Ford Mustang 289 cui High Performance
Der ewige Teenie-Schwarm

Zum Jubiläumsvergleich haben wir das seltenste Modell der ersten Mustang-Generation eingeladen, ein frühes Cabrio mit 4,7-Liter-Hochleistungs-V8.
Bild: Christian Bittmann
- Lukas Hambrecht
Dieser Ford Mustang ist besonders, sagt der fünfte Buchstabe in der Fahrgestellnummer 5F08K329618. Denn das rote Convertible von Jörg Linden ist ein echter K-Code, heißt: der heißeste Frühzeit-Mustang mit 271 SAE-PS starkem 289er-High-Performance-Motor. Aufpreis im Oktober 1965: 328 Dollar. Da ist der Mustang noch rank und schlank. Ford pflanzt keine Big-Block-Motoren in den Bug, und der texanische Hühnerfarmer Carroll Shelby hat nicht damit begonnen, das Pony für die Rennpiste zu dressieren. Wer Lust auf Leistung hat, kann nur den K-Code wählen. Möglich macht den PS-Zuwachs ein Vierfachvergaser von Autolite, dazu eine scharfe Nockenwelle, die das Betätigen der Ventile ohne Hydrostößel ermöglicht. Shelby nimmt den Motor später als Basis für seinen GT350.

Dieser Mustang ist besonders, denn das rote Convertible ist der heißeste Frühzeit-Mustang mit 271 SAE-PS starkem 289er-High-Performance-Motor.
Bild: Christian Bittmann
Doch Ford belässt es nicht beim Motortuning: Das junge Paradepferd bekommt straffere Federn und Dämpfer, außerdem eine direktere Lenkung. Oder was sich im Amerika der Sixties so nennt. Auch der "HiPo", wie die Fans sagen, läuft nur dann ordentlich geradeaus, wenn der Fahrer ständig am großen, geschüsselten Lenkrad nachjustiert. Und der Bremsweg ist für heutige Begriffe ewig lang – es schadet damals nicht, auch stört sich niemand an den hinteren Trommelbremsen. Ein Automatikgetriebe ist für das Sportmodell anfangs nicht lieferbar. Das bestens abgestufte Ford-Viergang-Schaltgetriebe schaltet präzise und passt viel besser zum doppelbödigen Charakter des Autos, das an Batmans Feind Two-Face erinnert: Der schlanke Ur-Entwurf trifft hier auf einen V8, der ihn verdammt schnell macht, aber für eine Hochleistungsmaschine auch subtil zur Sache gehen kann – ganz im Gegensatz zum brachialen Boss 302, der nur für den Rennsonntag taugt.
Liebling der Asphalt-Cowboys: Ford Mustang GT 390
Begehrenswert und erreichbar

Aus zwei chromumringten GT-Rohren rumpelt der stärkste Achtzylindermotor der frühen Mustang-Jahre.
Bild: Christian Bittmann
Wir messen 12,5 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h auf feuchter Bahn. Ein guter Wert, denn auf grobe Gasstöße reagiert das einstige Spitzenmodell mit ungestümem Hufscharren und nervösem Schwänzeln seines Hinterteils. Aber, hey: Zum entspannten Ritt in kitschige Sonnenuntergänge animieren heute ohnehin nicht seine Kraftreserven, sondern seine Offenheit und die Röte seines Blechs. Was das Urmodell so einmalig macht? Es ist begehrenswert, aber erreichbar — heute wie vor 50 Jahren. Bedingungslose Volksnähe ist Lee Iacocca und seinen Männern wichtig: So sieht damals wie heute ein Auto aus, das niemanden am Steuer lächerlich aussehen lässt. In den Sechzigern ist es Peggy Sue, die mit ihm shoppen fährt, Daddy, der mit ihm zur Arbeit gondelt, und der Highschool-Heizer, der beim Viertelmeilenrennen Bestzeiten jagt. Heute passt der Mustang sogar dem Unternehmensberater, der sonst nicht viel Gelegenheit hat, sich cool zu fühlen. "Das Beste, was seit dem 1932er V8 Model B Roadster aus Detroit gekommen ist", schreibt das US-Fachblatt "Car & Driver" damals. Ford gelingt das perfekte Auto für ein Jahrzehnt voller Umbrüche. Und für den Ponyhof der Oldtimer: Halbwegs alltagstauglich ist so ein Ur-Mustang noch immer.
Kommentar
Das ist er, der Mustang, den heute jeder gern hätte. Und das nicht ohne Grund: Die 289er-High-Performance-Version steht gut im Futter, nervt ihren Besitzer aber nicht mit ungebührlicher Härte oder technischen Zicken. Form und Fahrgefühl sind noch unverfälscht. Heute suchen Automarken nach dem automobilen Jungbrunnen — bei Ford hatten sie ihn vor 50 Jahren gefunden.
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