Vermutlich hatte der Audi noch davon gehört. Davon, wie sein Vorfahre in Gestalt des RS 3 nach Schwabach zog, um Evo und STi das Sachsenringen zu lehren. Und wie er zwei Wochen später mit geschürften Spoilern und gestrahlten Radhäusern zurückkehrte, um dem Testwagenpool entgeistert etwas von Schotter, Sprungkuppen und Waldschneisen zu erzählen. Von Möchtegern-Loebs, die an seiner Handbremse herumrissen; einem Autor, der in seiner Kindheit wohl etwas zu oft im Sandkasten gespielt hatte; und generell von einer vollkommen verrückten Weltanschauung, die quattro nicht mit Premium, Lifestyle oder Ästhetik, sondern allen Ernstes mit ausgetretenen Hinterlandäckern assoziierte. Nun, was sollen wir an dieser Stelle sagen, lieber S3? Außer vielleicht: Willkommen zur Neuauflage genau dieser Story!

Drift-unwilliger Allrad-S3

Audi S3
Der Audi lässt es im Test bei sanften Powerslides bewenden. Immerhin: "ESP off" ist wörtlich gemeint.
Bild: Ronald Sassen
Audi S3 Limousine Wobei sich der S3 den Schotter-Clinch diesmal wirklich selbst zuzuschreiben hat. Wer sich viertürig kleidet, seinen Turbo zweifach litert und das resultierende Normmaß von 300 PS selbstbewusst an vier Räder schickt, der balzt so unverhohlen im Dunstkreis der japanischen Traktions-Viecher, dass ein ausführlicher Vergleich auf staubiger Piste zur Pflicht gehört. Sein Allrad bemüht sich selbst im gröbsten "Schlamassel" noch um Fahrsicherheit, zieht den Drift allenfalls mit, leitet ihn selbst jedoch nie ein.
Subaru WRX STi
Auf Schotter macht dem Subaru bis heute keiner etwas vor. Grund: die gnadenlose Traktion.
Bild: Ronald Sassen
Subaru WRX STi Den eigentlichen Anlass stellt jedoch Subaru in Form des neuen WRX STi, der nach drei Jahren nun sein nächstes Technik-Upgrade erhielt, gleichzeitig in eine neue Schale schlüpfte, am Ende aber dennoch ganz der alte bleibt. Selbst optisch gibt sich der Japaner trotz des Wandels traditionsbewusst. Über der neuen Front mit hexagonal gewinkeltem Grill thront noch immer die charakteristische Hutze. Kantige Kotflügel wuchern ungeniert in die Breite, auf dem Heckdeckel spannt sich ein Leitwerk, das zur Not auch als Tragflügel durch ginge, während vier faustdicke Endrohre ein Loblieb auf den 2,5-Liter-Boxer wummern. Da können die Japaner noch so sehr die um 200 Millimeter nach vorn gerückte A-Säule bewerben, die fließendere Dachlinie preisen und betonen, dass all jene, die nicht wissen, was sie sich da kaufen, ihn ja auch ohne Flügel bestellen können – ästhetisch bleibt der STi so grenzwertig wie skurril; im Ansatz halbstark, im Finish pubertär und inmitten all der geschliffenen Hochglanz-Schnösel genau deshalb so liebenswert.
Mitsubishi Lancer Evolution X
Auf der Bremse anstellen, Lenkung öffnen, mittels Gas stabilisieren und rum: So slidet der Mitsubishi.
Bild: Ronald Sassen
Mitsubishi Lancer Evolution X Eitelkeiten gehen dem Mitsubishi galant am Allerwertesten vorbei. Zum einen, weil ihm die Perfektion des Allradantriebs stets wichtiger war als jede Form der Etikette; zum anderen aber auch, weil Mitsubishi den Evo-Mythos lieber ausbluten lässt, als ihn weiter zu kultivieren. Rückhalt fehlt mittlerweile sogar in der Presseabteilung, die unsere Anfrage mit der Begründung ablehnte, dass man sich einen Evo für Performance-Tests nicht mehr leiste. Dass er dennoch in dieser Geschichte mitdriftet, verdanken wir einzig und allein Evo-Papst Hermann Gassner, der kurzerhand ein Serienmodell aus seinem Fuhrpark zur Verfügung stellte. Auch der Evo definiert sich primär über seinen Allrad, der ganz nebenbei noch immer zum Allerbesten gehört, was man sich unters Blech spreizen kann.

Fazit

von

Manuel Iglisch
Rein rational fährt der Audi einen Sieg auf ganzer Linie ein. Er ist so fahrsicher wie schnell, so ausgewogen wie modern und dabei keinen Deut teurer als seine japanischen Mitstreiter. Nur entscheidet diesmal nicht der Kopf, sondern das Herz. Und das schlägt noch immer für den Mitsubishi, der sich geradeaus auch mit Handschaltung etwas schwertut, mit seiner einzigartigen Allrad-Choreografie aber noch immer Rallye-Flair vom Allerfeinsten versprüht. Emotional reizt der mechanisch ehrliche, dazu herzhaft stampfende STi sogar noch intensiver. Seine Schwäche bleibt die Querdynamik auf Asphalt – die mit seinem Schottertalent nicht einmal ansatzweise mithalten kann.