Irgendwie ist das Licht dunkler als sonst. Aussteigen, nachsehen – alles klar. Ein Scheinwerfer leuchtet nicht. Lampe kaputt. Also: neue kaufen. Aber welche Lampe ist die richtige, und wie viel muss man ausgeben? AUTO BILD hat gemeinsam mit TÜV Rheinland H4-Lampen getestet, zu Paarpreisen zwischen drei und knapp 40 Euro. Und genauso extrem wie die Preise unterscheidet sich auch die Qualität.

Test-Ergebnisse: Markenprodukte liefern das beste Licht

Auf jeden Fall liefern die teuren Lampen der Platzhirsche Osram und Philips – wieder einmal – das beste Licht. Nur: Lebensdauer-Rekorde erzielen diese nicht. Das ist wie überall: Höchste Leistung und maximale Haltbarkeit lassen sich nicht vereinen. Wer darauf Wert legt, verzichtet besser auf ein paar Meter Reichweite und nimmt eine der Longlife-Varianten. Osram gewährt auf die H4-Lampe Ultra Life nach Registrierung auf der Osram-Homepage sogar bis zu vier Jahre Garantie.
Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
Testsieger
Philips Vision +30%
18,32 EUR
sehr gut
2.
Philips Longlife Ecovision
16,60 EUR
sehr gut
2.
Philips X-Treme Vision +130%
34,00 EUR
sehr gut
2.
Philips White Vision
31,40 EUR
sehr gut
5.
Philips Visionplus +60%
21,40 EUR
sehr gut
6.
Osram Silverstar 2.0
22,40 EUR
sehr gut
7.
Narva H4 Standard
8,80 EUR
gut
8.
Philips Racing Vision +150%
38,90 EUR
gut
8.
Unitec H4
5,99 EUR
gut
10.
Osram Night Breaker Laser
28,10 EUR
gut
11.
Osram Classic
9,86 EUR
gut
11.
Osram Ultra Life
20,40 EUR
gut
13.
GE Megalight +130%
19,90 EUR
befriedigend
22 H4-Lampen getestet
Testsieger: Die Philips Vision +30% leuchtet hell, homogen und hat eine klare Hell-dunkel-Grenze.

Noch länger halten nur LED, doch deren Einsatz anstelle von Halogenlampen ist gemäß EU-Recht nicht zulässig. Aus gutem Grund, wie die illegale Tripcraft LED zeigt. Wer die einbaut, wird garantiert von der Polizei gestoppt. Denn die Dinger können nur Fernlicht und blenden deshalb. Außerdem sind sie viel länger als eine H4-Lampe, bei den meisten Scheinwerfern lässt sich der Deckel an der Rückseite nicht mehr montieren. Folge: Staub und Wasser gelangen ins Scheinwerfergehäuse. Aber auch der alte Geheimtipp, für helleres Licht eine 90/100-Watt-Lampe zu montieren, ist Quatsch, wie die Fansport beweist. Denn Licht kommt kaum heraus, nur Wärme. Noch gefährlicher in diesem Punkt ist die Beacon: Als ganz normale 55/60-Watt Lampe gekennzeichnet, zogen sie über 90 Watt und entwickelten eine Hitze, welche bei längerer Dauer den ganzen Scheinwerfer verschmurgelt hätte. Wie es dann mit der Haftung aussieht? Gute Frage. Häufig verschwinden Webshops, die solche Lampen verkaufen, schneller, als der Kunde "Reklamation" buchstabieren kann. Aber auch der Zubehörladen ist kein Garant für Qualität.

Finger weg von Billig-H4-Lampen

Viele Kunden verlangen billig, also bekommen sie billig. Beispiel: Beluxx. Im Lichtstrom noch vorn dabei, kommt davon auf der Straße nichts an. Weil die Glühwendel irgendwo im Nirgendwo sitzt. Deren Maße und Lage ist auf Zehntelmillimeter genau festgelegt, damit sie im Scheinwerfer exakt an der richtigen Stelle sitzt und dieser das Licht optimal auf die Straße bringt. Das schafft keine der No-Name-Lampen, entsprechend wenig Punkte erhalten sie im Fach "Geometrie". Hier liegt auch das Problem der A.T.U-Lampen: Die eine leuchtet ganz passabel, die andere unterirdisch. Im Mittelwert reicht es nur für ein "mangelhaft". Ursache ist die schlechte Fertigungsqualität, die keine engen Toleranzen einhält. Auffällig: Nur drei Produkte im Test schaffen legal eine Reichweite über 100 Meter. Das ist auch dem Test-Scheinwerfer zuzuschreiben, offenbar legt Jeep mehr Wert auf eine breite Ausleuchtung, geizt dafür mit Reichweite.

Die beste H4-Lampe im Test

Das beste Testergebnis erzielt die Philips Vision +30% mit der Testnote "sehr gut". Sie erzielt eine sehr gute Ausleuchtung und ein überzeugendes Lichtbild. Auch in Sachen Reichweite kann die Philips-Leuchte überzeugen. Einzig bei der Lebensdauer gibt es Kandidaten, die länger halten – allerdings auch auf Kosten der Helligkeit.
Philips Vision +30%
Vision +30%
Philips
Vision +30%

sehr gut

  • Leuchtet hell
  • Homogenes Licht
  • Klare Hell-dunkel-Grenze
  • Lebensdauer geringer als die Longlife Konkurrenz
Preis 18,32 €

So hat AUTO BILD getestet

Die Durchführung des Tests lag in den Händen der TÜV Rheinland Lichttechnik in Berlin unter Leitung von Dipl.-Ing. Fabian Stahl. Das Lichtlabor gehört zu den akkreditierten Prüfstellen u. a. des Kraftfahrt-Bundesamtes. Solche Labore übernehmen die Typprüfung von Scheinwerfern und Leuchtmitteln. Die getesteten Lampen stammen aus dem Autozubehör, Supermärkten und dem Internet, eingekauft haben wir jeweils ein Paar im Juni 2018 zum angegebenen Preis. Die Prüfungen erfolgten gemäß der ECERegel R37, wie sie auch für die Typprüfung von Glühlampen vorgesehen ist; die Spannung während der Tests betrug 13,2 Volt. Vor der Ermittlung der Lichtverteilung wurde jede Lampe in einem exakt definierten Zyklus aus Ein- und Ausschaltvorgängen über eine Stunde eingebrannt, damit die Glühwendel ihre endgültige Lage einnimmt. Anschließend folgten die eigentlichen lichttechnischen Untersuchungen in einem aktuellen H4-Scheinwerfer des neuen Jeep Wrangler. Wichtig: Die Ergebnisse sind daher nicht eins zu eins mit denen früherer Tests vergleichbar, die in anderen Scheinwerfern durchgeführt wurden. Denn Lampe und Scheinwerfer bilden eine Einheit.

H4-Lampe wechseln – das ist zu beachten

Scheinwerferlampen sind Hightech, verlangen bei der Herstellung extreme Präzision. Die aber nur wenige Werke zu liefern imstande sind. Asiatische Ramschbuden gehören eindeutig nicht in diese Liga. Allerdings nützt die perfekteste Lampe nichts, wenn beim Einbau Fehler gemacht werden. Die wichtigste Regel: Scheinwerferlampen immer paarweise wechseln. Die guten sind so sorgfältig gefertigt, dass sie auch in der Lebensdauer eng beieinander liegen. Geht die eine kaputt, folgt die andere oft wenig später. Ärgerlich, wenn dann zum Wechseln erneut das halbe Auto zerlegt werden muss. Übrigens, wer nicht zum Blender werden möchte, lässt nach einem Lampentausch die Scheinwerfereinstellung prüfen. Tipp für lange Fahrten: Ersatz ins Handschuhfach legen, so kann man im Pannenfall selber wechseln – bevor man nachts im Dunkeln steht.

So funktioniert die H4-Lampe

In Serie ging die H4-Lampe 1971 im Mercedes SL. Ihre  Besonderheit: Sie hat zwei Glühwendeln – eine für Abblendlicht, die andere für Fernlicht. Deshalb benötigt ihr Scheinwerfer nur einen Reflektor, das spart Kosten und macht die H4 auch heute noch für preiswerte Autos interessant. Natürlich kann es nicht schaden, etwas mehr Licht zur Verfügung zu haben. Viele Hersteller verkaufen Lampen mit Versprechen wie "plus 130 Prozent mehr Licht". Was davon zu halten ist? Gar nichts. Denn die Menge Licht, die eine Lampe aussenden darf, ist begrenzt. Bei der H4 sind es 1000 Lumen, mit einer Toleranz von 150 Lumen nach oben und unten. Markenlampen halten diese – meistens – ein, da ist also nicht viel Luft nach oben. Wohl aber in der Verteilung des Lichts. Da kann sich die Ausleuchtung mit einer geschickten Positionierung der Wendeln innerhalb der erlaubten Maße durchaus steigern, abzulesen am Wert für die Helligkeit. Bei diesem handelt es sich um die Summe der Beleuchtungsstärken verschiedener Messpunkte. Die tragen Namen wie 75R, was bedeutet, dass dieser Punkt 75 Meter vor dem Auto am rechten Straßenrand liegt – wichtig für die Führung des Auges. Gemessen wird in Candela (cd). Ein Candela entspricht der Helligkeit einer Kerze. 625 cd entsprechen einem Lux, ab dieser Helligkeit lässt sich Zeitung lesen. Weshalb dieser Wert auch die Reichweite markiert.

Fazit

Finger weg von No-Name-Lampen! Die bringen kein Licht, und im schlimmsten Fall verbrutzeln sie den Scheinwerfer. Sicheres Fahren beginnt bei 40 Punkten, dann stimmt die Qualität. Und nicht vergessen: unbedingt die Scheinwerfer einstellen!