Audi Cabriolet (1991-2000)

Audi Cabriolet (1991-2000) Audi Cabriolet (1991-2000)

Audi Cabriolet (1991-2000)

— 25.02.2002

Papas Bester

Das Audi Cabriolet lebt von stiller Eleganz und solider Technik. Eine Kombination, die vor allem Familienvätern einiges wert ist.

Karosserie und Verdeck

Das Auto heißt nur Cabriolet. Mehr nicht. Und schon gar nicht Audi 80 Cabrio. Schließlich wollten die Ingolstädter jede Verbindung mit der braven Familienlimousine von Anfang an ausschließen. Was freilich schwerlich geht. Denn Antrieb und Fahrwerk stammen vom Audi Coupé - das technisch mit dem 80er identisch ist. Und die nahe Verwandtschaft offenbart sich auch in der rundlichen Karosserie, die für das Cabrio lediglich verstärkt wurde. Charakteristisches Merkmal: der verchromte Scheibenrahmen.

Übermäßig steif ist das Cabrio dennoch nicht. Auf unebener Piste signalisiert der zitternde Innenspiegel: Mein Rückgrat ist etwas labil. Einbußen bei der Lebensdauer sind trotzdem nicht zu befürchten, die Vollverzinkung hält das bei offenen Autos höhere Rostrisiko im Zaum. Wahrscheinlicher sind Bedienungsfehler. Etwa bei der Verdeckbetätigung. Denn ein ausgeklügelter Mechanismus verhindert, daß bei offenem Verdeckdeckel der Kofferraum geöffnet werden kann. Beide Klappen geraten nur dann auf Kollisionskurs, wenn in der Hektik Gewalt angewendet wird.

Eleganter ist das ab 1993 angebotene elektrohydraulische Verdeck. Hier genügt ein Knopfdruck, um das Klappdach zu versenken. Weiterer Vorteil: Am Verdeckkasten-Deckel gibt es seltener Lackschäden, die sonst beim Zudrücken durch Ringe oder anderen Schmuck entstehen. Unter freiem Himmel hat dann im Badewannen-Viersitzer eine ganze Familie Platz - solange sie nicht zu groß ist: Die schmalen Rücksitze und engen Knieräume hinten reichen nur für zwei Knirpse. Vorn gibt es immerhin ausgezeichnete Sportsitze in Serie, nur die Führungen können ausleiern, und dann wackelt das ganze Gestühl.

Motor und Technik

Solche Altersschwächen sind im Motorenabteil selten. Lediglich der 1991/92 ausschließlich angebotene Fünfzylinder (133 PS) leidet unter Defekten der Zylinderkopfdichtung und der Lenkservopumpe sowie gelegentlich tickernden Hydrostößeln. Zum Fahren jedoch ist das alte Eisen erste Wahl - durchzugsstark und sparsam. Der ab 1993 lieferbare Zweiliter (115 PS) hat mit dem schweren Auto jedenfalls Mühe, in Schwung zu kommen. Gleiches gilt auch für den 1995 eingeführten 90-PS-TDI, der den Audi zum seltenen Diesel-Cabrio macht.

Wer stets eine windige Fönfrisur tragen will, wählt am besten einen Sechszylinder. Bereits der 2.6 E (150 PS) liefert Leistung satt und gilt, von (sehr seltenen) Wasserpumpendefekten abgesehen, als problemlos. In jedem Fall umgeht er ein Übel, das die 2,8-Liter-Version befallen kann und durch Leistungseinbußen auffällt: ein defektes Schaltsaugrohr - so ein Bauteil kennt der Zwosechser nicht. Dem soliden Image des Audi Cabrio konnten solche Kleinigkeiten jedoch nie etwas anhaben.

Entsprechend hoch wird gepokert und nicht selten bis 10000 Mark über Schwacke-Preis gefordert. Selbst ein 91er Modell, für weniger als 20000 Mark notiert, darf zu diesem Preis als Schnäppchen gelten. Denn vor allem die ältesten und damit günstigsten Audi Cabriolet werden praktisch unter Ausschluß der Öffentlichkeit gehandelt - oder aber völlig überteuert im nächsten Frühjahr angeboten.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 6/91 Neueinführung des Cabriolet auf Audi-Coupé-Basis mit 2,3-Liter-Fünfzylinder (133 PS), Sportsitze Serie • 1/93 V6-Motor mit 2,8 Litern (174 PS), ABS serienmäßig • 3/93 Einsteigermodell mit 2,0-Liter-Vierzylinder (115 PS) • 8/93 Sondermodell Sunset Edition • 12/93 kleiner V6 mit 2,6 Litern (150 PS); Fünfzylinder eingestellt • 6/95 Diesel-Cabrio: 1,9-Liter-TDI-Motor (90 PS) • 2/96 Sondermodell Akoya • 11/96 neuer 1,8-Liter (125 PS), Zweiliter-Version eingestellt • 2/97 Wiedereinführung 2,0-Liter-Vierzylinder (115 PS)

Schwachstellen Bremsscheiben (rechts) haben mit dem 1,4-Tonnen-Cabriolet zu kämpfen, verschleißen rasch oder werden wellig. • Gummidichtungen an der Frontscheibe werden durch Sonneneinstrahlung porös, reißen und lassen Wasser rein. • Scheibenführungen leiern bei den rahmenlosen Fenstern schnell aus - Folge: störende Windgeräusche. • Ölverlust an Motor und Getriebe ist ein altes Audi-Leiden (unser 94er Testauto leckte schon nach 60000 Kilometern). • Elektrik-Ärger melden Auto Bild-Lesertester besonders im Zusammenhang mit den Fensterhebern und der Batterie.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Audi Cabriolet 2.3, 98 kW/ 133 PS, Baujahr 1992. Auch wenn das Cabrio auf dem Massenmodell Audi 80 basiert - der exklusive Freiluftspaß hat seinen Preis.

Fazit und Urteil

Fazit Das Audi Cabrio gilt nicht umsonst als grundsolide, denn Basis ist der ausgereifte Audi 80. Rost ist kein Thema, alle Teile sind verzinkt. Vorsicht nur bei zusammengepfuschten Unfallautos: Unfachmännisch geschweißte Bleche sorgen garantiert für Ärger. In diesen Fällen immer nach Reparatur-Belegen fragen. Das Stoffverdeck ist pflegeleicht und allwettertauglich. Beim Kauf aber unbedingt auf den Zustand achten, denn Ersatz kostet 5000 Mark. Die Verdeckmechanik ist robust, nur das Plastik-Heckfenster ist naturgemäß empfindlich, vor allem im Winter. Bitte nie mit dem Eiskratzer rübergehen - die Schrammen poliert keiner mehr raus. Fürs Cabriofahren reicht der Zweiliter-Motor mit 115 PS aus. Wer es sportlicher liebt, muß zu einem der beiden Sechszylinder greifen. Der 90-PS-TDI ist zwar enorm sparsam, von der Geräuschkulisse aber nicht jedermanns Cabrio-Vergnügen.

AUTO BILD-Urteil: sehr empfehlenswert

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