Vier Kompaktsportler im Test

Audi RS 3/BMW M2/Ford Focus RS/Mercedes A 45 AMG: Test

— 29.06.2016

Neuer Focus RS greift an!

Mit 350 PS, trockenem Fahrwerk und Allrad greift der Focus RS die erste Kompakt-Liga an. Erleben M2, RS 3 und A 45 AMG ihr blaues Wunder?

Wo BMW M2, Mercedes A 45 AMG und Audi RS 3 antreten, geht es um die finale Rangordnung im Kompaktsegment; darum, wer nun wirklich den hottesten Hatch baut; oder ob dieser Hotteste mittlerweile nicht doch eher ein Coupé ist. Es geht um Rundenzeiten, Sprintwerte, Bremswege, um Fahreindrücke und auch darum, wer die meiste Performance fürs Geld springen lässt. Nun fährt hier aber auch der neue Ford Focus RS mit. Und wer sich auch nur vage noch daran erinnert, welch eindrucksvolles Konfetti-Feuerwerk sein Vorgänger einst abzog, der kann sich eigentlich an einem Finger abzählen, dass es ganz ohne Gaudi auch dieses Mal nicht ablaufen wird.

Der neue Vierzylinder steht dem Top-Focus wirklich gut

Neue Maschine: Im Bug des RS arbeitet jetzt ein 2,3 Liter großer Turbo-Vierzylinder mit 350 PS.

Versuchen wir dennoch, die Nummer sachlich anzugehen. So wie der Ford selbst, der sich in dritter Generation nun endgültig vom Frontantriebs-Komiker zum Allrad-Rivalen mausert. Sein Spoiler- und Schwellerornat dient nicht länger nur der Aufmachung, sondern erstmals auch einer ausgewogenen Aerodynamik. Der Antriebsstrang arbeitet mit externen Kühlern, die Brembo-Stopper sollen 30 Rennstrecken-Minuten am Stück überstehen; Vorder- und Hinterradaufhängung wurden deutlich steifer ausgeführt, das Adaptivfahrwerk ordentlich nachgewürzt, während sich die geschmiedeten 19-Zöller wieder mit 1000 Euro teuren Sportgummis besohlen lassen. Wirklich entscheidend sind jedoch zwei andere Faktoren, die den Charakter des Focus prägen. Zum einen der neue 2,3-Liter-Ecoboost-Vierzylinder, der den alten Fünfzylinder in Sachen Ansprechverhalten, Kraftentfaltung und Verbrauch mehr als würdig beerbt, emotional dann aber doch nicht ganz in seine Fußstapfen flairt.
Alle News und Tests zum Ford Focus RS

Der Allradantrieb des RS beherrscht verschiedene Gangarten

Extrem variabel: Der Antrieb des Ford arbeitet mit zwei getrennt regelbaren Allradkupplungen.

Nicht falsch verstehen: Die Art und Weise, wie er einen (soundverstärkt) von vorn anknurrt, wie er durchs Doppelrohr faucht und im Lastwechsel drauflosknattert, als hätte jemand eine Batterie Silvesterböller gezündet, das turnt schon an. Nur hallt das unrasierte Joe-Cocker-Timbre von einst einfach noch zu schwungvoll nach, als dass er dagegen ernsthaft angrölen könnte. Punkt zwei trifft den Nagel dafür voll auf den Kopf. Gemeint ist der Allradantrieb, der die 350 PS und 440 – im Overboost 470 – Newtonmeter nun ungleich zielführender verwertet, ohne dabei jedoch auf den Fahrspaß zu schlagen. Im Gegenteil. Das System ist vielmehr Dreh- und Angelpunkt gleich mehrerer Handling-Facetten, die sich entlang der einzelnen Fahrmodi entblättern. Denn im Gegensatz zu konventionellen Hang-on-Lösungen, die stets mit einer Allradkupplung an der Hinterachse arbeiten, besitzt der Focus deren zwei, und diese kann er noch dazu vollkommen getrennt voneinander regeln. Aktiv, stufenlos und vollvariabel bis hin zum Extremfall, in dem nur ein Rad der Hinterachse antreibt.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Was dann passiert, lässt sich schön auf Fords Youtube-Kanal nachempfinden, auf dem so einige Exemplare wild räuchernd um Pylonen kreiseln. Und ja: Das Zitat seiner Entwickler, wonach der "Drift Mode" viele schlechte Fahrer überraschend gut aussehen lässt, können wir an dieser Stelle nur bestätigen. Nun kann man natürlich geteilter Meinung sein, was so ein Modus soll, den man guten Gewissens nur auf aufgesperrter Strecke zünden kann, wenn die heimische Reifenlieferung mal wieder das Wohnzimmer einzunehmen droht; auf der anderen Seite passt die ganze Spielerei aber schon recht perfekt zum Focus, der sich ja noch nie um Konventionen geschert hat, solange die Gaudi stimmt.

Ein Fahrprogramm lässt schlechte Fahrer besonders gut aussehen

Drift-Mode: Der Focus kann es spielerisch leicht quer, aber das empfehlen wir nur für abgesperrte Pisten.

Und diese stimmt auch in den zivileren Modi. Ja, selbst im zivilsten von allen, dem "Normal Mode". Okay, man sitzt noch immer ein wenig überhöht, mehr obenauf als mittendrin. Doch dafür saugnapfen einen die serienmäßigen Sportsitze derart ins Geschehen, dass man sich die 1600 Euro fürs Schalengestühl getrost schenken kann. Und so brezelt man dann über die Hausstrecke. Die zackige Lenkung in der Linken, die glasklar geführte Schaltung zur Rechten, den aufbrausenden Vierender an der Sohle, die Bankette im Visier, während der Allrad dezent aus dem Hintergrund regelt, ganz klassisch als Traktionsversicherung. Als Ideal der Landstraße kristallisiert sich jedoch erst der "Sport Mode" heraus, der die Lenkung nochmals nachzurrt, Ansprechverhalten und Sound anstachelt und mit dem Allrad nun spürbar in die Kurve drallt, sobald man die 1,6 Bar Ladedruck aufs Parkett feuert. Das Ganze fühlt sich dann schon ein wenig nach Evo an und damit deutlich agiler als all die anderen Hang-ons.

Bliebe final noch der "Track Mode", den Ford allerdings nur auf abgesperrten Strecken empfiehlt. Und ganz ehrlich? Selbst dort hätten wir unsere Bedenken. Nicht wegen des Allrads, der in "Track" tatsächlich noch sensationeller von hinten hebelt, sondern wegen der knallharten Dämpfung, die den Focus derart brutal straff auf den Belag spannt, dass die Besatzung bei jeder noch so kleinen Bodenwelle herumhopst wie ein Wackeldackel auf Epo.

Wie sich Audi RS 3, BMW M2 und Mercedes A 45 AMG im Test schlagen, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen sowie den Rundenzeiten am Sachsenring gibt es als Download im Online-Heftarchiv

Ford Focus RS im Vergleich

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Audi RS3 Sportback, BMW M2, Ford Focus RS und Mercedes-AMG A45 (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

10.06.2016

Preis:

1,00 €

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