Power-Limousinen im Vergleich

BMW M3/Cadillac ATS-V/Mercedes-AMG C 63 S: Test

— 04.01.2016

Power-Limos am Limit

Der neue Cadillac ATS-V wirkt etwas kantig, mag es aber gerne kurvig. Im ersten Vergleich trifft er auf BMW M3 und Mercedes-AMG C 63 S.

Cadillac gehört ja eher zu den Marken, die mit schweren Geschützen in den Markt zielen. Die Nobelmarke von GM trägt eben gern etwas dicker auf, meidet schon aus Tradition die mikrobischen Autosphären und war eigentlich auch nie sonderlich darauf erpicht, waschechte Sportler heranzutrainieren. Mit dem 2012 erschienenen ATS änderte sich einiges. Die Mittelklasse-Limousine sieht nicht nur richtig gut aus, sie fährt auch so. So gut sogar, dass man sie nun erstmals zur V-Serie befördert hat. Und ie muss sich – laut Cadillac – keinesfalls vor M3 und C 63 verstecken, da sie mindestens ebenso schnell, wenn nicht noch schneller sei. Nun gut, finden wir’s raus!

Im Cadillac-Teileregal findet der ATS-V viel Sportlichkeit

Video: Cadillac ATS-V (2015)

So klingt der Power-Caddy

Der Ami darf seinen Mund durchaus voll nehmen: Einerseits, weil er stellenweise in die gleichen Technikregale wie CTS-V oder – Achtung! – Corvette greift, andererseits, weil er auch sonst kaum noch etwas mit einem gewöhnlichen ATS zu tun hat. Magnetic-Ride-Fahrwerk, Achtstufen-Automatik und die aktive Hinterachssperre gehen aus dem konzerneigenen Performance-Fundus hervor. Dazu gesellen sich rundstreckenerprobte Brembo-Stopper, die grandiose Traktionselektronik, die überschüssige Power hauchfein über die Zündung reguliert, stärkere Stabis sowie eine rundum überarbeitete Radaufhängung, die sich größtenteils auf spielfreie Kugelgelenke lagert. Das gesamte Chassis hat rund 25 Prozent an Verwindungssteifigkeit, gleichzeitig aber auch ordentlich an Gewicht zugelegt, sodass am Ende 1734 muskulös verpackte Kilos auf den werksspezifisch gebackenen Michelin-Reifen lasten. Das Paradoxe daran: Ein Großteil der zusätzlichen Pfunde geht ausgerechnet auf die zuvor erwähnten Performance-Teile zurück. Und natürlich auf den 470 PS starken V6, der im Prinzip aus einem alten Bekannten hervorgeht, für Cadillac aber dennoch ein ganz neues Kapitel aufschlägt.
Alle News und Tests zum Cadillac ATS-V

Im Bug des Amis arbeitet ein klassischer Biturbo-V6

Gierig: Mit 470 PS und 603 Nm aus dem neuen Biturbo-V6 saugt der Cadillac ATS-V die Straße auf.

Denn erstmals wagt sich der Hersteller nun an einen klassischen Biturbo. Kein überschäumendes Hubraum-Monster, keine Kompressor-Keule, sondern Aufladung nach ganz neuer Schule. Doch keine Sorge: Innovationswütig werden die Amis deswegen noch lange nicht. Denn im Gegensatz zu BMW, die eine extrem kompakte Anordnung direkt an den beiden Krümmern realisieren, oder Mercedes, die die Turbolader gleich direkt ins Zylinder-V pflanzen, schraubt Cadillac die Verdichter jeweils ganz klassisch an die Zylinderbank, was etwas längere Ladeluftwege zur Folge hat. Die Ladeluftkühlung erfolgt ebenfalls nach altbekannter Art in einem ausgelagerten Kühler, nicht im kompakten Wassermantel, wie man ihn andernorts immer häufiger sieht. Oder anders gesagt: Die Motoren von BMW und Mercedes wurden als Turbotriebwerke geboren, der Cadillac einfach nur zum Turbo gemacht – und genau das spürt man. Am trägeren Ansprechverhalten, am eher lustlosen Ausdrehen und an der insgesamt recht gleichgültig dahinplärrenden Klangkulisse, die außen deutlich charmanter röhrt als innen. 

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Hinzu kommt der softrockige Achtstufen-Automat, der seine Übersetzungen insgesamt zwar recht eng aneinandersteppt, über 200 km/h jedoch, wo sich der Caddy schon aus rein anatomischen Gründen eher schwertut, dann doch etwas zu sehr in die Länge dehnt. 304 km/h soll die Powerlimousine laufen; für mehr als 290 nach Tacho fehlte uns leider stets der nötige Auslauf.

Trotz Leistungsdefizit wirkt der BMW M3 sehr athletisch

Gute Kombi: Aufgeladener Reihensechser und hellwache Automatik machen den M3 zum Asphalt-Athleten.

Untenherum liegen die Werte dagegen im Soll. Gerade vom Stand weg, wo der ATS-V mit richtig viel Traktion voranschnalzt, seine 603 Newtonmeter wuchtig ausbreitet und engagiert durch seine ersten Fahrstufen steppt. 4,3 Sekunden auf hundert, 14,5 aufs Doppelte. Das geht durchaus in Ordnung, wobei diejenigen, mit denen er sich unbedingt messen wollte, doch eine ganze Ecke flotter sprinten. Selbst der BMW, der eigentlich um 39 PS und 53 Newtonmeter unterlegen ist, das nominelle Defizit jedoch locker über seine Athletik kompensiert. Sein Reihensechser hängt viel wacher am Gas, drückt früher, dreht länger und entfaltet seine Kraft um Welten entschlossener als der Biturbo im Cadillac. Hinzu kommt der ebenso hellwache Doppelkuppler, der Paddelbefehle direkt von den Fingerkuppen abzugreifen scheint, unglaublich rabiat durch die Übersetzungen rammt und seine sieben Gänge nahezu perfekt übers gesamte Geschwindigkeitsspektrum spannt. Aber die Maschine läuft kein bisschen samtig, eher kratzbürstig, und radaut auf der optionalen Performance-Abgasanlage auch ziemlich beliebig herum. Wie sagt man so schön? Der Ton macht die Musik.
Alle News und Tests zum BMW M3

Bei höheren Geschwindigkeiten enteilt der Mercedes

Hochgeschwindigkeits-Express: Ab 200 km/h eilt der Benz der Konkurrenz davon, schafft 290 km/h Spitze.

Womit wir endlich beim AMG wären, dessen Komposition man deutlich unmissverständlicher entnehmen kann, welche Anordnung vorn die Rhythmik schmiedet. Bassig im Grundton, schnorchelnd im Hochdrehen, düster brodelnd im Schub und zum Herunterschalten geradezu aufreizend vulgär zwischengassprotzelnd. Und das Beste: Der zünftige Beat verspricht nichts, was der Achtender nicht auch halten könnte. Okay, die beiden Lader genehmigen sich ein Millisekündchen mehr Zeit zum Luftholen, doch dafür fackeln anschließend satte 700 Newtonmeter übers Drehzahlband. Wuchtig, aufbrausend und derart massiv, dass man schon mit viel Feingespür durch die ersten Stufen füßeln muss, wenn man in die Nähe der Werksangabe kommen will. Denn wie früher gilt: Der beste Start ist der, der nahezu ohne Schlupf auskommt. Bis 160 km/h hadert der Benz zwar noch ein wenig mit seinen 1740 Kilogramm und den ersten Schaltvorgängen, die etwas unwirsch ins Geschehen rupfen, danach jedoch entledigt er sich seiner Kontrahenten. Erst des Cadillac, dem er recht locker davonstürmt, dann des BMW, den er spätestens ab 200 niederwuchert, um danach selbst manch ambitioniert orgelndem Porsche gnadenlos ins Heck zu kriechen. Auf Wunsch sogar bis Tempo 290.
Alle News und Tests zum Mercedes-AMG C 63 S

Wie sich die drei Konkurrenten fahren, sehen Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.
Fahrzeugdaten BMW Cadillac Mercedes-AMG
Modell M3 ATS-V C 63 S
Motorbauart R6 V6 V8
Aufladung / Ladedruck Biturbo / 1,25 bar Biturbo / 1,25 bar Biturbo / 1,3 bar
Einbaulage vorn längs vorn längs vorn längs
Ventile / Nockenwellen 4 pro Zylinder / 2 4 pro Zylinder / 4 4 pro Zylinder / 4
Hubraum 2979 cm³ 3564 cm³ 3982 cm³
Bohrung x Hub 84,0 x 89,6 mm 94,0 x 86,0 mm 83,0 x 92,0 mm
Verdichtung 10,2:1 10,2:1 10,5:1
Leistung kW (PS) b. 1/min 317 (431) / 5500-7300 346 (470) / 5850 375 (510) / 5500-6250
Literleistung 145 PS/l 132 PS/l 128 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min 550 / 1850-5500 603 / 3500 700 / 1750-4500
Antrieb Hinterrad Hinterrad Hinterrad
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung 8-Stufen-Automatik 7-Stufen-Automatik
0-100 km/h 4,1 s 4,3 s 4,1 s
Vmax 280 km/h (abgeregelt) 304 km/h 290 km/h (abgeregelt)
Bremsen vorn 400 mm / innenbel. / gelocht 370 mm / innenbelüftet 402 mm / innenbel. / gelocht
Bremsen hinten 380 mm / innenbelüftet 339 mm / innenbelüftet 360 mm / innenbel. / gelocht
Bremsenmaterial Keramik Stahl Keramik / Stahl
Radgröße vorn – hinten 9 x 19" – 10 x 19" 9 x 18" – 9,5 x 18" 8,5 x 19" – 9,5 x 19"
Reifengröße vorn – hinten 255/35 ZR 19 – 275/35 ZR 19 255/35 ZR 18 – 275/35 ZR 18 245/35 ZR 19 – 265/35 ZR 19
Reifentyp Michelin Pilot Super Sport (*) Michelin Pilot Super Sport Michelin Pilot Super Sport (MO)
Länge / Breite / Höhe 4671 / 1877 / 1424 mm 4689 / 1828 / 1425 mm 4756 / 1839 / 1426 mm
Radstand 2812 mm 2775 mm 2840 mm
Tankvolumen 60 l 62 l 66 l
Kofferraumvolumen 480 l 295 l 435 l
Testwagenpreis 92.090 Euro 75.000 Euro 96.986 Euro

Cadillac ATS-V im ersten Vergleich

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Cadillac ATS-V, BMW M3 und Mercedes-AMG C 63 S (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

11.12.2015

Preis:

1,00 €

Autor:

Manuel Iglisch

Fazit

Etwas mehr Punch, und dem ATS-V wäre hier tatsächlich die Sensation gelungen! Der Ami fährt extrem ausgewogen, kurvt absolut sensationell, kommt mit Abstand am günstigsten und landet nur deshalb nicht ganz vorn, weil AMG einen Bullen von Motor noch ausgewogener verpackt und die M GmbH einen Jahrhundertantrieb mit ebensolchem Handling kredenzt.

Stichworte:

Sportlimousine

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