Audi RS 3 am Col de Turini: Fahrbericht
Mein Gott, Walter!

Mit dem RS 3 will sich Audi die "sportliche Speerspitze" des Kompakt-Segments ins Haus geholt haben. Wie gut der 340-PS-Renner wirklich ist, klärt eine Tour zum legendärsten aller Rallye-Berge: dem Col de Turini.
- Jochen Knecht
Man soll ja nicht in Abwesenheit über andere reden. Das gehört sich einfach nicht. Muss jetzt aber sein. Wobei es "reden" nicht ganz trifft. Denken schon eher. Schnell denken. Sauschnell. Ich sitze festgeschraubt im Schalensitz (2855 Euro) eines Audi RS 3 Sportback und hetze den biestigsten Serien-A3 aller Zeiten die Serpentinen zum Col de Turini hoch. Gas, Bremse, Schalten, ein schneller Blick in die nächste Kurve, auf die Felswand links von mir und das überaus ungastliche Steinmäuerchen rechts, das das schmale Asphalt-Band vom Abhang trennt. Drei Arme und Hände müsste man haben. Gerne auch Augen mit der Fähigkeit, ums Eck zu kucken. Und das Popometer von Rallye-Legende Walter Röhrl. Der hat mit seinen drei Siegen bei der Rallye Monte Carlo den Col de Turini auch in Deutschland berühmt gemacht und die Spielregeln am Berg der Berge festgelegt: "Du musst exakt fahren! In Skandinavien kann man sich an den Schneewänden anlehnen. Am Col de Turini nicht. Geht hier was schief, landest du gleich ein Stockwerk tiefer!". Mein Gott, Walter – ich tu ja, was ich kann.
Übersicht: News und Tests zum Audi RS 3
Wobei alles seine Grenzen hat. Das Auto an den Schneewänden anlehnen? Im Leben nicht. Im Fall des Audi wären weit über 50.000 Euro zum Teufel. Von meiner körperlichen Unversehrtheit mal ganz abgesehen. Ich will trotzdem so schnell wie möglich diesen Berg hoch – was an Bord des RS 3 deutlich einfacher funktioniert, als es die äußeren Bedingungen vermuten lassen. Das liegt natürlich am 340 PS starken Turbo-Fünfzylinder, der hinter dem grob vergitterten Audi-XXL-Kühler rotzt und röhrt. 450 Newtonmeter stemmt das 183 Kilo schwere Kraftpaket ab 1600 Umdrehungen in den Antrieb. Damit lässt sich gerade in super-engen Spitzkehren viel anfangen und im Fall der Fälle in 4,6 Sekunden auf 100 km/h sprinten.
Legende: Mit Walter Röhrl am Col de Turini

Bild: Werk
Aufpreise satt
Die Fingernägel in den extradicken Wildleder-Kranz (780 Euro) des Sportlenkrads gekrallt, kommt der erste Tunnel in Sicht. Vor der Einfahrt ein kurzes Stoßgebet – wenn jetzt einer um die Kurve kommt, hilft nur eine Vollbremsung. Der Tunnel ist zu schmal für zwei Autos. Wenigstens diese Sorgen mussten sich die Rallye-Helden am Col de Turini nicht machen. Und auch die Finanzierung ihres Arbeitsgeräts war im Kampf mit dem Berg Nebensache. Das ist heute anders. 49.900 Euro kostet der RS3 ab Werk. Dafür gibt's den mehr oder weniger beeindruckenden RS-Look, 340 PS, Quattro-Antrieb, 19-Zoll-Alus, Sport-Ledersitze, Klimaautomatik, Sportlenkrad und ein CD-Radio. Das hört sich recht komplett an – ist es aber nicht. Sechs Seiten Sonderausstattung sind noch übrig. Und die saugen auf Wunsch locker nochmal 12.000 Euro aus dem Budget. Sei's drum.
Col de Turni, das heißt 1607 Meter über dem Meer

Bild: Werk
Fazit
Was für eine Fahrmaschine. Der Audi RS 3 überzeugt mit seinem biestigen Fünzylinder, quattro-Antrieb und einem Sportfahrwerk, das keinen Technik-Firlefanz nötig hat. Ich freue mich jetzt schon aufs erste Duell mit dem BMW 1er M Coupé. Aber: Am sehr extrovertierten Look des RS werden sich die Geister scheiden. Ein bisschen mehr Understatement täte dem Über-A3 gut. Und: Warum in einem Auto für knapp 50.000 Euro Kleinigkeiten wie beheizbare Außenspiegel (125 Euro) oder einen automatisch abblendenden Innenspiegel (280 Euro) extra zu berechnen, ist frech.
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