Deutsche Einheit und Mauerfall: Diese DDR-Autos sind heute Kult
Wartburg, Trabant und Barkas – diese Autos machten die DDR mobil
Das sind die Autos der DDR
Am 9. November feiern wir den Tag des Mauerfalls. Grund genug, einen Blick auf das automobile Erbe der DDR zu werfen: Trabant, Wartburg und andere Ost-Autos machten die DDR mobil, sie sind heute Kult. Das ist die vielfältige Autowelt Ostdeutschlands!
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Inhaltsverzeichnis
Gerne denken wir zurück an die automobile Vielfalt aus der Zeit des geteilten Deutschlands. Ob deutsche Autos der 80er oder die Autos im Osten: Mit der Zeit hat sich der Blick verklärt. Und in kleinen Schritten steigt die Zahl der in Deutschland zugelassenen Trabants und Wartburgs in den letzten Jahren an!
Lange wurde der Wert der DDR-Autos verkannt: Einerseits wurden in der DDR bis in die späten Achtziger frühe Techniken des 50er-Jahre-Motorenbaus wie der Zweitakter weiter verbaut. Zudem wurden gleich in der Nachwendezeit die überkommenen Autos aus Ostproduktion als automobiles Symbol der Diktatur verschrottet. Da schielte man in den fünf Bundesländern im Osten eher nach jedem noch so schlecht erhaltenen Westwagen, anstatt die eigenen Autos aufzubewahren. Der Blick zurück macht klar: Die DDR bot eine bunte und reiche Vielfalt an Autos!
Auferstehen des DDR-Auto-Kults
Aus eigener Herstellung stammten Sachsenring Trabant und Wartburg aus der ehemaligen EMW-Fabrik in Eisenach. Die robusten Zweitakter aus DDR-Tagen sind heute noch vielen ein Begriff, und mittlerweile dreht man sich nach ihnen um. Schon immer stark in der DDR vertreten, haben von allen Ost-Oldies am meisten die Trabis überlebt. Der Trabi-Tiefpunkt war 2014 erreicht, als nur noch 32.311 Pappen hierzulande angemeldet waren.
Seitdem ist die Zahl stetig gewachsen, man erinnert sich des automobilen Kulturguts, richtet ihn her. Nicht wenige haben den Westen erobert. Nach neuesten Zahlen sind wieder rund 41.500 Trabis in Deutschland (Stichtag 1. Januar 2025) zugelassen, geführt als Sachsenring Trabant. Dazu kommen gut 9100 Wartburg, in der Statistik wird der Hersteller Automobilwerke Eisenach (AWE) genannt. Tendenz? Steigend.
Die Menschen in Ost- und Westdeutschland einte seit den 50er-Jahren das Bedürfnis, ein eigenes Auto zu besitzen und zu fahren. Während die Massenmobilität im Westen um sich griff, blieb der Autobesitz in der DDR immer eine knifflige Sache. Der Besitz des eigenen Autos setzte extrem lange Geduld, große Sparsamkeit, den Zugang zu Westdevisen oder gute Beziehungen voraus. Oder eine Mischung aus allen vier Faktoren. Die einfachen Fahrbedürfnisse erfüllte der Trabant. Er bot knappem Platz für vier und einen Zweizylinder-Zweitakter mit meist 23 bis 26 PS.

Der Trabant in letzter Ausbaustufe als Kombi mit 1,1-Liter-Motor aus dem VW Polo.
Bild: Roman Raetzke
Gemessen daran war gehobenes Fahren möglich im Wartburg, mit ausreichend Platz und 37 bis 50 PS aus einem Dreizylinder-Zweitakter. Auch dieses Auto war schwer zu bekommen, von den 32.000 pro Jahr produzierten gingen viele in den Export. Ärzte und Ingenieure fuhren Wartburg in der DDR, auch die Polizei. Der Wartburg war eines der wenigen Statussymbole der DDR, immerhin 1,2 Millionen wurden produziert, vom Trabant waren es fast drei Millionen Stück. Die geringe Zahl der aktuell überlebenden Fahrzeuge spricht Bände.
Zu geringe Eigenproduktion
In ihrer gesamten Zeit konnte die DDR nie den Markt decken. Wegen der langen Wartezeit – sie lag zwischen zwölf und 17 Jahren – entwickelte sich ein für den Staat schwer zu kontrollierender Schwarzmarkt, mit der Besonderheit, dass gebrauchte, weil sofort verfügbare Autos teurer waren als neue.
Aber auf teils verschlungenen Umwegen fanden eine Vielzahl von Ostautos wie auch Pkw aus westlicher Produktion ihren Weg auf die Straßen der DDR. Die Lizenzversion des Renault 12, gebaut von Dacia in Rumänien. Die Lizenzversion des Fiat 124 kam als Lada 2101 in die DDR, später der Nachfolger Lada Nova. Wer Westkontakte hatte, konnte sich ein Auto schenken lassen oder gar für Westdevisen importieren.
Dann waren auch Citroën GSA, Mazda 323 oder gar Volvo 244 in Reichweite. Aber immer griff der gierige Staat zu, Westautos waren übermäßig teuer in der DDR. Zum Ende der DDR waren in den 14 Bezirken gerade mal 3,9 Millionen Pkw angemeldet. Interessant ist auch der Systemvergleich auf Autos, die zeitgleich in der DDR unterwegs waren wie Wartburg und Golf 1.

Bild: Sascha (Alexander Vasiliev)
Die Massenmobilität der DDR ist ohne den Trabi nicht zu denken. 1957 kam das erste Modell P50 mit Zweizylinder-Zweitakter heraus. Mit der Zwei-Tür-Minilimousine P 601 kam 1964 das meistgebaute Auto der DDR auf die Straßen, war auch als Kombi praktisch wie erfolgreich. Der Trabant bedeutete für viele in der DDR in einer drangsalierten Gesellschaft ein bisschen individuelle Freiheit, das Auto wurde gar als Symbol des Widerstands gegen die DDR interpretiert. In den Wendejahren ging es dem Trabi wie dem Wartburg: Mit 1,1-Liter-Polo-Motor sollte er auf West gedreht nochmals groß rauskommen. Das misslang. Nach dem 9. November 1989 warf man ihn zigtausendfach weg. Aus heutiger Sicht bedauerlich.
Mitte der 50er-Jahre ermöglichte der Wartburg 311 den DDR-Bürgern das Fahren in der automobilen Mittelklasse. Mit vier Türen und einem Dreizylinder-Zweitakter brachten die Automobilwerke Eisenach die formschöne Limousine heraus, die auch als Kombi (312) und Cabrio (313) erhältlich war. Gegenüber dem Trabi fuhr der Wartburg in einer anderen Klasse – allein schon seine Länge von 4,30 Metern machten ihn zu einem ausgewachsenen Auto.

In der DDR war der Wartburg 353 beliebt, aber schwer zu bekommen und weit teurer als der Trabi.
Bild: Harald Almonat
Die Bezeichnung 312 trug zwei Jahre lang ein Übergangsmodell. Das wurde 1966 vom neu konstruierten Wartburg 353 abgelöst, der, halbwegs modern, in seiner Grundform bis zum Ende der DDR gebaut wurde – also fast 22 Jahre lang unverändert! Besonders attraktiv war die Kombiversion Wartburg Tourist. Der Versuch der West-Ost-Synthese, der Wartburg 1.3 mit VW-Motor, blieb ein Misserfolg – zur Wendezeit wollte niemand mehr ein Ost-Auto. Heute fährt der Wartburg im kollektiven Bewusstsein weiter, das Kraftfahrzeug-Bundesamt weist noch 8985 zugelassene Eisenacher Autos aus.
Jeder Autofan kennt Trabant und Wartburg, aber nur im Osten sind die großen anderen Marken der DDR ein Begriff. Barkas? IFA? Robur? Für viele im alten Westen sozialisierte Menschen sind das unbekannte Marken. Dabei umfasste die Autowelt der DDR viele Facetten und Produkte: In den 50er-Jahren wurden in der DDR sogar dicke BMW- und EMW-Schlitten gebaut, IFA F8 und F9, der Trabant-Vorläufer AWZ P70 und der wunderschöne Wartburg 311.

Luxuslimousine aus DDR-Produktion: der Sachsenring P 240, gebaut zwischen 1956 und 1959.
Bild: Christian Bittmann
Auch seidenweich säuselnde Sechszylinder hatte die DDR zu bieten. Bevor die ersten Trabis 1957 aus den ehemaligen Horch-Werken in Zwickau rollten, entstand dort eine moderne Repräsentationslimousine, die sich hinter zeitgenössischen Mercedes oder BMW nicht zu verstecken brauchte: der Sachsenring P 240.
Luxuswagen passten nicht zum Sozialismus – außer für die SED-Führung
Der 80 PS starke P 240 war technisch und optisch auf der Höhe der Zeit. Doch Luxuswagen waren in der DDR nicht gewollt. Die knappen Ressourcen sollten für den Bau von volksnäheren Vehikeln genutzt werden.
Zudem brachten die Sowjets selbst Limousinen für den gehobenen Geschmack in die DDR: GAZ M 21 und der Nachfolger GAZ M 24, beide bekannt als Wolga. Zu den Privilegierten, die einen Wolga fahren durften, zählte neben der Polit-Elite die Volkspolizei. Doch auch für Otto-Normal-DDR-Bürger gab es eine Chance, in einem Wolga mitzufahren – im Taxi.
Nur: Warum regte sich damals niemand über die gelebte Ungleichheit im angeblichen Arbeiter- und Bauernstaat auf? Die Parteibonzen fuhren im Citroën CX oder im SED-Volvo 264 durch die Gegend.

Mit Wartburg-Motor, aber mit hinreißenden Formen war der Melkus RS 1000 das wohl schönste Auto der DDR.
Bild: Christian Bittmann
In der unmittelbaren Nachwendezeit wurden Ost-Autos als technisch überholte Erinnerungen an unfreie Zeiten diskreditiert, verramscht, verschrottet. So ging es Trabi wie Wartburg. Doch mittlerweile gelten sie als anerkannte Klassiker mit oft positiver Preisprognose, denn sie sind robust, leicht zu reparieren – und nicht zuletzt verbinden viele Menschen schöne Erinnerungen mit ihnen. Trabant, Wartburg und Barkas genießen Kultstatus – einige Modelle sind sogar richtig teuer geworden, etwa das Wartburg 311 Coupé.

Seit 2010 ist die Zahl der in Deutschland zugelassenen Trabant deutlich gewachsen, zum 1. Januar 2025 lag ihre Zahl bei 41.500 Autos.
Bild: ADAC/kba
Wer in den Wendejahren im Osten lebte oder kurz danach die Grenze passierte, hat sicher immer noch den Geruch nach verbranntem Zweitaktgemisch in der Nase. So kann es einem gelegentlich auch heute ergehen, insbesondere, wenn der Einheitstag 3. Oktober oder der Termin des Mauerfalls am 9. November herannaht.
Kommentar
Sind die Autos der DDR Kult? Ein eindeutiges Ja – auch in den Augen eines Wessis. Denn alle Ost-Autos haben eine faszinierende technische Geschichte, zudem sind Trabi und Wartburg als wartungsfreundliche Oldies bekannt. Die Ersatzteillage ist günstig, Verschleißteile werden nachgefertigt. Als Oldie-Liebhaber kann man sich kaum mehr wünschen. Und auch bei uns um die Ecke im Westen Hamburgs steht ein Trabi, der mir immer ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.
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