Audi RS 3 am Col de Turini: Fahrbericht

Audi RS3 Audi RS3

Audi RS 3 am Col de Turini: Fahrbericht

— 14.03.2011

Mein Gott, Walter!

Mit dem RS 3 will sich Audi die "sportliche Speerspitze" des Kompakt-Segments ins Haus geholt haben. Wie gut der 340-PS-Renner wirklich ist, klärt eine Tour zum legendärsten aller Rallye-Berge: dem Col de Turini.

Man soll ja nicht in Abwesenheit über andere reden. Das gehört sich einfach nicht. Muss jetzt aber sein. Wobei es "reden" nicht ganz trifft. Denken schon eher. Schnell denken. Sauschnell. Ich sitze festgeschraubt im Schalensitz (2855 Euro) eines Audi RS 3 Sportback und hetze den biestigsten Serien-A3 aller Zeiten die Serpentinen zum Col de Turini hoch. Gas, Bremse, Schalten, ein schneller Blick in die nächste Kurve, auf die Felswand links von mir und das überaus ungastliche Steinmäuerchen rechts, das das schmale Asphalt-Band vom Abhang trennt. Drei Arme und Hände müsste man haben. Gerne auch Augen mit der Fähigkeit, ums Eck zu kucken. Und das Popometer von Rallye-Legende Walter Röhrl. Der hat mit seinen drei Siegen bei der Rallye Monte Carlo den Col de Turini auch in Deutschland berühmt gemacht und die Spielregeln am Berg der Berge festgelegt: "Du musst exakt fahren! In Skandinavien kann man sich an den Schneewänden anlehnen. Am Col de Turini nicht. Geht hier was schief, landest du gleich ein Stockwerk tiefer!". Mein Gott, Walter – ich tu ja, was ich kann.

Übersicht: News und Tests zum Audi RS 3

Wobei alles seine Grenzen hat. Das Auto an den Schneewänden anlehnen? Im Leben nicht. Im Fall des Audi wären weit über 50.000 Euro zum Teufel. Von meiner körperlichen Unversehrtheit mal ganz abgesehen. Ich will trotzdem so schnell wie möglich diesen Berg hoch – was an Bord des RS 3 deutlich einfacher funktioniert, als es die äußeren Bedingungen vermuten lassen. Das liegt natürlich am 340 PS starken Turbo-Fünfzylinder, der hinter dem grob vergitterten Audi-XXL-Kühler rotzt und röhrt. 450 Newtonmeter stemmt das 183 Kilo schwere Kraftpaket ab 1600 Umdrehungen in den Antrieb. Damit lässt sich gerade in super-engen Spitzkehren viel anfangen und im Fall der Fälle in 4,6 Sekunden auf 100 km/h sprinten.

Legende: Mit Walter Röhrl am Col de Turini

"Geht hier was schief, landest du gleich ein Stockwerk tiefer!", sagt Walter Röhrl. Recht hat er.

Thema Spitzkehre. Da kommt schon die nächste. Im vierten Gang voll drauf zu, per Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe sTronic zwei Gänge nach unten überspringen, voll in die Eisen, einlenken und mit einem mächtigen Rülpser aus dem Doppelrohr am Heck ums Eck. Herrlich. Die 19-Zöller (Serie) des Audi verbeißen sich in den trockenen, alten Asphalt und zerren den RS 3 idiotensicher durch die Serpentinen. Weil der Quattro-Antrieb bis zu 60 Prozent seiner Kraft an die Hinterräder ausliefert und weil die Ingenieure der Quattro GmbH alles getan haben, um dem A3 seine Frontlastigkeit auszutreiben. Extrem leichter Turbo-Fünfzylinder, Kotflügel aus Verbundmaterial, Batterie im Kofferraum. Wenige Kilo – aber um jedes Einzelne bin ich am Berg der Berge dankbar. Das ESP ist aktiv, sieht aber keinen Grund in Aktion zu treten. Ich komme an meine Grenzen. Das Auto ganz offensichtlich noch lange nicht. Mein Gott, Walter! Da seid ihr ohne Netz und doppelten ESP-Boden hochgeknallt?

Aufpreise satt

Die Fingernägel in den extradicken Wildleder-Kranz (780 Euro) des Sportlenkrads gekrallt, kommt der erste Tunnel in Sicht. Vor der Einfahrt ein kurzes Stoßgebet – wenn jetzt einer um die Kurve kommt, hilft nur eine Vollbremsung. Der Tunnel ist zu schmal für zwei Autos. Wenigstens diese Sorgen mussten sich die Rallye-Helden am Col de Turini nicht machen. Und auch die Finanzierung ihres Arbeitsgeräts war im Kampf mit dem Berg Nebensache. Das ist heute anders. 49.900 Euro kostet der RS3 ab Werk. Dafür gibt's den mehr oder weniger beeindruckenden RS-Look, 340 PS, Quattro-Antrieb, 19-Zoll-Alus, Sport-Ledersitze, Klimaautomatik, Sportlenkrad und ein CD-Radio. Das hört sich recht komplett an – ist es aber nicht. Sechs Seiten Sonderausstattung sind noch übrig. Und die saugen auf Wunsch locker nochmal 12.000 Euro aus dem Budget. Sei's drum. 

Col de Turni, das heißt 1607 Meter über dem Meer

Doppelrohr am Heck? Muss beim RS 3 sein. Die RS-typischen ovalen Endrohre links und rechts waren aus Platzgründen nicht zu machen.

Nach etwas mehr als 20 Minuten kommt die Passhöhe des Col de Turini in Sicht. 1607 Meter über dem Meer. Der Audi hält seine vier Ringe in die Spätwintersonne, knistert mit jedem seiner fünf Zylinder und dampft zufrieden aus den 18-Zoll-Bremsscheiben. Es wird noch ein paar Stunden dauern, bis das Grinsen in meinem Gesicht verschwunden sein wird. Auch wenn ich um die Bedeutungslosigkeit meiner Bestzeit weiß. Echte Cracks brauchen weniger als die Hälfte. Mein Gott, Walter!
Technische Daten Audi RS 3 Sportback
Motorbauart Reihen-5-Zylinder mit Abgasturboaufladung
Hubraum 2480 cm3
Max. Leistung 250 (340) kW (PS)
Max. Drehmoment 450 Nm (1600-5300 U/Min)
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 4,6 s
Kraftstoffart SuperPlus
Verbrauch 9,1 l
Leergewicht 1650 kg
Basispreis 49.900 Euro
Jochen Knecht

Fazit

Was für eine Fahrmaschine. Der Audi RS 3 überzeugt mit seinem biestigen Fünzylinder, quattro-Antrieb und einem Sportfahrwerk, das keinen Technik-Firlefanz nötig hat. Ich freue mich jetzt schon aufs erste Duell mit dem BMW 1er M Coupé. Aber: Am sehr extrovertierten Look des RS werden sich die Geister scheiden. Ein bisschen mehr Understatement täte dem Über-A3 gut. Und: Warum in einem Auto für knapp 50.000 Euro Kleinigkeiten wie beheizbare Außenspiegel (125 Euro) oder einen automatisch abblendenden Innenspiegel (280 Euro) extra zu berechnen, ist frech.

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