645 Ci Cabrio, XK8 Cabrio, SL 500

BMW 645 Ci Cabrio, Jaguar XK8 Cabrio, Mercedes-Benz SL 500 BMW 645 Ci Cabrio, Jaguar XK8 Cabrio, Mercedes-Benz SL 500

645 Ci Cabrio, XK8 Cabrio, SL 500

— 09.09.2004

Von großen und von kleinen Träumen

Kleine Jungs wünschen sich Bobbycars, große Jungs wollen Achtzylinder-Cabrios. Hier die Präsente von BMW, Jaguar und Mercedes-Benz.

Nichts wirkt aufgesetzt und angepappt

Für Vincent ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Der Knirps mit den goldenen Locken fährt jetzt einen gelben Mercedes-Benz. Im Moment zwar noch als Rutscher-Auto, aber Fabrikat und Farbe standen fest – etwas anderes durfte es gar nicht sein. Und der Patenonkel hat's spendiert.

Ganz so leicht erfüllen sich unsere Auto-Träume leider nicht mehr. Bei Stückpreisen ab 80.000 Euro erübrigen sich flehentliche Bitten an Eltern oder die übrige Verwandtschaft: Die hätten so etwas selber gern. Aber bitte, träumen werden wir noch dürfen, oder? Vom Jaguar XK8 Cabrio zum Beispiel. Bei dessen endlos langer Motorhaube und dem feinen Schwung am Heck liegt man bestimmt nicht falsch, wenn man an den legendären E-Type denkt.

Die Freude an der schönen Form verfliegt allerdings im Cockpit. Hier ist es eng wie im U-Boot, die Aussicht ähnlich. Größere Leute müssen sich zusammenkauern, den Kopf seitlich unters Dach klemmen. Keine schöne Lage übrigens. Dafür haben die Engländer wie stets Holz und Leder in Meisterschaft verbaut – anders als bei vielen neueren Autos wirkt hier eben nichts aufgesetzt und angepappt, sondern einfach dazugehörig.

XK8 kann sein Alter nicht verheimlichen

Der XK wird seit 1996 gebaut, und dieses antike Alter kann er im Vergleich mit den viel jüngeren Deutschen nicht verheimlichen. Die Karosserie quittiert Bodenwellen mit heftigem Zittern und verwindet sich auf schlechtem Geläuf viel kräftiger als BMW und vor allem Mercedes-Benz. Mit der teigigen Lenkung läßt sich die Richtung nur ungefähr vorgeben, die poltrige Federung geht ausgesprochen harsch zu Werke – und das paßt nun wirklich nicht zum Charakter eines Jaguar.

Besser stehen dem XK der kräftige V8 und die sanfte Sechsgangautomatik. Der 4,2-Liter mit 298 PS hat die würdevollen Manieren eines englischen Landlords, läuft dezent und flüsterleise. Doch keine falschen Vorstellungen, der XK8 ist damit bei Bedarf schneller unterwegs, als man denkt.

Die Fahrleistungen sind jedenfalls kaum schlechter als bei den beiden Deutschen. Kurz vor seiner Ablösung ist der Jag damit das geblieben, was er immer war: ein bildschönes Auto mit ein paar Marotten für Liebhaber mit Stil. Und Geld.

SL bekommt beste Wertung beim Komfort

Während man beim XK8 noch von Hand eine Persenning über das Verdeck zurren darf, bleibt der Fahrer des SL von solchen Zumutungen verschont: Der Mercedes-Benz stammt aus einem anderen Jahrhundert. Sein immer noch und immer wieder geniales Metall-Klappdach faltet und klappt sich in 17 Sekunden elegant und leise zusammen.

Anders als Jaguar und BMW – die im Fond jeweils noch zwei Sitzgelegenheiten anbieten – ist der Mercedes-Benz SL konsequent nur für zwei Leute ausgelegt. Hier stimmt die Sitzposition, auch mit offenem Verdeck fühlt man sich geborgen. Die vielfach verstellbaren Sitze sind die bequemsten dieses Vergleichs, Instrumente und Armaturen wirken manchmal etwas verspielt – man spürt förmlich, daß die Designer hier mit Freude bei der Arbeit waren.

Spaß macht uns dann vor allem der V8 mit 306 PS. Der Fünfliter schöpft seine Kraft aus dem Hubraum, ein schönes Erlebnis ist besonders der Antritt aus niedrigen Drehzahlen. Er klingt härter und metallischer als der V8 im BMW, wirkt deshalb vierschrötiger und brutaler. Zum Gesamtkunstwerk trägt wesentlich noch die perfekte Siebengang-Automatik bei: Die reagiert gleichzeitig wach, sanft und entschlossen – dafür gibt es die Höchstnote. Im Vergleich die beste Wertung bekommt der Mercedes-Benz auch für seinen Fahrkomfort. Souverän schluckt die Federung alles, was unsere schlaglochübersäten Straßen derzeit so zu bieten haben, ohne Pilot und Co auch nur ansatzweise zu belästigen.

Prächtiger BMW-V8 dreht wie entfesselt

Der BMW geht nicht so rücksichtsvoll zur Sache. Seine Federung spricht trocken und steifbeinig an, meldet dem Fahrer regelmäßig den Straßenzustand. Die Kehrseite: Anders als der ausgeruhte und im direkten Vergleich manchmal fast etwas schläfrig wirkende Mercedes-Benz liegt der 645 Ci angespannter auf der Straße, hellwach, agiler. Die Lenkung reagiert präziser und gefühlvoller, insgesamt fährt der BMW leichtfüßiger und spielerischer als der SL.

Und das trotz seines höheren Gewichts und seiner Größe. Er ist immerhin knapp 30 Zentimeter länger und drei breiter als der SL und zieht daraus einen erheblichen Platzvorteil. Vorn geht es deutlich luftiger zu als bei den beiden anderen, und dazu gibt es ja noch den Fond. Dort ist bestimmt kein Platz für Patenonkel- und tante. Aber auf jeden Fall für Gretha und Yolanda, die beiden Lieblings-Freundinnen von Vincent.

Der Knirps steht ja noch auf Mercedes-Benz, den prächtigen BMW-V8 sollte er sich (später) jedoch nicht entgehen lassen: Diesem 333-PS-Aggregat kann hier keiner der anderen V8 das Wasser reichen. Der bärenstarke 4,4-Liter dreht wie entfesselt, läuft geschmeidiger als der Fünfliter im SL, grummelt dabei in typischem V8-Baß.

Kosten und Ausstattungen

Mit Automatik startet das BMW 645 Ci Cabrio bei 82.000 Euro, das Jaguar XK8 Cabrio liegt mit 81.080 Euro noch mal knapp darunter. Abgehoben an der Spitze thront der Mercedes-Benz SL 500 mit 98.948 Euro – 16.948 Euro mehr als beim BMW. Dafür gibt es das Metallverdeck, die Active Body Control und die Siebengangautomatik. Aber trotzdem, das ist eine Dimension, die sogar in dieser Klasse eine Rolle spielt. Ach, wie gut hat es da unser Klein Vincent mit seinen Träumen ...

Technische Daten und Testwerte

Mercedes-Benz und BMW haben erstklassige Bremsen, halten mit kalten Bremsen schon bei etwa 36 Metern. Da fallen die guten 37,5 Meter des Jaguar schon fast auf.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke Wenn wir schon träumen dürfen ..., dann ist der BMW die erste Wahl. Daß er größer ist, spielt dabei nicht die entscheidende Rolle. Sondern daß er das bessere Cabrio-Feeling bietet; das Erlebnis ist hier unmittelbarer, aufregender. Kombiniert mit spektakulärem Design, dem prächtigen V8 und dem zackigen Fahrwerk, ergibt das unseren Traum-Cabrio.

Der Mercedes-Benz ist dabei zweifellos der bessere Allrounder: Ausgewogen, komfortabel, funktionell und gediegen bis ins letzte Detail. Den im Vergleich zum BMW etwas grobschlächtigeren Motor gleicht er mit einer perfekten Automatik wieder aus. Den Jaguar legen wir stilbewußten Individualisten ans Herz – lange gibt es ihn nicht mehr. Und dann wünschen wir ihm ein langes Leben auf schattigen Alleen oder geteerten Schloßauffahrten. Keiner macht dort eine bessere Figur.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für BMW 645 Ci Cabrio, Mercedes-Benz SL 500 und Jaguar XK8 Cabrio. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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