Acht Asiaten im Check

Gebrauchtwagen-Check Hyundai Lantra (1991–2000) Gebrauchtwagen-Check Hyundai Lantra (1991–2000)

Acht Asiaten im Check

— 21.04.2006

Kommt da noch Freude auf?

Die ersten Koreaner landeten vor 15 Jahren in Deutschland. Gebraucht sind sie heute zu Discountpreisen zu haben. Aus gutem Grund?

Kinderkrankheiten der Koreaner

Waren wir vielleicht ein wenig zu hochmütig? 1991 stand mit Hyundai die erste koreanische Automarke auf der IAA in Frankfurt. Und damit vor der Tür des deutschen Automarkts. Manch einer hat sie belächelt, über das schon bei der Premiere angewelkt wirkende Design gegrinst. Auch als Kia zwei Jahre später den Sephia vorstellte, hatten die Koreaner kaum mehr als Exotenstatus. Daran änderte auch Newcomer Daewoo, der uns 1995 den längst ad acta gelegten Opel Kadett neu als Nexia unterjubeln wollte, kaum etwas.

Heute sind wir um einiges schlauer. Ohne Wenn und Aber: Die Korea-Offensive hat funktioniert. Die günstigen Preise, kombiniert mit Komplettausstattung, haben in den meisten Fällen zum Verkaufserfolg geführt. Nicht zu vergessen die Dreijahres-Garantie, die zusätzliches Vertrauen schaffte.

Käufer des ersten Hyundai Lantra machten von diesem Garantie-Versprechen rege Gebrauch. Der Koreaner war für den asiatischen und US-Markt ausgelegt, nicht aber für deutsche Autobahnen. Folge: Motorplatzer, mindestens aber durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen. Doch Hyundai zeigte sich lernfähig und verstärkte Ende 1993 Ölpumpe und Zahnriemen, änderte den Kühlwasserthermostaten.

Enorm teure Ersatzteile

Was Kia nicht hinderte, den Sephia zur gleichen Zeit ähnlich unfertig zu uns zu schicken. Mit vergleichbarem Schadenbild und noch weicherem Fahrwerk. Der AUTO BILD-Tester fühlte sich an die alte Citroën-Ente erinnert, als er im Sephia um die Kurven segelte. Da hatte Hyundai den Lantra schon gestrafft, die Spurweite um 16 Millimeter verbreitert und die Stoßdämpfer verstärkt.

Immerhin: Daewoos Nexia lag von Anfang an gut auf der Straße. Wie sein Ahne, der Kadett E. Aber Theater mit Motor, Zylinderkopfdichtung und Zahnriemen blieben seinen Fahrern auch nicht erspart wie zuvor den Kadett-Käufern. Außerdem rostet der Korea-Opel fast noch schneller als sein korrosionsfreudiges deutsches Original. Was für ein rasches Verschwinden des Nexia aus dem Straßenbild gesorgt hat. Auch spätere Neuerscheinungen von Daewoo wie der Matiz haben einen Hang zum Gammeln. Wir sind gespannt, wie sich das unter dem Namen Chevrolet fortsetzen wird.

Doch auch Hyundai und Kia erreichen noch nicht japanischen Qualitäts-Standard. Die aktuellen Modelle von Accent und Elantra fallen mit ihrer Mängelhäufigkeit beim TÜV auf und bleiben laut ADAC auch überdurchschnittlich oft liegen. Für den Kia Carnival mußte die Straßenwacht pro 1000 Fahrzeuge 84mal anrücken also für rund jedes zwölfte Exemplar. Wobei Schäden teuer werden, wenn die Garantie abgelaufen ist. Zumal es für die Koreaner kaum Ersatzteile im freien Handel gibt. Auch gebrauchte Teile sind sehr selten zu finden. Folge: Schon kleine Schäden können den Zeitwert eines alten Koreaners erreichen oder gar übertreffen.

Historie, Schwächen, Kosten



Modellgeschichte des Hyundai Lantra (Typ J-1): 9/91 Modelleinführung der viertürigen Stufenhecklimousine mit 1,5-l-Motor (86 PS) und 1,6-Liter (114 PS) 9/93 Facelift, Fahrwerk umfassend verbessert, langlebigerer Auspuff, Einführung 1,6-Liter mit Vierstufen-Automatik (106 PS) und 1.8 GT 16V (126 PS) 10/94 Fahrerairbag serienmäßig 9/95 Modellwechsel auf den Typ J-2, Doppelairbag Serie 1/96 Einführung Lantra Combi 8/00 Einstellung des Lantra, Einführung des Elantra

Schwachstellen des Hyundai Lantra (Typ J-1): Die Bremsanlage wird sehr häufig beanstandet, die Mängelquote liegt um das Dreifache über dem Durchschnittswert. Häufig auch Korrosion an den Bremsleitungen. Das Fahrwerk fällt beim TÜV mit erheblichen Mängeln auf, betroffen sind die Traggelenke der Vorder- und die Buchsen der Hinterachse. Die Korrosion tritt leicht überdurchschnittlich auf, obwohl die Karosserie bis zur Fensterlinie verzinkt ist. Betroffen sind oft auch die Aufhängungsträger. Die Motoren sind grundsätzlich robust, aber oft Opfer eines gerissenen Zahnriemens. Die Verarbeitung hielt damals noch nicht mit den Japanern mit, Schäden an Sitzen, Komfortelektrik und Zündschloß sind fast die Regel.

Reparaturkosten: Preise für Originalersatzteile inklusive Lohn und Mehrwertsteuer beim Hyundai-Vertragspartner am Beispiel Lantra 1.6i GLS, 84 kW/114 PS, Baujahr 1994. Gemischte Gefühle am Teile-Tresen: Günstigen Belägen stehen teure Scheiben gegenüber. Kostspieliger Anlasser.

Fazit und Modellempfehlung



Fazit von Henrik Dieckmann, AUTO BILD-Autor und Kfz-Mechaniker: Respekt! Hyundais Debüt-Generation hält auch nach 15 Jahren noch durch. Trotz leicht überdurchschnittlichen Rostbefalls, meist an den Aggregateträgern und Bremsleitungen. Und trotzdem kann der Kauf eines alten Lantra im wirtschaftlichen Desaster enden, denn schon ein paar Defekte können den Marktwert des Fahrzeugs übersteigen. Vom häufigen und teuer zu beseitigenden Ölverlust ganz zu schweigen. Das Problem: Gebrauchtteile und Nachfertigungen sind kaum zu bekommen, meist muß ein teures Originalersatzteil her.

Modellempfehlung: Hyundai Lantra 1.6i GLS (84 kW/114 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 242 Euro im Jahr/Euro 1 Testverbrauch: 10,0 Liter. Werksangabe: 9,3 Liter (Normal) Versicherung: Vollkasko (13/500 Euro SB): 531 Euro. Teilkasko (15/150 Euro SB): 109 Euro. Haftpflicht (19): 938 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Hamburg, 100 Prozent) Inspektion: 15.000 Kilometer. Kosten: etwa 200 bis 350 Euro Wertverlust: Beim J-1 zustandsabhängig, beim Nachfolger J-2 noch zwischen 200 und 400 Euro jährlich (Händlerverkaufspreis).

Autor: Hendrik Dieckmann

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