US-Autoriesen General Motors (GM), der umfangreiche Sparmaßnahmen bei dem verlustreichen Autobauer plant. Bis 2014 sind die deutschen Standorte vertraglich gesichert. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel kündigte an, ohne klare Perspektive für das Werk den für 2010 bis 2014 vereinbarten zeitweisen Lohnverzicht etwa beim Weihnachtsgeld nicht mehr mitzutragen. Für das Bochumer Werk seien das gut 20 Millionen Euro jährlich. "Wir sind nicht bereit zu Einsparungen, wenn mit unserem Geld im Ausland Werke gebaut oder Managerboni bezahlt werden."
Die Opel-Werke im Überblick
Deutschland: Bochum
In Bochum liefen 2011 ein Astra-Modell und zwei Zafira-Modelle vom Band. Nach Werksangaben arbeiten noch 3200 Beschäftigte direkt im Unternehmen sowie rund 1000 Menschen bei Partner- und Fremdfirmen.
Deutschland: Eisenach
In Eisenach bauen 1524 Beschäftigte den Corsa.
Deutschland: Rüsselsheim
Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. Mitarbeiter: 13.825, davon 3200 in der Produktion.
Deutschland: Kaiserslautern
In Kaiserslautern bauen 2640 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.
Polen: Gleiwitz
In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in dem Werk sind 3523 Menschen beschäftigt.
Spanien: Saragossa
Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.
England: Ellesmere Port
Etwa 2100 Mitarbeiter bauen in Ellesmere Port Astra-Modelle.
England: Luton
In Luton werden die baugleichen Transporter Opel Vivaro und Renault Traffic von 1100 Beschäftigten gefertigt.
Weitere Standorte
Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthard (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1736) sowie in einem Joint Venture ...
Weitere Standorte
... in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.
Zum Artikel: Rüsselsheim verliert den Astra
Einenkel kritisierte das Management zu Beginn der Betriebsversammlung scharf. Die Entscheidung, die Produktion des Kompaktwagens Astra ins Ausland zu verlagern, sei verhängnisvoll. "Das werden Sie bei den Verkaufszahlen in Deutschland merken", sagte er zu Stracke. Bochum habe nach den offiziellen Werkszahlen den höchsten Qualitätsstandard und derzeit auch die beste Produktivität im Verbund. Trotzdem werde der Standort schlechtgeredet. "Das ist schmutzig", sagte Einenkel.
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) forderte eine Offensive für das Bochumer Werk. Opel in Bochum solle nicht in der Defensive verharren, sondern die Vorteile des Standorts deutlich machen, sagte sie bei der Belegschaftsversammlung. "Bochum verfügt über hochqualifizierte Mitarbeiter und ein dichtes Netzwerk von Zulieferern", betonte Kraft. "Wir waren und wir sind hier nicht die billigsten (...), aber die Mitarbeiter hier können Qualität bauen." Nicht zuletzt sei NRW eine der dichtesten und kaufkräftigsten Regionen in Europa. "Wer hier als Marke Fuß fassen will, muss sich auch für den Standort positionieren."

Die Opelaner haben Angst um ihren Arbeitsplatz und machen ihrem Ärger Luft.
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