Audi A8 gegen BMW 7er

Audi A8/BMW 7er: Test

— 15.11.2016

Vier Turbos gegen acht Zylinder

Größter Komfort, stärkste Diesel, exzellentes Image – trotzdem kämpfen Audi A8 und BMW 7er mit ganz eigenem Flair. Luxuslimousinen im Vergleich.

Neulich im Aufsichtsrat. Auf der Tagesordnung steht die Anschaffung neuer Dienstwagen; Luxusklasse ist schon genehmigt, nun zum Antrieb. Ein Hybrid? Der hat abnorme Leasingraten. Benziner ? Wir sind doch kein Mineralölkonzern! Also ein Diesel, der beim Unterhalt die Controller ruhig schlafen lässt, ohne bei Dienstreisen auf der Autobahn astronomisch zu saufen. Einen kleinen Kick wollen die Herren sich noch gönnen, daher dürfen es die stärksten Diesel sein, die aus der 400-PS-Etage.

Fahrwerte wie ein Sportwagen

Video: BMW 750i im Vergleich (2015)

Neuer 7er vs. A8, S-Klasse und Panamera

So können wir uns vorstellen, wie Interessenten auf einen BMW 750d kommen, auf den Inbegriff der deutschen Luxussänfte. Carbonteile zwecks Gewichtsdiät, Einrichtung wie ein Clubzimmer, Elektronik bis zum Abwinken. Doch wo Amerikas Autobauer eher Benziner einbauen und die Japaner einen Hybridantrieb, da wählen die Deutschen den Diesel, einen hoch domestizierten Selbstzünder, dem man den Glauben an diese Verbrennungsform bis ins kleinste Ventil anmerkt. Der bekannte 3,0-Liter leistet dank vierfacher Aufladung nun 400 PS, 760 Nm Drehmoment und Fahrwerte wie ein Sportwagen. Und doch gilt der Reihensechser in der Luxusklasse als Hubraumzwerg, weil Audi beim größten A8 TDI weiter auf die Macht von acht Zylindern und 4,2 Liter Hubraum setzt. Ein grollender Schiffsdiesel, der vor allem eine motorkulturelle Frage aufwirft: acht Zylinder im Audi oder vier BMW-Turbos – wer macht satter?

Bei der Elektronik merkt man dem Audi sein Alter an

Veraltete Grafik und analoge Anzeigen im A8 zeigen, wo Luxuslimousinen heute altern: innerlich.

Und wo hat der Audi seine Falten? Sicher nicht außen, wo der A8 immer noch erstaunlich straff und zeitlos wirkt, sondern beim Interieur. Veraltete Grafik und analoge Anzeigen demonstrieren, wo Luxuslimousinen heute altern: innerlich. Bei der Elektronik, wo der BMW das modernere Füllhorn auffährt, vom animierten Tacho über Assistenten bis zur Gestensteuerung, die noch ihre Mucken hat. Platz haben beide reichlich, der Audi den etwas größeren Fond. Dazu kommen reichhaltiges Verwöhnaroma auf vier Sitzen und Kofferräume im Fernreiseformat, die erst mit Kameras einsehbar sind. Aber ist die neue Welt die bessere? Braucht man das volldigitale Cockpit des 7er, oder liefert der A8 den Charme vieler Direkttasten, vom Sonnenrollo bis zum einfahrbaren Display? Gut, neue Extras wie ferngesteuertes Parken, Laserlicht oder beheizbare Armauflagen hat nur der BMW, der sich die Mercedes S-Klasse zum Vorbild genommen hat.
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Allerdings verkauft der 750d seine inneren Werte nach außen sehr zurückhaltend, man könnte ihn mit dem Vorgänger verwechseln. Gefährlich für solche Repräsentationsschiffe, die beim Image-Wettlauf gegen die angesagten SUV dringend schnellere Frischzellenkuren brauchen.

Ein wahres Konzert aus vier Turbos

Der Motor schrumpft die 2073 Kilo des 750d gefühlt auf die Hälfte zusammen – und bleibt dabei sparsam.

Wir drücken auf die Startknöpfe. Der BMW-Diesel klingt im Stand kerniger, lässt aber mit dem ersten Gasstoß den Selbstzünder vergessen. Sein Trick: ein wahres Konzert aus vier Turbos. Zwei für Nieder- und einer für Hochdruck pusten immer, ab 2500 Touren stößt ein zweiter für Hochdruck hinzu. Beim schnellen Beschleunigen aus dem Stand werden die Niederdrucklader überbrückt – nicht zu spüren, nur das faszinierende Ergebnis: Ansatzlos und ohne Loch schiebt der 750d los und schrumpft mit seinen Urkräften die 2073 Kilo zu einem gewaltigen Spielball. In 4,5 Sekunden auf hundert, rennt der Reihensechser so massiv weiter, dass auf der Autobahn nur noch potente V8- Benziner mitkommen. Aber nicht beim Verbrauch: Mit 8,1 Litern liegt der Diesel im Testschnitt gut zwei Liter unter seinem Benziner-Pendant 750i. Klar, dass die Differenz bei schnellen Reiseetappen noch weiter aufklafft.
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Das Fahrwerk des A8 ist sportlicher ausgelegt

Kürzere Federn machen den A8 nicht so flauschig wie den BMW – er sollte auf "Comfort" gefahren werden.

Wie effektiv der kleine Hubraum spart, zeigt der Audi, dessen tiefe Brust natürlich kostet. 9,1 Liter genehmigt sich der A8, rennt dabei keine Spur flotter und regelt ebenso bei 250 km/h ab. Vorzüglich reicht die tiptronic die Gänge an, kommt nur gelegentlich ins Stocken, wo der BMW auch im Stress ein galanter Getriebebutler bleibt. Viel wichtiger ist der besondere Sound, den wir mal so beschreiben: Der 750d klingt, als ob er in der Ferne kleine Nägel in eine Pappwand schießt. Der Audi grummelt wie ein Motorboot aus der Tiefe der betonfesten Karosserie. Freunden des Verbrennungsprinzips stellen sich bei diesem Ohrgenuss die Armhaare auf, Controller hören hier die Cent durchrieseln. Audi bleibt übrigens auch in der nächsten Motorgeneration beim Achtzylinder: Der neue 4,0-Liter-TDI, gerade im SQ7 vorgestellt, kommt auf 900 Nm. Und einen ähnlichen Gänsehautklang. Der passt zum durchweg sportlicheren Wesen des A8. Die Lenkung aus der Mitte spitz ansprechend, hockt die Limousine wie eine satte Katze auf kürzeren Federwegen.

Die verstellbaren Dämpfer schicken im Modus "Dynamic" kurze, zitternde Stöße bis ins Lenkrad. Damit sich die standesgemäße Ruhe einstellt, fährt man den A8 am besten auf "Comfort". Was wohl auch Audi erkannt hat, die nächste Generation soll softer werden. Der BMW verlangt am Fahrerlebnisschalter eher nach "Sport". Denn der grundsätzlich flauschige 7er fühlt sich mit einem Schwingen und Schweben so an, als wolle er die wolkengleiche S-Klasse im Verwöhnen noch übertreffen. Die Lenkung fast amerikanisch sanft, das Hirn eingelullt – das ist doch kein BMW! Erst "Sport" bringt die straff-direkte Bissfestigkeit rein, die wir von BMW erwarten.
Fahrzeugdaten Audi BMW
Modell A8 4.2 TDI quattro 750d xDrive
Motor V8, Biturbo Sechszylinder, Quadturbo
Einbaulage vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 4134 cm³ 2993 cm³
kW (PS) bei 1/min 283 (385)/3750 294 (400)/4400
Nm bei 1/min 850/2000 760/2000
Vmax 250 km/h 250 km/h
Getriebe Achtstufenautomatik Achtstufenautomatik
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung Pirelli P Zero Pirelli P Zero
Reifentyp 255/45 R 19 Y 245/45 R 19 Y
Radgröße 9 x 19" 8,5 x 19"
Abgas CO2 193 g/km 154 g/km
Verbrauch* 9,6/6,1/7,4 l 6,9/5,3/5,9 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 10,2 l/100 km 11,0 l/100 km
Testrunde*** 9,1 l/100 km 8,1 l/100 km
Sparverbrauch**** 7,8 l/100 km 5,9 l/100 km
Tankinhalt 82 l/Diesel 78 l/Diesel
SCR-Kat/AdBlue-Tank S/16 l S/20 l
Kältemittel R134a R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 72 dB (A) 69 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 2300/750 kg 2300/750 kg
Kofferraumvolumen 490 l 515 l
Länge/Breite/Höhe 5135/1949–2111/1460 mm 5098/1902–2169/1467 mm
Testwagenpreis 107.750 Euro 120.050 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Audi BMW
Beschleunigung
0–50 km/h 1,7 s 1,7 s
0–100/130 km/h 4,7/7,5 s 4,5/7,1 s
0–160/200 km/h 11,3/18,8 s 10,5/17,0 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 2,5 s 2,3 s
80–120 km/h 3,1 s 2,8 s
Leergewicht/Zuladung 2170/535 kg 2073/557 kg
Gewichtsverteilung v./h. 56/44 % 52/48 %
Wendekreis links/rechts 12,4/12,6 m 12,2/12,2 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,6 m 35,7 m
aus 100 km/h warm 34,9 m 34,3 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 55 dB (A) 56 dB (A)
bei 100 km/h 62 dB (A) 62 dB (A)
bei 130 km/h 67 dB (A) 66 dB (A)
Testverbrauch - CO2 9,1 l – 241 g/km 8,1 l – 214 g/km
Reichweite 900 km 960 km

BMW 750d gegen Audi A8 4.2 TDI: 4 Turbos gegen 8 Zylinder

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt vom BMW 750d und Audi A8 4.2 TDI quattro(Vergleichstest).

Veröffentlicht:

10.11.2016

Preis:

1,00 €


Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Diesel haben in den Flaggschiffen ein Imageproblem. Zu Unrecht, wie diese Motoren beweisen. Denn Leistung, Lauf-kultur und Luxus passen bestens zu 7er und A8, erst ihre Sparsamkeit rechtfertigt diese Limousinen. Und macht sie beliebter als die Benziner.

Stichworte:

Luxuslimousine

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