Kleine Fahrmaschinen im Test

Alfa 4C/Lotus Elise/Toyota GT86: Test

— 16.06.2014

Neuer Alfa 4C im ersten Vergleich

Männerspielzeug im Vergleich: Der Alfa 4C driftet gegen Lotus Elise und Toyota GT 86. Welche Fahrmaschine macht am Ende den meisten Spaß?

Männer haben es Auch nicht immer leicht. Da hast du gerade den Führerschein gemacht – um zu erkennen, dass deine Auto-Träume ungefähr so groß sind wie das Loch in deinem Portemonnaie. Und später, wenn die Karriere steht und endlich die Kohle stimmt, musst du mit Rücksicht auf die lieben Kleinen eher an Koffer- als an Hubraum denken. Kommt Ihnen bekannt vor? Dann lassen Sie uns doch einfach mal für einen kleinen Augenblick träumen. Nicht einen Touran oder Zafira durchrechnen, sondern "Was wäre wenn" spielen.

Der Alfa 4C ist ein Glückshormon auf Rädern

Video: Alfa 4C, Lotus, GT86

Wer hat das beste Playmobil?

Tusch, Trommelwirbel – da steht er, der neue 4C. Ein Alfa Romeo, wie wir ihn uns lange gewünscht haben. Ein Kopfverdreher, ein Männerversteher. Federleicht, zum Niederknien schön. Und garantiert nicht praktisch. Aus der Schatztruhe ihrer 104-jährigen Historie haben die Italiener das perfekte Playmobil geschaffen. Diesem Glückshormon auf Rädern stellen wir die Lotus Elise und den Toyota GT86 zur Seite. Auch sie scheren sich einen Dreck um Nutzwert oder den nächsten Familieneinkauf. Sie wollen einfach nur Spaß machen. Zumindest mit Alfa und Lotus ist so oder so nicht an Alltag zu denken. Das Platzangebot der beiden Mittelmotor-Sportwagen reicht grade mal für zwei nicht allzu große Passagiere plus ein wenig Gepäck. Der Toyota gibt sich da ein wenig pragmatischer, hat sogar eine Rücksitzbank, die zumindest als Gepäckablage taugt. Und zusätzlich einen Kofferraum, der mit einem Volumen von knapp 250 Litern wenigstens seinen Namen zu Recht trägt. Erstaunlich hingegen, wie problemlos sich die drei Knallbonbons bei täglichen Fahrten benehmen.
Alle News und Tests zum Alfa 4C

Auch im Alltagsbetrieb versagt die Elise nicht unbedingt

Rückwärts einparken am Berg? Funktioniert auch mit der an sich giftigen Lotus Elise ziemlich problemlos.

Der Alfa macht zwar mit seinem Vierzylinder akustisch auf Rennwagen – um sich dann doch so klaglos wie ein x-beliebiger Golf in den täglichen Stau zur Arbeit einzureihen. Selbst Lotus hat die Elise domestiziert. Kupplung und Getriebe lassen sich so gut dosieren, dass du sogar rückwärts am Berg einparken kannst, ohne die Fuhre jedes Mal abzuwürgen. Der Toyota fährt sich für einen Japaner herrlich ungehobelt und knochig, im Vergleich ist er aber trotzdem so etwas wie der VW Golf unter den Sportwagen: ausgeglichen, ruhig, solide. Geschenkt. Schließlich sind wir zum Träumen hier. Und wo werden Männerträume wahr? Riiichtig, auf einer abgesperrten Rennstrecke. Also Fahrhilfen deaktiviert und einfach mal fliegen lassen. Mal nicht an CO2 denken und mit herrlichen Drifts das Gummi der Hinterreifen pulverisieren. Wobei das im Alfa leichter geschrieben als getan ist. Denn der 4C ist ein typischer Italiener, setzt mehr auf den schönen Schein als echte Werte. Die erstaunlich taube (obwohl servofreie) Lenkung ist unpräzise, das Fahrverhalten trotz Gewichtsverteilung von 39:61 erschreckend untersteuernd.
Alle News und Tests zur Lotus Elise

Nur mit Gewalt zwingst du den schönen Romeo in einen kontrollierten Drift. Nicht wirklich spaßig – aber schnell. Mit einer Rundenzeit von 1: 36.88 Minuten jedenfalls ist er auf dem 3800 Mete rlangen Trockenhandlingkurs des Contidroms der Schnellste im Vergleich. Allerdings nimmt er der Elise nur rund sieben Zehntel ab, trotz 20 PS Mehrleistung. Kein Wunder, schließlich ist der Lotus Chef im Ring, wenn es um Fahrspaß geht.

Der GT86 ist mehr Coupé als Sportwagen

Nicht täuschen lassen: Der GT86 ist zwar nicht der Schnellste, er hat aber trotzdem viel Charakter.

Die Lenkung reagiert messerscharf auf kleinste Bewegungen, die Federung ist so hart, dass du beim Überfahren einer Kippe merkst, welche Marke das gerade war. Für die ebene Rennstrecke ist das perfekt. Ohne Seitenneigung und neutral geht der Lotus ums Eck, der von Toyota ausgeliehene Vierzylinder hinter dem Fahrer schnippst die leichte Fuhre zur nächsten Kurve. Kurzum: Auf der Rundstrecke kann der Elise keiner die Locken wickeln. Trotz oder gerade wegen ihres Alters. Seit 1996 auf dem Markt und über die Jahre gereift zur rassigen Rennbraut. Spielkamerad GT86 kann nicht ganz so unbeschwert die Sau rauslassen. Ist er doch mehr Coupé als Sportwagen. Und tatsächlich neigt er sich in Kurven spürbar und kämpft, trotz des schwachen Drehmoments von 205 Newtonmetern bei abenteuerlichen 6400 Umdrehungen, um Grip. Ständig ist das Heck in Bewegung, ohne ESP steht die Fuhre dauernd quer. Höchst unterhaltsam, aber leider auch langsam. Am Ende bleibt die Stoppuhr bei 1:44.10 Minuten stehen – eine Ewigkeit hinter Alfa und Lotus. Wer in Sekunden rechnet, muss den GT86 wohl von seiner Wunschliste streichen. Allen anderen sei versichert: Der Bursche hat Charakter.
Alle News und Tests zum Toyota GT86

Welchen kaufen? Am besten alle. Den Toyota für jeden Tag, den Lotus für die sonnigen Stunden auf der Landstraße und den Alfa zum Schaulaufen. Männer, traut euch!
Fahrzeugdaten Alfa Romeo Lotus Toyota
Motor Vierzylinder, Turbo Vierzylinder, Kompressor Vierzylinder-Boxer
Einbaulage Mitte quer Mitte quer vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Kette Kette
Hubraum 1742 cm³ 1798 cm³ 1998 cm³
kW (PS) bei 1/min 177 (240)/6000 162 (220)/6800 147 (200)/7000
Nm bei 1/min 350/2200 250/4600 205/6400
Vmax 258 km/h 234 km/h 226 km/h
Getriebe Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung v. 205/40 R 18 - h. 235/35 R 19 Y v. 175/55 R 16 - h. 225/45 R 17 W 215/45 R 17 W
Reifentyp Pirelli P Zero Yokohama Advan Neova AD07 LTS Michelin Primacy HP
Radgröße v. 7 x 18''/h. 8,5 x 19'' v. 6 x 16''/h. 8 x 17'' 7 x 17''
Abgas CO2 157 g/km 175 g/km 181 g/km
Verbrauch* 9,8/5,0/6,8 l 10,3/5,9/7,5 l 10,4/6,4/7,8 l
Tankinhalt 40 l/Super 40 l/Super plus 50 l/Super plus
Kältemittel R1234yf R134a R134a
Vorbeifahrgeräusch 71 dB (A) 75 dB (A) 73 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine keine keine
Kofferraumvolumen 110 l 110 l 243 l
Länge/Breite/Höhe 3990/1868–2090**/1184 mm 3824/1719–1850**/1117 mm 4240/1775–1975**/1285 mm
Testwagenpreis 54.500 Euro 45.580 Euro 30.450 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln
Messwerte Alfa Romeo Lotus Toyota
Beschleunigung
0–50 km/h 1,8 s 1,7 s 2,8 s
0–100 km/h 4,7 s 5,0 s 7,5 s
0–160 km/h 10,9 s 12,1 s 17,3 s
Elastizität
60–100 km/h 3,7/6,1 s (4./5. Gang) 5,9/7,8 s (4./5. Gang) 6,9/8,1 s (4./5. Gang)
80–120 km/h 5,0/7,5 s (5./6. Gang) 7,7/10,3 s (5./6. Gang) 9,0/12,4 s (5./6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1016/159 kg 920/235 kg 1235/435 kg
Gewichtsverteilung v./h. 39/61 % 38/62 % 56/44 %
Wendekreis links/rechts 11,0/11,6 m 11,5/11,3 m 11,3/11,4 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 35,0 m 35,4 m 37,9 m
aus 100 km/h warm 33,9 m 34,7 m 38,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 75 dB (A) 69 dB (A) 63 dB (A)
bei 100 km/h 77 dB (A) 76 dB (A) 70 dB (A)
bei 130 km/h 83 dB (A) 84 dB (A) 73 dB (A)
Testverbrauch – CO2 8,6 l/100 km – 203 g/km 7,6 l/100 km – 180 g/km 8,4 l/100 km – 199 g/km
Reichweite 460 km 520 km 590 km

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Auch wenn der kompromisslose Lotus am Ende die Sportwertung gewinnt: Jeder dieser Charakterdarsteller ist eine Sünde wert – es kommt auf den Einsatz an. Der Alfa ist zum verlieben schön und herrlich laut, der Toyota ungekrönter Drift-König – und vergleichsweise günstig.

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