Mehr zur Aktion "Handy weg! Dein Leben zählt"

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Handy weg - Dein Leben zählt! Handy weg - Dein Leben zählt! Handy weg - Dein Leben zählt!

Aktion von DEKRA und AUTO BILD

— 14.09.2017

"Handy weg! Dein Leben zählt"

In einer gemeinsamen Aktion weisen DEKRA und AUTO BILD auf die Gefahren der Handynutzung hinterm Steuer hin: "Handy weg! Dein Leben zählt" Das sind die Gründe.

Auf der L412 zwischen Immensen und Burgdorf war alles zu Ende. Das Telefonat, die Autofahrt, ein Menschenleben. "Ich habe gesehen, wie der Wagen in meine Spur gedriftet ist, habe gebremst, es hat gescheppert, dann war es kurz dunkel. Scheibe kaputt, Navi hing raus, das Cockpit stand hoch." Phillip Schulze beschreibt, was er in der Sekunde sah, die sein Leben auf den Kopf gestellt hat. Bis heute erinnert sich der 26-Jährige an jeden Moment des Unfalls am 16. August 2010. Er bekommt mit, wie sein Vater neben ihm nach Luft ringt, es sind die letzten Atemzüge von Peter Schulze, 49. Der Elektriker stirbt neben seinem Sohn im Wrack. Die damalige Freundin des Sohns wird schwer verletzt.

Ablenkung Schuld an jedem zehnten tödlichen Unfall

Mit der Aktion "Handy weg! Dein Leben zählt" gehen DEKRA und AUTO BILD gegen die Smartphone-Nutzung am Steuer vor.

Patrick T., der Unfallgegner, hat bis zum Zusammenstoß telefoniert. Mit seiner Verlobten und jetzigen Frau. Die erinnert sich sieben Jahre später: "Das Gespräch riss plötzlich ab, danach war nur noch die Mailbox zu erreichen." Laut Studien ist Ablenkung, etwa durch Mobiltelefone, schuld an jedem zehnten tödlichen Unfall. Mehr als Alkohol! DEKRA-Vorstand Clemens Klinke: "Leider machen sich zu viele Autofahrer immer noch nicht klar, wie gefährlich es ist, wenn sie während der Fahrt am Steuer ihr Smartphone nutzen." Viele unterschätzen, welches Leid so ein kurzes Telefonat, eine WhatsApp anrichten können.
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Handynutzung am Steuer erschreckend normal

Phillip (26) und Vera Schulze (54) mit einem Foto des verstorbenen Vaters und Ehemanns Peter.

Helfer klopfen an die Scheibe. Phillip sieht, wie sein Vater aus dem Wagen gezogen wird, wie erst andere Autofahrer, dann Polizei und Feuerwehr versuchen, ihn auf dem Asphalt zurück ins Leben zu holen. Sie schaffen es nicht. Phillip bekommt alles mit, schreit: "Ich habe Papa getötet." Ein Feuerwehrmann sitzt jetzt auf dem Beifahrersitz, versucht, ihn zu beruhigen. Er heißt Florian, ausgerechnet. Ein Rettungshubschrauber landet, die Feuerwehr zieht Phillip und seine Freundin aus dem Skoda, der 19-Jährige kommt mit Knochenbrüchen und -absplitterungen sowie einem Bauchtrauma ins Krankenhaus, wird neun Stunden operiert. Eigentlich wollten die Schulzes um diese Zeit längst im Heide Park sein, Achterbahn fahren, das Leben genießen. Nun schreit das Leben sie an, laut, ungerecht, gnadenlos. Laut DEKRA-Umfrage nutzen 55 Prozent aller Handybesitzer ihr Telefon zumindest hin und wieder am Steuer. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 85 Prozent.

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20 Verkehrsverstöße in dreieinhalb Stunden

Blick von der Brücke: In Dortmund dokumentieren drei Polizisten mit Fernglas und Kamera Handyverstöße.

Ist sie wirklich so schlimm, die Handyseuche? AUTO BILD begleitet in Hannover eine Polizeikontrolle. An einer Ampel postieren sich drei Zivilbeamte, ahnden in dreieinhalb Stunden 20 Verstöße. Verboten ist jede Telefonbenutzung, sobald der Motor an ist. Also navigieren, chatten, WhatsApp, Mails checken, SMS schreiben, das Handy auf lautlos stellen und so weiter. Alles! Die an diesem Nachmittag Ertappten reden sich zum Teil raus – wie Außendienstler Sammy A. "Ich habe nicht telefoniert, wollte nur in einer Kundenliste was nachsehen." Jan P. sagt: "Doof gelaufen, ich habe nur schnell mal draufgeguckt." Ein anderer gibt an, seine Freisprecheinrichtung sei kaputt gewesen. Einige der Hannoveraner Handysünder werden 60 Euro Bußgeld und einen Punkt nicht akzeptieren, vor Gericht ziehen, klagen.
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Juristische Spitzfindigkeiten vor Gericht

Erschreckend alltäglich: Es wird während er Fahrt gechattet, es werden Mails gecheckt oder sogar gefilmt.

Und haben oft gute Karten. Geht es um Lenkrad-Telefonate, baden sich Juristen in Spitzfindigkeiten. Das Oberlandesgericht Stuttgart etwa erlaubt, dass ein Handy beim Sprechen in der Hand gehalten werden darf, sofern die Freisprecheinrichtung eingeschaltet ist (Az. 4 Ss 212/16). In anderen Fällen schlagen Mobiltelefonierer aus unscharfen Überwachungsbildern der Polizei Kapital. Vor dem Kadi wird dann ein Smartphone kurzerhand zur elektrischen Zigarette erklärt. Andere kommen mit der Behauptung durch, sie hätten ihr Telefon gar nicht benutzt, sondern nur woanders hingelegt. Oder sie sagen, der Motor war gerade aus – wegen der Start-Stopp-Automatik. Vielleicht schafft man es auch, dass der Richter das Bußgeld auf 59 Euro senkt. Bei weniger als 60 Euro gibt es nämlich keinen Punkt.

Handy-Paragraf der StVO soll verschärft werden

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat angekündigt, den Handy-Paragrafen (§ 23 Absatz 1a StVO) zu verschärfen, will einen Monat Fahrverbot und 100 Euro Bußgeld. Sanktionsfrei bleiben soll dagegen das Rumfummeln am Navi. Moderne Multifunktions-Touchscreens sind heute so groß wie Tablet-Computer. "Dadurch wird das Problem nur vom Smartphone woandershin verlagert", sagt der Duisburger Verkehrspsychologe Michael Haeser. Andere Experten wollen die Software- und Handyindustrie in die Pflicht nehmen. Rechtsprofessor Christopher Kutz von der Universität Berkeley in Kalifornien zieht Parallelen zur Betäubungsmittelbranche: "Sie vertreiben ihre Produkte überall, verschließen dann aber vor dem unvermeidlichen Risiko eines katastrophalen Missbrauchs die Augen."
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Seine Forderung: Die Mobilfunk- und Smartphoneindustrie sollte es "erheblich erschweren, ihre Produkte während der Fahrt zu benutzen". Doch die sperrt sich, der mobile Handy-Konsum ist ein zu wichtiger Wirtschaftsfaktor. Angeblich liegen Blockier-Apps fertig in der Schublade, die sogar zwischen Fahrer und Beifahrer unterscheiden können. Zum Einsatz kommen sie nicht.

"Schrecklicher Fehler" mit tödlichen Folgen

Patrick T., der Unfallverursacher vom 16. August 2010, will nie wieder telefonieren, wenn er Auto fährt. Auch nicht per Freisprecheinrichtung. Nach dem Unfall lag er im künstlichen Koma. Ein Wirbel war gebrochen, der Darm gerissen, die Lunge gequetscht, Knochen gebrochen. Heute ist er berufsunfähig, musste insgesamt 7000 Euro Geldstrafe zahlen. "Es tut mir unendlich leid", sagt der Vater einer kleinen Tochter. "Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht." Und: "Vorher habe ich immer gedacht, so etwas passiert mir nicht." Ein tödlicher Irrtum.

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Warum zum Teufel können wir vom Handy nicht lassen? Verkehrspsychologe Michael Haeser: "Vor allem sind es Neugier und die Angst, etwas zu verpassen." Seiner Erfahrung nach wären viele auch schlicht zu faul, die Freisprecheinrichtung zu benutzen. Das sei "hochgradig gefährlich, Autofahrer müssen sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren". Das Fahren stehe vielfach nicht mehr im Mittelpunkt der Handlung. "Das ist deprimierend", so Haeser. Bereits im Kindesalter müsse Verkehrserziehung einen verantwortlicheren Umgang mit moderner Technik vermitteln.

Leute sollen wachgerüttelt werden

Natalie Preiß will genau das. Die Polizistin aus Hannover ist zuständig für Prävention und lädt Menschen an Schulen ein, die von Handy-Unfällen betroffen sind. Aus erster Hand erzählen sie, wie ein Telefonat oder eine Kurznachricht alles auf den Kopf gestellt hat. "Die Unfälle sind hier in der Region passiert, die Schüler können sich so mit den Orten identifizieren", sagt Natalie Preiß. Auch Vera Schulze, Peter Schulzes Witwe und Phillips Mutter, tritt dort auf. Sie erzählt den Schülern von den vielen Reisen, die sie und ihr Mann noch vorhatten. Von der Beerdigung. Von der großen Angst um ihr schwer verletztes Kind. Von der unendlichen Trauer. Die Jugendlichen sehen ein Video, in dem Vera und Phillip Schulze den Unfall und die Zeit danach schildern. "Beim letzten Mal ist ein Mädchen weinend rausgelaufen", sagt sie. Die Auftritte zehren auch an ihren Kräften, die Kinderpflegerin macht trotzdem damit weiter. Erst einmal. "Wenn Peters Tod irgendeinen Sinn hatte, dann vielleicht den, die Leute endlich wachzurütteln."

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AUTO BILD und DEKRA arbeiten zusammen

Bei Fahrversuchen der DEKRA mit Handy am Steuer wurden nicht nur Bälle übersehen.

Um dringend benötigte Aufklärungsarbeit zu leisten, tut sich AUTO BILD deshalb mit der DEKRA zusammen. Mit einer Aufkleber-Aktion appellieren die Partner an das Risikobewusstsein der Autofahrer. "Wir erreichen pro Woche über drei Millionen Menschen mit der AUTO BILD. Digital sind es täglich über sieben Millionen User, die sich über Inhalte rund um das Thema Mobilität in unserem Angebot informieren. Diese Reichweite ist auch eine Verantwortung. Dessen sind wir uns bewusst und handeln entsprechend", sagt Tom Drechsler, Chefredakteur der AUTO BILD-Gruppe.

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Autor: Claudius Maintz

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