Audi RS 3: Fahrbericht

Audi RS 3 Sportback Audi RS 3 Sportback

Audi RS 3: Fahrbericht

— 10.01.2011

Ein Audi scharf wie Chili

Das Beste kommt zum Schluss: Audi würzt beim A3 noch mal so richtig scharf nach – mit dem RS 3. Das kompakte Sportgerät bespaßt seinen Piloten mit 340 Turbo-PS und starken Fahrleistungen.

Achtung, hier kommt Chili auf Eis. Der schärfste Audi A3 aller Zeiten scharrt ungeduldig mit allen Vieren auf Startfreigabe. Frei nach dem Motto, das Beste zum Schluss, serviert Audi im April 2011, ein Jahr vor Ablösung des aktuellen A3, den RS 3 Sportback. Als direkten Konter zum gleich starken BMW 1er M-Coupe pfeffert auch der Ingolstädter Kompaktsportler mal eben schlanke 340 Turbo-PS auf den Asphalt– oder eben auf den weißen Teppich, den wir bei ersten Testfahrten durchpflügten. Auf halbstark macht er dabei nicht. Vergleichsweise dezent wurden die vorderen Kotflügel (aus Kohlefaser) ausgestellt, hinten rücken die Räder weiter nach außen. In den vorderen Stoßfängern größere Lufteinlässe, der Grill mit Wabenstruktur, dazu hinten ein sozialverträglicher Heckspoiler und ein farblich abgesetzter Diffusor. Damit kann man sich noch sehen lassen.

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Zum ständigen Alltagseinsatz allerdings bedarf es schon der richtigen Einstellung. Der RS 3 ist ein harter Bursche, vor allem unter der Taille. Die Dämpfer reagieren auf Unebenheiten komplett humorlos und reichen Schläge trocken weiter. Audi würde jetzt von sportlicher Härte sprechen, ehrlicher wäre es, es spärlichen Restkomfort zu nennen. Das sollte man wissen und auch mögen bevor man unter dem Kaufvertrag seinen Kaiser Wilhelm setzt. Piloten mit Nehmerqualitäten entschädigt der ausschließlich als Fünftürer und mit Siebengang S-Tronic erhältliche RS 3 großzügig. Der um 20 Millimeter tiefer gelegte Ringkämpfer ist ein erdgebundener Düsenjet erster Kajüte. 4,9 Sekunden auf Tempo 100 verspricht Audi und abgeregelte 250 Spitze. Glaube ich sofort. Das Quattrosystem mit der Haldexkupplung der 4. Generation – im Prinzip identisch mit dem 4-Motion aus dem Golf R - verteilt dabei die unbändige Kraft souverän und blitzschnell auf alle Viere.

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Fahrmaschine: Dank intelligentem Allrad verschiebt der RS3 die Grenzen der Physik.

Ein extra Druckspeicher sorgt hier zusätzlich für Tempo. Bei Normalfahrt bekommen beide Achsen 50 Prozent, das clevere System kann aber je nach Anforderung und Straßenzustand auch bis zu 100 Prozent der Kraft nach vorne oder hinten schicken. Könner am Steuer entlocken dem Muskelberg so spielerisch atemberaubende Driftwinkel und Laien registrieren, dass es der RS 3 irgendwie schafft physikalische Grenzen ein ganzes Stück weiter hinauszuschieben, in einen Grenzbereich, in dem sich Fahrspaß und Übermut zu einer gefährlichen Melange vereinen. Über eine Taste im Cockpit lässt sich dieser Spaß noch steigern. Deshalb steht wohl auch ein "S" drauf. Kurz gedrückt, werden Motorkennfeld, Schaltpunkte und Gaspedalstellung geschärft, über eine Klappe im Auspuff mutiert das ohnehin schon heisere Bellen des 2,5-Liter-Fünfzylinders in ein ganz böses Grollen.

Rund 49.900 Euro dürfte Audi für seine Chilischote verlangen. Dabei kosten – welch Überraschung! - Schalensitze, Lederausstattung, Navisystem oder das veloursbezogene Sportlenkrad unseres Testwagens natürlich noch extra. Es hat ja schließlich niemand behauptet, dass auch die Preise scharf kalkuliert sind.
Tomas Hirschberger

Tomas Hirschberger

Fazit

Der RS3 ist ein ebenso faszinierendes wie unvernünftiges Sportgerät. Kein Mensch braucht 340 PS im Golf-Format zum Preis einer Oberklasse-Limousine. Aber wie langweilig wäre das Leben, wenn wir immer nur vernünftig wären.

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