Winterreifen-Test: 245/45 R 19
Hochstapler oder Gipfelstürmer?
Vom Premiumprodukt bis zum Schnäppchen werden Winterreifen für die obere Mittelklasse angeboten. AUTO BILD hat Pneus in der Dimension 245/45 R 19 getestet!
- Johann Gabriel-Jürgens
- Antonio Istvanic
- Martin Westerhoff
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Der Winter kommt und mit ihm die Frage: Wie gut sind meine Winterreifen noch? Googelt man die Dimension 245/45 R 19, die meist auf Fahrzeugen der oberen Mittelklasse wie BMW 5er, Volvo V90, Audi A6 oder Mercedes E-Klasse gefahren werden, ploppen dutzende Angebote auf. Neben bekannten Markenreifen tummeln sich auch zahlreiche mehr oder weniger vertrauenerweckende No-Names zu attraktiven Preisen.
Und weil 19-Zöller ohnehin ins Geld gehen, ist die Versuchung groß, beim Satz Reifen den Rotstift anzusetzen. Ob das klug ist, ist dem Gummi leider nicht auf den ersten Blick anzusehen. Deshalb hat AUTO BILD auch dieses Jahr wieder einen großen Winterreifen-Test gestartet und 50 Reifen getestet!
Der Continental WinterContact TS 870 P sichert sich mit der Gesamtnote 1,3 als einer von zwei Reifen den Testsieg und empfiehlt sich als herausragender Allrounder ohne echte Schwächen. Seine größte Stärke liegt auf nasser Fahrbahn: Kurze Bremswege (53,0 m), hervorragende Fahrdynamik und hohe Sicherheitsreserven bei Aquaplaning sorgen für Bestwerte. Auch auf Schnee überzeugt der Continental mit starker Traktion, sicherem Handling und ausgewogenen Fahreigenschaften. Auf trockener Fahrbahn erzielt er ebenfalls die Kapitelnote 1,3 und gehört mit dem besten Handlingwert im Feld zur Spitze. Im Kostenkapitel reicht es trotz des hohen Kaufpreises von 1000 Euro für eine gute 1,6, wobei die Laufleistung von 48.800 Kilometern und der Rollwiderstand von 8,20 kg/t etwas hinter den Besten zurückbleiben. Und das ist auch seine einzige Schwäche: das höchste Preis-Laufleistungs-Verhältnis im Test.
Der Michelin Pilot Alpin 5 teilt sich mit der Gesamtnote 1,3 den Testsieg und zeigt seine größten Stärken auf winterlicher Fahrbahn. Mit der Schnee-Kapitelnote 1,2 ist er einer der stärksten Reifen im gesamten Teilnehmerfeld: Besonders beim Handling, im Slalom und bei der Traktion gehört der Michelin zur absoluten Spitze. Auch auf nasser Fahrbahn überzeugt er mit guten Aquaplaning-Reserven und hoher Fahrsicherheit. Auf trockener Strecke kombiniert der Pilot Alpin 5 kurze Bremswege mit präzisem und stabilem Fahrverhalten. Im Kostenkapitel erzielt er die starke Note 1,2: Ausschlaggebend dafür sind vor allem die höchste kalkulierte Laufleistung im Test von 56.500 Kilometern sowie ein günstiger Verschleiß. Als Schwächen bleiben lediglich der mit 1030 Euro höchste Anschaffungspreis im Test sowie die Ergebnisse beim Kurven-Aquaplaning, wo einige Wettbewerber noch etwas besser abschneiden.
Nach dem Qualifying auf dem Contidrom in Wietze war für die 20 besten Kandidaten noch lange nicht Schluss: Auf dem weitläufigen Testgelände absolvierte AUTO BILD sämtliche Nässe- und Trockenprüfungen, darunter Bremsen, Handling, Kreisbahn sowie die anspruchsvollen Aquaplaning-Disziplinen.

Die Test-Disziplinen bei Schnee wurden im nordschwedischen Arvidsjaur durchgeführt.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Für den Winterteil des Tests reiste das Team ins schwedische Arvidsjaur, wo auf perfekt präparierten Schnee- und Eisstrecken Traktion, Bremsen, Slalom und Handling bewertet wurden. Als Testfahrzeuge dienten aktuelle BMW 5er, die mit hochpräziser Messtechnik ausgerüstet waren, um selbst kleinste Unterschiede zwischen den Reifen zuverlässig erfassen zu können.

Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Doch Fahrversuche allein entscheiden nicht über den Testsieg. Deshalb mussten die Finalisten auch ihre Wirtschaftlichkeit unter Beweis stellen. Für das Kostenkapitel wurde der Verschleiß unter kontrollierten Laborbedingungen auf einem Trommelprüfstand gemessen, um die zu erwartende Laufleistung möglichst exakt zu bestimmen. Zusätzlich floss der Rollwiderstand in die Bewertung ein.
Das Angebot von Reifen in der Dimension 245/45 R 19 ist groß und unübersichtlich. Damit Sie nicht im Nebel stochern müssen, haben wir den Markt sortiert. Um Durchblick zu bekommen, haben wir 50 verschiedene aktuelle Winterprofile beschafft und in die Brems-Qualifikation geschickt. Dort zählt zunächst allein die Summe aus Nass- und Schneebremsweg. Denn wenige Zentimeter können über "Glück gehabt" oder Unfall entscheiden. Wer Gipfelstürmer ist und wer nur Hochstapler, klärt sich vor allem in dieser wichtigen Vorentscheidung – nicht erst im anschließenden Haupttest. In den ziehen nur die besten 20 mit den kürzesten Summen ein.
Und wer hat es geschafft? Die Premiumfraktion stellen Bridgestone, Continental, Goodyear, Hankook, Michelin, Pirelli und Vredestein. Als echte Neuheit dieser Saison tritt der Hankook Winter i*cept evo 4 an, die vierte Generation des Modells. Kumho und Maxxis spielen in der gehobenen Mittelklasse. Dazu kommen viele Zweitmarken der Großen: Barum, Matador, Semperit und Viking gehören zu Continental, BF-Goodrich und Kleber zu Michelin, Firestone und Lassa zu Bridgestone, GT Radial zu Giti. Petlas und Giti selbst runden das Feld ab. Die übrigen Kandidaten sind bewährte Modelle oder Weiterentwicklungen, oft erkennbar an einem Plus im Namen.
Kurios wurde es ganz am unteren Ende des Klassements. Unter den absoluten Low-Performern der Qualifikation haben sich fünf vermeintlich unterschiedliche Fabrikate – Imperial, Minerva, Rotalla, Tracmax und Tristar – als Fünflinge erwiesen. Sie sahen nicht nur gleich aus, sondern kamen laut DOT-Nummer alle aus demselben Werk. Die DOT-Nummer ist der Herstellercode an der Seitenwand: Hinter den Buchstaben DOT steht eine Kennung für das Werk. Ist der Werkscode gleich, sagt das allein noch nicht viel. AUTO BILD hat daher die Shore-Härte der Gummimischungen gemessen. Ergebnis: alle gleich. Die unterschiedlichen Markennamen waren deutlich erkennbar per Wechselstempel auf die Seitenwand geprägt. Was der Hersteller damit bezwecken will, ist unklar. Käufer haben jedenfalls nichts davon: Wer einen der Fünflinge kauft, hat eine gleichermaßen schlechte Wahl getroffen.
Tests auf Schnee
Der Krisalp HP3 von der Michelin-Zweitmarke Kleber zeigt sich auf schneebedeckter Fahrbahn von seiner besten Seite – und schlägt über alle Disziplinen knapp den Pilot Alpin 5 der Premium-Mutter. Die Konzernschwester BF-Goodrich liegt mit ihr gleichauf, ebenso wie Vredestein.

Beim Schneehandling sind Kleber und Vredestein gleich schnell, beim Schneebremsen setzt das Profil von Vredestein neue Maßstäbe.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Mit Barum, Conti, Firestone, Goodyear, Hankook und Viking folgt ein Mix aus Premium- und Zweitmarken, die eine Kapitelnote von 1,5 oder besser erzielen. Noch erstaunlich gut schlägt sich der außer Wertung durchgeschleifte Billigreifen im Schnee.
Tests bei Nässe
In Summe meistert der Continental WinterContact TS 870 P das Nässekapitel am besten – ohne dabei in einer Einzeldisziplin besonders herauszustechen. Mit dem kürzesten Bremsweg und den schnellsten Runden auf dem bewässerten Handlingkurs ist auch der Pirelli bei Regen als erster Verfolger sehr souverän unterwegs.

Die größten Reserven gegen Längsaquaplaning bieten die Zweitmarken Kleber und Semperit.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Insgesamt gibt sich in diesem Kapitel keiner der Premiumhersteller eine Blöße – alle finden die goldene Mitte. Der außer Wertung gefahrene Billigreifen zeigt, dass nicht nur sein Bremsweg viel zu lang ist. Auf nassem Untergrund liegt er in allen Disziplinen gefährlich weit zurück.
Test auf trockener Fahrbahn
Während unser Testwagen mit dem vergleichsweise günstigen Kumho WinterCraft WP52+ am schnellsten zum Halten kommt, liegt beim Handling ein Spitzentrio aus Continental, Pirelli und Hankook eng beieinander. Das gesamte Trockenkapitel entscheidet Pirelli knapp für sich, setzt sich vor den notengleichen Profilen von Conti, Hankook und Michelin durch.

Wer gern sportlich unterwegs ist, wird bei Winterreifen Abstriche machen müssen. Conti und Pirelli sind beim Handling vorn.
Bild: AUTO BILD
Der mitgetestete Sommerreifen demonstriert klar: Ist der Winter vorbei, gilt es, rasch ein Sommer- oder Ganzjahresprofil zu montieren.
Die Kosten
Ein in der Anschaffung günstiger Reifensatz, wie etwa der Viking für durchschnittlich 620 Euro, ist nicht automatisch im Betrieb preiswert. In Relation zum Verschleiß gesetzt, fällt er deutlich ab. Hier glänzen Maxxis, GT Radial und Petlas.

Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Eine hohe Laufleistung, wie sie Michelin, Goodyear und Hankook mit mehr als 55.000 Kilometern erreichen, bedeutet über mehrere Reifensätze, dass sich Montage- und Entsorgungskosten sparen lassen – weshalb wir diesen Aspekt besonders hoch gewichten. Ein geringer Rollwiderstand hilft zudem dabei, den Energieverbrauch zu senken. So gewinnen in Summe aller Eigenschaften Goodyear und Hankook das Kapitel mit Notengleichstand.
Winterreifen 245/45 R19 im Vergleich
Info: Bei Notengleichheit in der Bestenliste sortieren wir nach unseren internen Testergebnissen, in denen wir auf drei Nachkommastellen genau rechnen.
Fazit zum AUTO BILD Winterreifen-Test 245/45 R 19
Das Reifenangebot mag zunächst unübersichtlich erscheinen, doch am Ende kristallisieren sich die üblichen Verdächtigen heraus: Continental und Michelin sichern sich mit gleicher Gesamtnote den Testsieg. Auch die Winterprofile von Hankook und Pirelli sind "vorbildlich".

20 Reifen blieben nach dem Volltest übrig und traten zum Volltest an: Nicht alle konnten uns überzeugen.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Wer Geld sparen möchte oder muss, hat unter den "gut" bewerteten Kandidaten wie etwa Kumho, Barum oder Kleber eine erfreuliche Auswahl. Alle Profile ab dem elften Platz haben in mindestens einer sicherheitsrelevanten Disziplin ein Manko.
Testsieger: Continental WinterContact TS 870 P
Testsieger: Michelin Pilot Alpin 5 102V
Um früh die Spreu vom Weizen zu trennen, müssen sich alle 50 Reifen einem Bremstest unterziehen. Dazu müssen sie einmal auf nasser Fahrbahn aus 80 km/h zum Stehen kommen und einmal auf Schnee aus 50 km/h. Die beiden Bremswerte werden anschließend addiert. Nur die 20 besten Bremser kommen danach in den Volltest. Wie die Ergebnisse aussahen, können Sie dieser Tabelle entnehmen:
Die besten Bremser im Qualifying
Reifen | Nassbremsweg (80-0 kmh in m) | Schneebremsweg (50-0 kmh in m) | Gesamt |
|---|---|---|---|
im Volltest | |||
Pirelli P Zero Winter 2 | 33 | 29,5 | 62,5 |
Continental WinterContact TS 870 P | 33,9 | 29,3 | 63,3 |
Michelin Pilot Alpin 5 | 35,9 | 29,1 | 65 |
Hankook Winter i*cept evo 4 | 36,3 | 29,2 | 65,5 |
Bridgestone Blizzak 6 | 37,4 | 29,4 | 66,7 |
Vredestein Wintrac Pro+ | 38 | 28,9 | 66,9 |
Barum Polaris 6 | 38 | 29,1 | 67,2 |
Kleber Krisalp HP3 | 38,3 | 29 | 67,2 |
Goodyear UlraGrip Performance 3 | 37,9 | 29,4 | 67,3 |
BF Goodrich G-Force Winter 2 | 38,3 | 29,1 | 67,4 |
Kumho WinterCraft WP52+ | 37,5 | 29,8 | 67,4 |
Viking WinTech NewGen | 38,3 | 29,2 | 67,5 |
Semperit Speed-Grip 5 | 38,3 | 29,3 | 67,6 |
GT Radial WinterPro 2 Sport | 39,2 | 29,6 | 68,7 |
Lassa Competus Winter 2+ | 38,9 | 30,1 | 68,9 |
Petlas Snowmaster 2 Sport | 39,4 | 29,8 | 69,2 |
Matador MP93 Nordicca | 40 | 29,5 | 69,5 |
Giti GitiWinter W2 | 39,7 | 29,9 | 69,6 |
Firestone Winterhawk 4 | 40,4 | 29,2 | 69,7 |
Maxxis Premitra Snow WP6 | 41 | 29,1 | 70,1 |
nicht im Volltest | |||
Linglong Sport Master Winter | 40,6 | 29,6 | 70,2 |
Landsail Winter Lander | 39,2 | 31,1 | 70,3 |
Wanli Winter-Max A1 SW211 | 40,8 | 29,5 | 70,3 |
Crosswind Grip Peak Winter | 40,5 | 29,9 | 70,4 |
Gripmax SureGrip Pro Winter | 40,8 | 29,8 | 70,6 |
Fulda Kristal Control HP2 | 41 | 29,8 | 70,8 |
Ceat WinterDrive Sport | 42,5 | 29,6 | 72 |
Falken Eurowinter HS02 PRO | 42,4 | 30 | 72,5 |
Superia Bluewin UHP 2 | 42,7 | 29,8 | 72,5 |
Nankang Winter Activa SV-3 | 42,6 | 30 | 72,6 |
Radar Dimax Winter | 43,1 | ||
Milever Winter Max-A1 MW255 | 43,5 | ||
Fortuna Gowin UHP 2 | 43,9 | ||
Marshal MW 51 | 44,1 | ||
Goodride ZuperSnow Z-507 | 44,6 | ||
Sunny Wintermax NW211 | 44,7 | ||
Davanti Wintoura + | 45,1 | ||
Westlake Z-507 | 45,1 | ||
nicht empfehlenswert | |||
Tourador Winter Pro TSU2 | 45,7 | ||
Star Performer Stratos UHP | 46 | ||
Starmaxx PolarMaxx Sport | 46,1 | ||
Tracmax Ice-Plus S210 | 46,7 | ||
Minerva Snowpower 2 S210 | 47,1 | ||
Leao Winter Defender UHP | 47,5 | ||
Tristar Snowpower 2 | 47,7 | ||
Imperial Snowdragon 3 | 47,9 | ||
Rotalla Ice-Plus S210 | 47,9 | ||
Windforce Snowblazer UHP | 49,3 | ||
Royal Black Royal Winter UHP | 49,7 | ||
Triangle Snowlink PL02 | 50,6 |
Hinweis
Dieser Test wurde unterstützt von Bridgestone, Continental, Giti, GT Radial, Hankook, Lassa und Linglong. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie hier.
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