BMW 3er (1990-1998)

Gebrauchtwagen BMW 3er-Reihe Gebrauchtwagen BMW 3er-Reihe

BMW 3er (1990-1998)

— 25.02.2002

Ein Preis für zwei Dreier

Ein Preis, zwei BMW: 325i und 316i compact – ein Vergleich, der sich ganz hinten entscheidet.

Marktlage und Ausstattung

BMW steht für Rasanz, Dynamik und eine gehörige Portion Überholprestige. Dieses Image färbt natürlich auch auf die Gebrauchten ab, und manch einer beginnt heftig mit den Kontoauszügen zu rascheln, wenn ein 91er 325i angeboten wird – 192 PS stark, 235 Sachen schnell. Rund 16.000 Mark werden dann im Minimum fällig. Dafür sind frühere Baujahre mit maximal 120.000 Kilometern auf dem Markt.

Interessenten sollten allerdings die Folgekosten im Auge behalten: etwa die Haftpflicht-Typklasse 20 oder die Tatsache, dass teure V-Reifen (Stück rund 320 Mark) vorgeschrieben sind. Sicher ein Grund, auch andere BMW in die engere Wahl zu ziehen. Zum Beispiel den kurzen compact mit der großen Heckklappe. Als 316i steht so etwas aus dem Baujahr 95 für 19.300 Mark in der Liste. Hat er aber bereits 110.000 Kilometer gelaufen wie unser Fotomodell, sinkt der Kurs ebenfalls auf attraktive 16.000 Mark.

Dafür bekommt man ein Auto, das nicht nur jünger, sondern auch moderner ist. Denn der compact bietet grundsätzlich ABS und Fahrerairbag, ab 96 auch einen Beifahrerairbag. Beim Viertürer heißt es dagegen aufpassen: Das Antiblockiersystem gehörte lediglich beim 325i von Anfang an zur Serienausstattung, die schwächeren Typen wurden dagegen nur gegen Aufpreis mit der Stotterbremse ausgerüstet. Und Airbags waren zwar lieferbar (für den Beifahrer ab 93), wurden aber damals wegen der saftigen Preise nur selten geordert.

Fahrwerk und Platzangebot

Der compact steht also in jedem Fall auf der sicheren Seite. Für sein Fahrwerk gilt dies jedoch nur bedingt: Es muss mit der Hinterachse des Vorgängers auskommen, der als Heckschleuder berüchtigt war. Viel ist davon glücklicherweise nicht zu spüren, doch in extremen Situationen entwickelt das Heck ein Eigenleben. Der Viertürer bleibt viel gelassener und bietet nebenbei den besseren Federungskomfort. Groß sind die Unterschiede jedoch nicht, auch der compact gehört zu den besonders komfortablen Autos, und handlich sind sie beide. Auch wenn die Servolenkung zu Beginn in den meisten Modellen der Limousine aufpreispflichtig war.

Übrigens sind die Differenzen im Platzangebot kleiner, als es die unterschiedliche Außenlänge beider Modelle zunächst erscheinen lässt. Vorn sitzt es sich in beiden Dreiern gut, hinten befinden sich in beiden die billigen Plätze – ein paar Zentimeter mehr oder weniger ändern daran nichts. Der große Unterschied liegt im Gepäckabteil: Der Kofferraum der Limousine genügt, der compact-Fahrer kann und muss öfter mal die Rückbank umklappen.

Gemeinsamkeiten dagegen bei den typischen Fehlerquellen: Eher früher als später erwischt es bei beiden die Traggelenke der Vorderachse, die laut klappernd auf eine fällige Erneuerung aufmerksam machen. Bei höheren Laufleistungen sind dann auch die Spurstangen fällig. Die Hinterachse ist beim compact unauffällig, bei der Limousine treten vereinzelt Radlagerschäden auf, die sich als Jaulen bemerkbar machen. Für Werkstätten ist die Diagnose schwierig, da ein lautes Differenzial mit ähnlichen Tönen auf sich aufmerksam macht. Diese treten im Dreier gehäuft auf, stellen aber keinen echten Mangel dar. Ungeachtet der Geräusche laufen sie ewig.

Motor und Technik

Für die Motoren gilt das nur bedingt. Unauffällig: die Vierzylinder mit Nockenwellenkette, 316i und 318i ab September 93 und der 318tds. Die davor unter gleicher Bezeichnung gebauten Motoren mit 100 und 113 PS benötigen alle 45.000 Kilometer einen neuen Zahnriemen und neigen zu Ölverlust. Ein Kapitel für sich sind die Sechszylinder: Alle Typen vom 320i bis zum M3 – auch 325td und -tds – neigen zu Schäden am Zylinderkopf. Und davon sind nicht nur Exemplare betroffen, die nach dem Kaltstart brutal getreten wurden.

Alle Sechser-Köpfe bekommen irgendwann Risse, Wasser gelangt in Ölkanäle und Brennraum – Aus. Ein neuer Kopf für unseren 325i kostet 5000 Mark. Allerdings sei hier nicht verschwiegen, dass diese Reihensechszylinder auf Technik-Fans einen ungeheuren Reiz ausüben. Vom seidigen Lauf geht eine Faszination aus, die der durchschnittlich laufruhige Vierzylinder nicht bietet. Und im Verbrauch sind die Unterschiede nicht so groß, dass sie gegen den Sechser sprächen.

Übrigens ist auch der compact mit sechs Töpfen zu haben. Als 323ti behauptet er derzeit eine Sonderstellung zwischen Golf und Co. Aber die Version ist selten, gebraucht kaum zu bekommen und muss mit dem größten Manko des compact leben: dem altbackenen Cockpit. Es stammt ebenfalls aus dem alten Dreier (E 30), ergänzt um den Instrumenteneinsatz des jüngeren Modells. Und der versagt auch mitunter, dann spinnt die Tankuhr, oder die Wartungsintervallanzeige zeigt abstruse Werte. Das Austauschteil kostet etwa 350 Mark.

Resümee: Die Münchener Kurzversion ist das bessere Einstiegsmodell. Solider Motor, Sicherheitselemente und die günstige Einstufung machen ihn attraktiver. Fürs gleiche Geld gibt es im älteren 325i zwar mehr Kofferraum und Leistung, aber auch mehr Reparaturrisiko und viel höhere Kosten.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 12/90 Modelleinführung des E36 als viertürige Stufenheck-Limousine mit Motoren von 113 bis 192 PS. 316i, Kombi und Cabrio werden auf Basis des Vorgängers weitergebaut 10/91 Einführung 325td 2/92 Vorstellung Coupé 3/93 Einführung Cabrio 5/94 Modelleinführung 316i compact und M3 Limousine 1/95 Umstellung der Sechszylinder auf Aluminium-Motorblock, Bezeichnung nun 320i, 323i und 328i, Einführung touring 4/98 viertürige Limousine vom E46 abgelöst

Schwachstellen • Vorderachse ist an den Traggelenken unterdimensioniert. Die schlagen schon nach etwa 60.000 Kilometern aus, hörbar an lautem Geklapper auf kurzen Unebenheiten • Elektrik ist nach wie vor heikel bei BMW, Lichtmaschinen und Batterien sind dem hohen Strombedarf des umfangreichen Bordnetzes nicht immer gewachsen • Hinterachse hält zwei Geräuschquellen bereit: Die Differenziale jaulen - unabhängig vom km-Stand - oft wie eine Straßenbahn, ein ganz ähnliches Geräusch verursachen defekte Radlager • Kabelbaum knickt an der Durchführung in die Heckklappe. Dann spinnen Zentralverriegelung und Kennzeichenleuchten

Reparaturkosten Preise inklusive Montage und Mehrwertsteuer am Beispiel 316i compact, 75 kW/102 PS, Bj. 1995. Hier fügt sich der kleine BMW in den Rahmen der Kompaktklasse. Beim 325i sieht es anders aus: Motor 12.300 Mark, Getriebe 3900.

Fazit und Urteil

Fazit "Wer sich für einen gebrauchten compact interessiert, wird schnell feststellen, dass dieses Auto hinsichtlich seiner Verarbeitungsqualität hinter dem von BMW gewohntem Standard zurückbleibt. Selbst die oft gescholtenen frühen Dreier der Serie E36 sind in diesem Punkt besser. Die Technik ist hingegen dauerhaft wie erwartet. Die Vierzylinder – auch der Diesel – sind völlig problemlos, vom jungen Common-Rail-Diesel gibt es noch kaum Erfahrungen. Ältere Sechszylinder verlangen Aufmerksamkeit: 320i, 325i, 325td und -tds fallen öfter mit Zylinderkopfschäden auf. generelles Übel der ganzen Baureihe sind die Traggelenke der Vorderachse: Sie sind häufig schon nach 60.000 Kilometern ausgeschlagen." Götz Vogeler, BMW-Gebrauchtteile-Händler, Hamburg

AUTO BILD-Urteil 325i: empfehlenswert – 316i compact: sehr empfehlenswert

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.