Aston Martin DB9

Aston Martin DB9 Aston Martin DB9

Aston Martin DB9

— 13.05.2004

Alles nur vom Feinsten

Für den DB9 war das Beste gerade gut genug. Trotzdem gilt: Nur nicht auffallen. Britisches Understatement eben.

Das Vorbild war ein Wohnzimmer

Die Firma, über die wir hier reden, war in den 90 Jahren ihrer Geschichte geschätzte sechsmal pleite und hat noch öfter den Besitzer gewechselt. 1992 verkaufte sie 46 Autos und nur dreimal in der Firmengeschichte mehr als 1000 pro Jahr. Aston Martin heißt dieser Überlebenskünstler.

Nur wirklich reiche Leute wissen, dass es diesen Autohersteller überhaupt noch gibt – und natürlich James-Bond-Fans. Seit 1987 hat Ford das Kommando, richtig Geld in die Kasse kam aber erst in den letzten Jahren. Für den DB9 konnten die Briten jedenfalls aus dem Vollen schöpfen. "Wir machen das, weil wir es können", sagt denn auch Henrik Fisker, der Chefdesigner. Er meint Details wie die im hinteren Teil breit umlaufende Chromleiste der Fenster. "Aufwändigste Handarbeit, extrem teuer." Eine Feinheit, nur für Kenner.

Darauf legen sie Wert bei Aston Martin, der große Entwurf stimmt ja sowieso: die unnachahmliche bullig-elegante Statur. Nicht so aggressiv wie ein Lamborghini, nicht so aufdringlich wie ein Ferrari. Nur nicht auffallen, wir sind Briten. Dafür ziehen sie dann im Cockpit alle Register, Kunststoff muss man hier suchen. "Vorbild für die Einrichtung war ein Wohnzimmer", erklärt Fisker. "Haben Sie da Kunststoff-Verkleidungen an der Wand?"

Ich kann mir ungefähr vorstellen, wie der Mann wohnt, aber schauen wir doch mal: Fassungen für die Lüftungsgitter – Alu-Druckguss. Dachhimmel – Alcantara. Mittelkonsole – Alu/Leder. Aschenbecher – Glas. Ja, wirklich Glas. Türeinlagen – Holz. Aber was für welches! Das im Test-DB9 war Bambus. Exotisch, nobel und sehr natürlich. "Wir lackieren nur hauchdünn, das Holz soll schnell altern und Patina ansetzen." Klar.

Technische Daten

Die transparenten Instrumente sehen aus, als ob sie aus einem Alublock gefräst wurden. Ablesen lassen sie sich schlecht bis gar nicht. "Das war nicht unser Ziel", sagt Fisker, "dafür gibt es das digitale Display in der Mitte." Schmunzelt er dabei, oder kommt mir das nur so vor? Schluss mit lustig ist dann, wenn der Motor erwacht. Sechs Liter Hubraum, 456 PS, 570 Nm bei 5000 Touren und einfach nur Kraft. Immer. Überraschend benimmt sich dieses monströse Aggregat aber nicht wie ein Vulkan beim Ausbruch, sondern eher wie die Turbine in der Staustufe: energiegeladen, aber kontrolliert.

Großen Anteil daran hat die famose ZF-Sechsgangautomatik. "In einem DB9 soll jeder gut aussehen, auch wenn er vielleicht nur eine Hotelauffahrt rauffährt", erklärt Aston-Martin-Chef Ulrich Bez. Klingt logisch und funktioniert tadellos. Auch deshalb gehen im DB9 überragendes Handling, perfekte Straßenlage und erstaunlich hoher Fahrkomfort eine innige Beziehung ein. Dieses Auto ist nie anstrengend, aber stets entspannend. Und trotzdem bewegst du dich in einer anderen Umlaufbahn, mit irren Kurventempi und genauso irrsinniger Verzögerung. Aber wer wird hier schon auf die Bremse treten? Selbst ein "kleiner" Redakteur findet plötzlich, dass 144.000 Euro für dieses Prachtstück mehr als fair sind.

Technische Daten V12-Front-Mittelmotor • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 5935 cm³ • Leistung 335 kW (456 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 570 Nm bei 5000/min • Transaxle-Bauweise • Hinterradantrieb • Sechsgangautomatik • doppelte Dreieckquerlenker vorn u. hinten • Tank 85 Liter • Länge/Breite/Höhe 4710/1875/1318 mm • Reifen vorn 235/40 ZR 19, hinten 275/35 ZR 19 • Leergewicht 1800 kg • 0–100 km/h in 5,1 s • Spitze 300 km/h • Preis 144.000 Euro

Autor: Dirk Branke

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