Gebrauchtwagen-Spartipps: Warum ein 150.000-km-Auto die bessere Wahl sein kann
Darum sind Kilometerriesen oft der bessere Deal

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Viele Gebrauchtwagenkäufer scheuen Autos mit mehr als 100.000 Kilometern auf dem Tacho, sie fürchten Verschleiß und Folgekosten. Diese fünf Dauerläufer sind auch mit höherer Laufleistung zu empfehlen.
Bild: Ronald Sassen
Inhaltsverzeichnis
- Warum Autos über 100.000 km Laufleistung gute Deals sein können
- BMW 520d (F10/F11): der Münchner Kilometer-König
- VW Passat Variant 2.0 TDI (B8): der Wolfsburger Alleskönner
- Toyota Auris und Corolla: Hybrid-Athleten mit viel Ausdauer
- Mazda6 Kombi: Hubraum statt Turbo
- Skoda Octavia Combi: tschechischer Hunderttausendsassa
Über 100.000 Kilometer auf dem Tacho? Für viele Gebrauchtwagenkäufer ein absolutes Ausschlusskriterium. Hohe Laufleistungen werden im Allgemeinen mit verschlissenen Bauteilen, möglichem Wartungsstau und teuren Reparaturen in Verbindung gebracht. Dabei kann ein ordentlich gewarteter und sorgsam bewegter Dauerläufer die bessere Kaufentscheidung sein.
"Entscheidend sind Motor, Getriebe, bekannte Schwachstellen und vor allem die Wartungshistorie. Ein Fahrzeug aus dem Firmenleasing, das überwiegend lange Strecken gefahren und nach Herstellervorgaben gepflegt wurde, kann deutlich besser dastehen als ein wenig bewegtes Stadtauto", sagen die Experten von AutoScout24. Das Autoportal nennt fünf Kauftipps, die trotz hoher Laufleistung attraktiv für Gebrauchtwagenkäufer sind!
Die Herangehensweise: Die Durchschnittspreise für fünf haltbare Langstreckenspezialisten knapp unter der 100.000-Kilometer-Marke wurden analysiert und mit der Preisentwicklung bei höheren Kilometerständen abgeglichen. Das Ergebnis: das potenziell beste "Kilometerfenster" für jeden Kaufkandidaten mit dem attraktivsten Preis.
So wurden die Autos bei der Analyse bewertet:
Für jeden Kauftipp wurden die Angebots- und Preisdaten mit hohen Laufleistungen im Zeitraum von Januar bis Juli 2026 in 10.000‑Kilometer-Schritten ausgewertet und mit vergleichbaren Fahrzeugen mit rund 100.000 Kilometern verglichen. Die Analyse zeigt, wo der beste Kompromiss aus Preisvorteil und zusätzlicher Laufleistung liegt. Dabei beziehen sich die Kaufempfehlung und Preisanalyse auf konkrete Motorisierungsempfehlungen und/oder Karosserieformen. Folgende Grafik zeigt die fünf Modell-Empfehlungen im Überblick:

Fünf Kaufkandidaten mit ihrem idealen Kilometerfenster und der möglichen Ersparnis im Vergleich zum Kauf von Modellen mit Laufleistungen unter 100.000 Kilometern.
Bild: AutoScout24
Beim 520d entscheidet der richtig gewählte Bauzeitraum über einen guten Kauf: Es lohnt der Blick auf die modellgepflegten Baureihen F10 (Limousine) und F11 (Kombi) aus dem Zeitraum 2013 bis Februar 2017. Idealerweise schlägt man bei Modellen ab November 2014 zu, dann arbeitet der 190 PS starke B47-Diesel unter der Haube.

BMW 520d der Baureihe F10.
Bild: Toni Bader
Ab dem Facelift winken auch eine harmonischere Fahrwerksabstimmung und das modernere Infotainmentsystem. Zusammen mit der robusten ZF-Achtgangautomatik bietet der überarbeitete 5er laut Autoscout24 gute Voraussetzungen für viele weitere Kilometer.
Das Sparpotenzial: Die Preise für 520d unter 100.000 Kilometern Laufleistung liegen bei rund 19.000 Euro, bleiben auch darüber lange erstaunlich stabil. Erst bei 150.000 bis 160.000 Kilometern wird der 520d deutlich günstiger, kostet durchschnittlich rund 16.600 Euro. Gegenüber Exemplaren mit weniger als 100.000 Kilometern beträgt der Preisvorteil damit rund 2400 Euro.
Darauf sollten Käufer achten: Entscheidend ist der Pflegezustand. Ein lückenloses Scheckheft wiegt bei einem 5er schwerer als ein niedriger Kilometerstand. Beim Kaltstart sollte der Motor ruhig laufen. Auffälliges Rasseln kann auf ein Problem mit der Steuerkette hindeuten. Beim Touring verdient die Luftfederung an der Hinterachse besondere Aufmerksamkeit. Sinkt das Heck nach längerer Standzeit sichtbar ab, kann ein Luftbalg undicht sein. Vibrationen oder Ruckeln weisen möglicherweise auf Verschleiß an der Kardanwelle oder ihrer Gummiverbindung, der Hardyscheibe, hin.
Außerdem sollte der Rückruf zum AGR-Kühler erledigt und dokumentiert sein. Bei betroffenen Fahrzeugen bestand Brandgefahr. Stimmen Wartungshistorie und diese Prüfpunkte, ist der BMW 520d mit rund 150.000 Kilometern eine reizvolle Wahl für Langstreckenfahrer.
Der Passat Variant der Baureihe B8 vor der Modellpflege verbindet viel Platz mit solider Langstreckentechnik. Empfehlenswert sind Fahrzeuge aus dem Zeitraum November 2014 bis Mai 2019 mit dem 150 PS starken 2,0‑Liter-TDI der Motorbaureihe EA288.

VW Passat Variant der Baureihe B8.
Bild: Christoph Börries
Vor dem Wechsel auf den technisch komplexeren EA288 EVO bietet der Vorgänger einen überzeugenden Kompromiss aus ausgereifter Technik und Preis. Besonders attraktiv sind die Varianten mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder der Sechsgang-Automatik DQ250. Sie arbeitet im Ölbad und gilt bei regelmäßigem Ölwechsel als langlebige Lösung.
Das Sparpotenzial: Ab 140.000 Kilometern fällt der Preis dieses Passat-Modells deutlich. Fahrzeuge mit 140.000 bis 150.000 Kilometern kosten im Schnitt rund 14.100 Euro. Gegenüber vergleichbaren Angeboten mit weniger als 100.000 Kilometern sparen Käufer damit rund 2900 Euro und finden beim untersuchten Passat Variant den überzeugendsten Kompromiss aus Preis und Laufleistung.
Darauf sollten Käufer achten: Besonders wichtig ist der Blick auf die Wartungsbelege. Die Wasserpumpe kann vorzeitig ausfallen. Käufer sollten prüfen, ob sie bei einem Zahnriemenwechsel bereits erneuert wurde. Der reguläre Wechselintervall von 210.000 Kilometern ist keine Garantie, dass die Pumpe bis dahin problemlos arbeitet. Bei Fahrzeugen mit Automatik sollte der Ölwechsel des Getriebes alle 60.000 Kilometer nachweisbar sein.
Auf der Probefahrt darf das Getriebe nicht ruckeln. Außerdem lohnt ein genauer Blick auf Ansaugtrakt und Abgasrückführung. Ablagerungen können die Leistung beeinträchtigen und teure Arbeiten verursachen. Stimmen Wartung und Zustand, bleibt der Passat ein geräumiger Begleiter für viele Kilometer.
Die Toyota-Modelle Auris Touring Sports und Corolla gehören zu den Gebrauchten, bei denen hohe Laufleistungen besonders wenig abschrecken müssen. Empfehlenswert sind die Hybridvarianten mit 1,8 oder 2,0 Litern Hubraum. Ihr Antrieb arbeitet mit einem einfachen Planetengetriebe. Es kommt ohne klassische Kupplung und ohne Keilriemen aus, viele verschleißanfällige Bauteile entfallen. Das passt vor allem zu Stadt- und Pendlerverkehr, wo der Hybridantrieb seine Stärken ausspielt.

Toyota Auris Touring Sports der Baureihe E 180.
Bild: Lena Willgalis
Der betreffende Auris (Baureihe E 180) wurde von Juli 2013 bis März 2019 gebaut, der Nachfolger Corolla seit 2019. Bei Fahrzeugen, die regelmäßig in einer Toyota-Vertragswerkstatt gewartet wurden, kann zudem noch eine Garantie von bis zu 15 Jahren bestehen.
Das Sparpotenzial: Bei beiden Toyota-Modellen wird der Kauf ab etwa 140.000 Kilometern interessant. Ein Auris Hybrid mit 140.000 bis 150.000 Kilometern kostet im Schnitt rund 12.900 Euro. Gegenüber vergleichbaren Fahrzeugen mit weniger als 100.000 Kilometern sparen Käufer dabei rund 2800 Euro.
Beim jüngeren Corolla Hybrid liegt der Preis in diesem Bereich bei rund 17.000 Euro und damit rund 2300 Euro niedriger als bei vergleichbaren Angeboten unterhalb der 100.000‑Kilometer-Marke.
Darauf sollten Käufer achten: Der Hybridantrieb gilt als robust, einige Punkte gehören dennoch auf die Checkliste: Die kleine 12‑Volt-Batterie kann sich bei längeren Standzeiten schneller entladen als bei vielen konventionellen Autos. Auch die hinteren Bremsen verdienen einen genauen Blick. Weil der Elektromotor beim Verzögern Energie zurückgewinnt (sog. Rekuperation), werden die Bremsen seltener beansprucht. Bremsscheiben und Bremssättel können dadurch festrosten.
Wichtig ist außerdem das Kühlgebläse der Hybridbatterie: Es sollte frei von Staub und Haaren sein. Ein aktuelles Hybrid-Health-Check-Zertifikat von Toyota gibt zusätzlich Sicherheit über den Zustand der Hybridbatterie.
Der Mazda6 Kombi ist eine interessante Wahl für Vielfahrer, die bewusst keinen Diesel suchen. Empfehlenswert sind Fahrzeuge der Modellpflege mit der Erstzulassung zwischen März 2015 bis Mai 2018 mit dem 165 PS starken 2,0‑Liter- oder dem 192 PS starken 2,5‑Liter-Skyactiv G Benziner. Beide Motoren kommen ohne Turbolader aus. Das reduziert die Zahl potenziell teurer Bauteile und sorgt für eine angenehm unkomplizierte Technik. Mit der Modellpflege verbessert Mazda zudem die Geräuschdämmung und wertet den Innenraum spürbar auf.

Der Mazda6 ist vor allem als Kombi verfügbar.
Bild: Toni Bader
Das Sparpotenzial: Bis 150.000 Kilometer entwickeln sich die Preise uneinheitlich. Bei 150.000 bis 160.000 Kilometern gibt der Preis dann deutlich nach. Ein Mazda6 Kombi mit Skyactiv G Benziner kostet mit dieser Laufleistung durchschnittlich rund 15.400 Euro. Gegenüber vergleichbaren Angeboten mit weniger als 100.000 Kilometern sparen Käufer rund 3600 Euro.
Darauf sollten Käufer achten: Der Unterboden verdient beim Mazda6 besondere Aufmerksamkeit. Rost an Achsträgern und tragenden Teilen lässt sich am besten auf einer Hebebühne erkennen. Auch die Klappfunktion der Außenspiegel sollte geprüft werden.
Beim Motor gehört ein ruhiger Leerlauf zum guten Ton. Schwankende Drehzahlen können auf Ablagerungen im Ansaugsystem oder Probleme an den Dichtungen der Einspritzanlage hindeuten. Stimmen Wartungshistorie, Unterboden und Motorlauf, ist der Mazda6 ein komfortabler Kombi für viele weitere Kilometer.
Der Skoda Octavia Combi der Baureihe 5E ist ein geräumiger Langstreckenwagen auf Golf-Basis. Empfehlenswert sind Fahrzeuge aus den Jahren Februar 2013 bis Dezember 2019 mit dem 150 PS starken 2,0 Liter TDI der Motorbaureihe EA288 – derselbe Motor, wie oben im Passat. Der Diesel bietet genug Leistung für lange Etappen und viel Technik kommt aus dem VW-Regal.

Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Beim Innenraum müssen Käufer allerdings kleinere Abstriche bei Materialanmutung und Geräuschkomfort akzeptieren. Dafür bietet der Octavia viel Platz und solide Technik zu einem vergleichsweise günstigen Preis.
Das Sparpotenzial: Der Preis sinkt beim Octavia mit steigender Laufleistung recht gleichmäßig. Besonders interessant wird der Kombi ab 130.000 Kilometern. Fahrzeuge mit 130.000 bis 140.000 Kilometern kosten im Schnitt rund 15.000 Euro. Gegenüber vergleichbaren Angeboten mit weniger als 100.000 Kilometern sparen Käufer dabei rund 2800 Euro.
Darauf sollten Käufer achten: Wie beim Passat kann die Wasserpumpe vorzeitig ausfallen. Wartungsnachweise für Zahnriemen und Wasserpumpe sind deshalb wichtig. Auf der Probefahrt lohnt sich eine Fahrt über Kopfsteinpflaster oder eine unebene Straße. Polternde oder knarzende Geräusche von der Vorderachse können auf verschlissene Lager an den Querlenkern hindeuten. Auch die Hinterachse sollte dabei ruhig bleiben.
Zum Schluss empfiehlt sich ein Test des Infotainment-Bildschirms. Reagiert er ohne Berührung oder setzt Eingaben selbstständig um, können Reparaturen teuer werden. Stimmen Wartung und Fahrverhalten, ist der Octavia ein praktischer Kombi für viele weitere Kilometer.
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