BMW X5 M gegen Porsche Cayenne Turbo: Vergleich

— 09.09.2010

Das total verrückte Elefantenrennen

Sie sind die kräftigsten Tiere im SUV-Universum. Stark wie Planierraupen, schnell wie Supersportwagen und durstig wie Brauereipferde. BMW X5 M gegen Porsche Cayenne Turbo – zwei Super-SUVs Marke Überfluss.



Wieso überhaupt "M"? BMW X5 M, das ist wie John Deere GTI. Der Klotz widerspricht allem, was der M GmbH, der BMW-Tochter für den sportlichen Ernstfall, bisher heilig war. So ändern sich die Zeiten, nach dem Motto: Wenn sich Porsche für einen Cayenne nicht zu schade ist, kann sich die BMW M GmbH einen X5 M herausnehmen. Hauptsache, das Monster verkauft sich. Zugegeben, es fällt schwer, unvoreingenommen an diese Power-SUV heranzugehen. Knapp 2,4 Tonnen wiegt so ein X5, bewegt von 555 PS. Aber hier befeuern sie kein sportliches Juwel, wie sonst bei einem M-BMW, sondern einen getunten Turbo- V8 mit Großserienhintergrund. Statt Austern-Risotto ein Big Mac. Ehrenrührig? Ansichtssache. Immerhin geht der Koloss damit ab wie ein reinrassiger M3 und stellt in Sachen PS jeden anderen M-Motor in den Schatten. Ebenso den Turbo-V8 des Cayenne Turbo – der hat zwar mehr Hubraum, aber weniger Leistung (500 PS). Nur im Drehmoment legt der Porsche eins drauf: 700 Nm statt 680 beim X5 M. Und er wiegt zwei Zentner weniger.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW X5 M

Irre sind diese Zahlen in jedem Fall. Unfassbar das Ergebnis – wie ein Ritt auf einem Elefanten, mit einer Hellfire-Rakete im Hintern. Und dazu ein Auspuffsound wie Beelzebub, wenn er gurgelt. Keine 17 Sekunden, und die Tachonadel steht auf 200, BMW und Porsche liegen praktisch gleichauf. Erst bei 250 km/h löst sich der Cayenne, denn der X5 M läuft in den Begrenzer. Unlimitiert schafft der Porsche 278. Wie sich das anfühlt? Etwa wie im Reisebus. Bei Tempo 280. Und alles vollkommen gelassen. Gespenstisch also, bis hin zur Gänsehaut, und das nicht nur auf der Autobahn. Schließlich lehrt uns die Physik: Hohe Autos mit breiten Reifen überschreiten ihr Kurvenlimit liegend. Sie driften nicht, sie kippen. So weit die Theorie, doch die Praxis auf abgesperrter Piste liefert andere Resultate.

Überblick: Alle News und Tests zum Porsche Cayenne

Bayern-Bomber: 555 Turbo-PS katapultieren den X5 in die Gesellschaft der Supersportwagen.

Bei abgeschaltetem ESP und geeigneter Gaspedalbetätigung lässt der BMW in den engeren Kurven sogar dezent, aber genussvoll sein Heck heraushängen – schön und harmlos, denn der variable Allradantrieb plus eine volle Dosis Elektronik machen den Vorgang narrensicher. Außerdem neigt er sich kaum, folgt vorbildlich präzise dem Lenkeinschlag und pfeffert derart vehement und traktionsstark um die Ecken, dass einem die sorgsam gepflegte SUV-Kritik im Hals stecken bleibt. Nicht viel anders ergeht es dem Fahrer im Porsche. Seine Lenkung und Bremsen funktionieren weniger straff, in Kurven schiebt er stärker über die Vorderräder. Aber unverschämt schnell ist auch er.

Wir entlassen die Renn-Elefanten von der Piste in die Realität deutscher Landstraßen. Hier geht es grober zu. Und nun gelingt es dem luftgefederten Porsche aufzutrumpfen. Verblüffend, wie behende das Ungetüm über den Asphalt fegt, wie präzise er die schnellen Wechselkurven durchmisst. Viel leichtfüßiger noch als der BMW und obendrein komfortabler. Es sitzt sich auch bequemer mit mehr Seitenhalt, ganz abgesehen von der Verwöhnausstattung, die keine Wünsche offenlässt. Der X5 M kann auf diesem Terrain den SUV weniger erfolgreich kaschieren als auf topfebener Piste. Die höheren Lenkkräfte verlangen mehr Körpereinsatz, er wirkt massiger und stakst hölzern über Teerflicken und durch Schlaglöcher. Hervorragend abgestimmt dagegen die Sechsstufenautomatik des BMW, während der Achtstufenautomat des Cayenne schon mal die Gänge reinbolzt. Immerhin verfügt der neue Porsche-Antrieb über einen Geländemodus und eine Start-Stopp-Funktion – gut zu wissen, aber für den typischen Cayenne-Turbo-Kunden kaum kaufentscheidend.

Duell der Super-SUVs: Porsche Cayenne gegen KMW AMPV

Wer steht besser da? Schwer zu sagen. Innen überzeugt der Cayenne mit mehr Exklusivität. Von außen betrachtet, lässt sich feststellen, dass weder BMW noch Porsche vor den Grenzen des guten Geschmacks halt machen. Die M-Version des X5 leistet sich einen Bodykit von erhöhtem Peinlichkeitsgrad. Und der Cayenne versucht erneut, Meg Ryans Nase mit dem Körper eines Büffels zu vermählen. Beides nicht hübsch. Aber Schönheit ist bei diesen Autos ja nicht das Thema.
FAHRZEUGDATEN BMW PORSCHE
Motor Bauart/Zylinder/Einbaulage V8, Biturbo, vorn längs V8, Biturbo, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 4395 cm³ 4806 cm³
kW (PS) bei U/min 408 (555)/6000 368 (500)/6000
Nm bei U/min 680/1500 700/2250
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 278 km/h
Getriebe Sechsstufenautomatik Achtstufenautomatik
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 275/45 – 315/35 R 20 Y 295/45 R 21 Y
Radgröße 10 – 11 x 20“ 10 x 21“
Abgas CO2 325 g/km 270 g/km
Verbrauch* 19,3/10,8/13,9 l 16,2/8,8/11,5 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 85 l/Super plus 100 l/Super plus
Vorbeifahrgeräusch 73 dB (A) 73 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 3000/750 kg 3500/750 kg
Kofferraumvolumen 620–1750 l 670–1705 l
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
PREISE/AUSSTATTUNG BMW PORSCHE
Modell X5 M Cayenne Turbo
Navigationssystem ab 3180 Euro S
Elektr. Heckklappenbetätigung 560 Euro 655 Euro
Zwei-Zonen-Klimaautomatik S S
Xenon-Licht S S
Metalliclackierung S S
Peis (wird bewertet) 105.900 Euro 123.529 Euro*
S = Serie,* inkl. PDCC für 3213 Euro, PTV für 1488 Euro, Servotronic für 262 Euro und 21-Zoll-Bereifung für 3040 Euro
MESSWERTE BMW PORSCHE
Beschleunigung 0–50 km/h 1,6 s 1,7 s
0–100 km/h 4,7 s 4,7 s
0–200 km/h 16,7 s 16,9 s
Zwischenspurt 60–100 km/h 2,4 s 2,6 s
80–120 km/h 3,0 s 3,0 s
Leergewicht/Zuladung 2368/537 kg 2260/620 kg
Gewichtsverteilung v./h. 52/48 % 55/45 %
Wendekreis links/rechts 12,7/12,8 m 11,7/11,9 m
Bremsweg aus 100 km/h kalt 34,3 m 35,6 m
aus 100 km/h warm 36,2 m 36,4 m
Innengeräusch bei 50 km/h 60 dB (A) 60 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 67 dB (A)
bei 130 km/h 70 dB (A) 71 dB (A)
Testverbrauch CO2 15,5 l SP – 368 g/km 14,2 l SP – 336 g/km
Reichweite 540 km 700 km
Mega-SUVs: Der große Durst
BMW X5 M Porsche Cayenne Turbo
Normverbrauch 13,9 l/100 km 11,5 l/100 km
Testverbrauch 15,5 l/100 km 14,2 l/100 km
Maximalverbrauch 51,5 l/100 km 44,6 l/100 km

Zwei Redakteure, zwei Meinungen: Brauchen wir diese fetten Super-SUVs?

Pro: Karl-August Almstadt

Karl-August Almstadt: "Schnelle Super-SUVs – her damit!"

"Dinosaurier, Säufer-SUV: Wieso diese Ablehnung gegenüber den PS-Boliden? Neid der Besitzlosen? Oder politisches Fahrradfahren? Mit welchem Recht, bitte, Ihr Weltverbesserer, schwingt Ihr Euch hier zum Oberzensor auf? Vor allem: Mit welcher Legitimation? Wollt Ihr eine PS-Beschränkung, ein Format reduzieren? Welch Anmaßung. Format hat dieses Hinterherhecheln um politische Correctness nun wirklich nicht. Ich finde: Wer auf dicke Hose machen will, sollte das auch ungeniert tun (dürfen). Zur Erinnerung: Die Sache mit der Planwirtschaft ist ziemlich in die Hose gegangen. In der Konsequenz einer Forderung nach Ächtung solcher SUV steht das Einheitsauto der Marke 99 Gramm. Mal ehrlich: Ist doch genial, dass diese Charakterbolzen aus Deutschland kommen. Wenn nicht wir sie bauen, erledigen das andere. Hört auf mit der Heuchelei! Fahrt einfach selbst mal einen dieser Typen. Das findet jeder geil, der nicht ganz blöd ist."

Kontra: Christian Steiger

Christian Steiger: "Übermotorisierte SUVs sind schrille Auslöser der Neid-Debatte."

"Eigentlich bin ich nicht dagegen. Ich habe nichts gegen dicke Geländewagen, denn ich sehe sie täglich bei der Arbeit: Dort, wo ich wohne, rackern die SUV mit Pferdeanhängern oder Bootstrailern im Nacken, fahren nicht ins Angeber-Café, sondern früh morgens zum Großmarkt. Mit Dieselmotoren und drei Tonnen Zuglast stehen sie mitten im Leben. Aber als Sportkanonen mit Spoilerlippen und Breitwalzen beweisen sie, dass genug eben doch besser ist als zu viel. Sie können nichts richtig gut – außer das eine: Reichtum zeigen. Und zwar auf die schrille Tour: Schaut her, ich hab’ alles, bis auf Feingefühl. Damit meine ich nicht (nur) das un- dezente Design, sondern die Maßlosigkeit des Auftritts, der selbst tolerante Kritiker ins Grübeln bringt. Hier fahren sie, die Auslöser der Neid-Diskussion, und Leidtragende sind auch Dienstwagen- Nutzer, deren Budget nur zum Audi A4 reicht. Ich bin dagegen."
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Vernunft ist bei diesen Autos Nebensache. Sie machen so viel Sinn wie ein Brennholzverleih. Aber als Dokumente der Ingenieurkunst faszinieren sie. Unglaublich, was BMW und Porsche aus dem SUV-Konzept herausholen. Immerhin handelt es sich um Gefährte, die nebenbei auch im Gelände ihren Mann stehen und es auf der Straße mit den meisten Sportwagen aufnehmen können. Dass Porsche die klassischen SUV-Nachteile noch überzeugender abschüttelt als BMW, bleibt dabei nur eine Nuance. Grandios unvernünftig sind sie beide.



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