Killer-Kältemittel R1234yf setzt Mercedes B-Klasse in Brand

Brandversuche mit Killer-Kältemittel

Flammendes Inferno

Neue Tests von Daimler und VDA zeigen, dass R1234yf einen Vollbrand auslösen kann. Das Kraftfahrt-Bundesamt fordert von Herstellern Sicherheitsnachweise.
Die Gefahr des Killer-Kältemittels R1234yf ist größer als bisher angenommen. In einem spektakulären Versuch bei Barcelona geriet der komplette Vorderwagen einer B-Klasse in Brand, nachdem das hochentzündliche Kältemittel R1234yf ausgetreten und auf heiße Motorteile gelangt war. Mit dem Test tritt Daimler der Position der R1234yf-Hersteller Honeywell und Dupont entgegen, ein vom Kältemittel ausgelöster Brand würde nicht auf des gesamte Fahrzeug übergreifen. Bei den Ende September 2012 veröffentlichten Versuchen (siehe Video unten) wurde das Feuer jeweils nach kurzer Zeit mit einer Löschanlage erstickt.

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Video: Killer-Kältemittel

R1234yf setzt B-Klasse in Brand

Druck auf die Autoindustrie kommt mittlerweile auch vom Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), das alle Hersteller angeschrieben hat. Wer Autos mit R1234yf in Verkehr gebracht hat, soll nachweisen, dass seine Autos trotz Killer-Kältemittel sicher sind. Eine eigene Testreihe hat der Verband der deutschen Autohersteller (VDA) mit Autos von fünf Herstellern durchgeführt. Bei mindestens dreien soll es zum Brand gekommen sein, wie AUTO BILD aus sicherer Quelle erfuhr. Der VDA selbst wies nicht aktiv auf die Brände hin. Man lehne eine Stellungnahme ab, weil die Versuche "noch nicht abgeschlossen" seien, so VDA-Sprecher Eckehart Rotter. So bleibt im Dunkeln, welche Modelle unter welchen Testbedingungen Feuer gefangen haben.

Was ist das Kältemittel HFO-1234yf?

HFO-1234yf

HFO-1234yf (2,3,3,3 Tetrafluorpropen) wird als Nachfolger des Kältemittels R134a in Auto-Klimaanlagen eingesetzt. Der Vorteil von HFO-1234yf: Es hat ein geringeres Treibhauspotenzial.

Global Warming Potential

Das Global Warming Potential (GWP) oder auch Treibhauspotenzial gibt an, wie stark ein Gas zum Treibhauseffekt beiträgt. Das GWP von R134a beträgt 1300, das von HFO-1234yf liegt bei 4. Seit Anfang 2011 dürfen in Neuwagen nur noch Kältemittel mit einem GWP kleiner als 150 eingesetzt werden.

Universität von Ohio

HFO-1234yf wurde 1946 an der Universität von Ohio erstmals synthetisiert. Die Einzelsubstanz galt bis vor wenigen Jahren wegen ihrer Reaktivität als ungeeignet für Pkw-Klimaanlagen.

Patente

Die meisten Patente für HFO-1234yf liegen bei den US-Chemiekonzernen Honeywell und Dupont, die zurzeit gemeinsam in China eine Fabrik errichten. Diese wird ab dem vierten Quartal 2012 große Mengen des neuen Kältemittels herstellen – gut ein Jahr später als ursprünglich geplant.

Alternativen

Mögliche Alternativen zu HFO-1234yf sind CO2 (R744), Propan (R290) und Butan (R600).

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Derweil gab Honeywell der Presse den Zwischenstand bei der neuen Sicherheitsuntersuchung zu R1234yf bekannt. Die US-Ingenieurorganisation SAE hatte diese mit 13 internationalen Autoherstellern im Oktober 2012 gestartet. Laut Honeywell hat kein Hersteller außer Daimler Bedenken gegen den Einsatz von R1234yf geäußert. Da Untersuchungen aber noch gar nicht stattgefunden hätten, könne von einem Zwischenstand nicht die Rede sein, so ein Daimler-Sprecher. Eine Untersuchung, deren Ergebnis schon vorher feststehe, sei ohne Wert. Muss der VDA seine Kältemittel-Tests veröffentlichen? Stimmen Sie auf der rechten Seite ab.

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