Audi A2 1.4

Audi A2 1.4 Audi A2 1.4

Audi A2 1.4

— 12.02.2002

Leicht und locker?

Bei Audi tobt der Kampf um überflüssige Pfunde. Mit teurer Alu-Diät versucht sich der A2 an der schweren Kunst der Leichtigkeit.

Dynamisch und elegant

Parade-Proll Zlatko aus dem RTL-II-Reservat "Big Brother" beweist: Manchmal ist weniger (hier Intelligenz) eindeutig mehr - nämlich gigantische Popularität bis hin zur eigenen Fernseh-Show. Ähnlich viel öffentliches Aufsehen möchte auch Audi mit dem ersten Großserien-Alumobil A2 erregen. Doch die Ingolstädter sparten lieber am Gewicht und investierten viel Gehirnschmalz.

Wie viel davon im A2 wirklich steckt, musste der kleinste Audi bei uns deshalb nicht nur auf der Waage beweisen. Gut in Form zeigt sich der A2 1.4 allemal. Die bullige Nase verspricht Dynamik, der schlanke Hintern wirkt leicht und elegant. Insgesamt erscheint der 1,55 Meter hohe A2 moderner als die A-Klasse (Höhe 1,58 m). Dabei hat seine kompakte Figur einen praktischen Hintergrund: Er gleitet geschmeidig durch die Luft (cW 0,28) wie Topmodels über den Laufsteg. Nur schade, dass der Audi dazu den Heckspoiler im Boaah-ey-Format (er)tragen muss und sein Po extrem schnell schmutzig wird.

Hart auch der Gang zur Gewichtskontrolle. Mit Extras wie Klimaanlage, zweitem Ladeboden oder 16-Zoll-Rädern an Bord ist es vorbei mit dem Rekordgewicht. Satte 1020 Kilo schleppte der 3,83-Meter-Zwerg mit sich nach Hamburg, rückt die Audi-Angabe von 895 Kilo nah ans Marketing-Märchen.

Spurtqualitäten und knackige Schaltung

Trotz dieses Handicaps beweist der Audi-Mini durchaus Spurtqualitäten. An der Ampel bläst er mit kernigem Klang zum Angriff, sodass der nominell stärkere A 140 (82 PS) nur den A2-Auspuff sieht - aus dem erfreulicherweise sauberer Euro-4-Atem quillt. Auch den Zwischenspurt im vierten und fünften Gang der knackig rastenden Schaltung erledigt der Alu-Zwerg schneller als der Mercedes.

Bei knapp 3000 Touren legt der 1,4-Liter seine anfängliche Zurückhaltung ab, reagiert spontan auf Beschleunigungs-Befehle, lässt ab 5000 Umdrehungen aber deutlich nach. Schon 500 Touren früher brummt er zudem wie ein kleiner Bär, dem man gerade den Honig wegnimmt. Der Testverbrauch ist mit 6,7 Litern sehr niedrig, steigt bei voller Fahrt aber schon mal auf neun Liter. Angesichts des mickrigen 34-Liter-Tanks (A-Klasse: 54 l) dürften Tankstopps dann fast so häufig anfallen wie Werbepausen bei den Privaten.

Dabei schreckt der fein, aber wenig einfallsreich möblierte A2 auch vor Reisen mit Überlänge nicht zurück. Bequeme und angenehm feste Polster sorgen hinter der weit vorgerückten Frontscheibe für wahres Raumfahrtgefühl. Auch wenn die Rundumsicht durch kräftige A- und B-Säulen sowie die optisch verzeichnende Heckscheibe (laut Audi nur in der Vorserie) nicht wirklich begeistert, sitzt die erste Reihe deutlich entspannter als im Stuttgarter Gegenstück.

Für Familien wird es eng

Im Fond sorgt der abgesenkte Fußboden für eine gemütliche Sitzposition. Mit zwei Einschränkungen: Die Schienbeine stoßen unangenehm an eine Querleiste in der Lehne der Vordersitze, und die Schultern ecken im Viersitzer schon mal an. Zu dritt (Dreiersitzbank ab Spätsommer, 450 Mark) wird es hinten unbequem, zudem lässt sich die zweite Reihe dann nur als Ganzes falten und ausbauen.

Mehr Format beweist der Kofferraum - bei voller Bestuhlung jedenfalls. Mit 390 Litern kommt die deutsche Durchschnittsfamilie aus, die innen 25 Zentimeter hohe Ladekante (Gepäckboden 235 Mark extra) und die hinten deutlich abgeflachte Karosserie sabotieren jedoch Umzüge. Die weit ins Dach reichende Heckklappe und die kinderleicht zu demontierenden Sitze beweisen Transport-Talent, bei 1140 Litern (oder 360 Kilo) ist aber definitiv Schluss.

Zur Sicherheit ESP

Immerhin wieselt der A2 auch voll bepackt locker durch die Pylonen - elektronischem Schleuderschutz ESP (Serie) und griffigen Rädern der Dimension 185/50 R 16 (1750 Mark extra) sei Dank. Nur leicht schiebt der Audi aus der Kurve, regelt durchdrehende Räder bei Nässe sanft ein und gibt sich brav und sportlich zugleich. Mit Serienbereifung (175/70 R 15), die wir zum Vergleich nachträglich montiert haben, leidet das Dynamik-Image, untersteuert der A2 bei schneller Fahrt deutlicher. Dass ESP in jedem Fall sein muss, verrät der Angstlupfer in wirklich schnellen Kurven. Dann versucht das Heck aus der Reihe zu tanzen und muss von der Elektronik rigoros auf Kurs gebracht werden.

Im äußersten Notfall helfen Gurtkraftbegrenzer, vier Airbags und gute Bremsen. Mit den serienmäßigen 15-Zoll-Leichtlaufreifen wächst der Bremsweg aber von 38,7 auf nicht mehr akzeptable 42,4 Meter - der 16-Zoll-Aufpreis lohnt sich also. Ein dickes Lob verdient die Elektrohydraulische Servolenkung - leicht beim Rangieren, direkt und präzise mit genügend Rückmeldung in allen Kurven. Nicht so top die betont straffe Federung. Querfugen provozieren mitunter deutliche Nickbewegungen, und der eigentlich gute Abrollkomfort leidet unter den 16-Zöllern. Trotzdem wirkt die sportlich straffe Auslegung des A2 auf langen Wellen und bei Straßenschäden gerade noch akzeptabel.

Wer die Härten des Alltags durch Luxus mildern will, muss tief in die Aufpreiskiste greifen - beim A2 kostet fast alles extra, selbst Kleinigkeiten wie beleuchtete Make-up-Spiegel (127 Mark) oder höhenverstellbare Vordersitze (196 Mark). Wie schön, dass wenigstens Werkstätten (Wartung nach Anzeige, Intervall bis 30.000 km) und zurückhaltende Versicherer begreifen, was wir mit "Weniger ist mehr" meinen.

Bewertung und Fazit

Karosserie und Innenraum Kompakter, variabler Van mit vernünftigem Platzangebot vorn und etwas knappem Fond, Verarbeitung tadellos. Kofferraum ausreichend, Zuladung mäßig.

Motor und Getriebe Voll ausreichender 1,4-Liter mit leichter Antrittsschwäche bei niedrigen Drehzahlen und kernigem Sound. Verbrauch sehr günstig, Schaltung extrem knackig.

Fahrwerk und Sicherheit Leicht untersteuerndes, sicheres Fahrverhalten, kurzer Bremsweg mit 16-Zoll-Rädern, zu langer mit Serienrädern. Kleiner Wendekreis und direkte Lenkung.

Komfort Ausgemacht straffe Federung mit Schwächen bei Querfugen und Nickschwingungen, aber gute Abstimmung. Gute Sitze, Sicht und Ausstattung dürftig.

Preise und Kosten Sehr teurer Hochdach-Mini mit vielen Extra-Optionen, durchweg günstiger Unterhalt und voraussichtlich guter Wiederverkauf. Lange Wartungsintervalle.

Fazit Trotz Alu hat der A2 kein leichtes Spiel, wird der A-Klasse das Leben aber schwer machen. Ähnlich teuer, ist er das erwachsenere und modernere Auto.

Technische Daten

Technik Motor Vierzylinder • Hubraum 1389 cm3 • Leistung 55 kW (75 PS) bei 5000/min • Drehmoment 126 Nm bei 3800/min • Getriebe 5-Gang manuell • Antrieb Front • Bremsen (vo./hi.) Scheiben/Trommel • Testwagenbereifung 185/50 R 16 V • Serienbereifung 175/60 R 15 H • Kofferraum 390/1140 l • Tankinhalt 34 l • Länge/Breite/Höhe 3826/1673/1553 mm • Wendekreis 10,5 m

Serienausstattung Fahrer-, Beifahrer- und Seitenairbag • ABS• ESP • E-Fenster vorn • E-Spiegel • Isofix-Halter • Rücksitze geteilt klappbar und herausnehmbar • ZV • Tire Mobility System • Serviceintervallanzeige • Lenkradverstellung zweifach • Wegfahrsperre

Extras Navigationssystem 2445 Mark • Kopfairbagsystem 753 Mark • Klimaautomatik 2543 Mark • Metalliclack 821 Mark • Fernbedienung für ZV 450 Mark • 16-Zoll-Aluräder 1750 Mark • Glasdach 1731 Mark

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