C 230 K gegen Audi A4 1.8 T und BMW 325i

Audi A4 1.8 T  gegen Mercedes-Benz C 320 Kompressor und BMW 325i Audi A4 1.8 T  gegen Mercedes-Benz C 320 Kompressor und BMW 325i

C 230 K gegen BMW 325i und Audi A4 1.8 T

— 26.03.2004

Mercedes um eine Nasenlänge voraus?

Wer liegt diesmal vorn? Zum ewigen Dreikampf in der noblen Mittelklasse tritt die C-Klasse mit frischen Ideen und neuem Gesicht an.

Foto-Finish in der deutschen Mittelklasse

Je enger ein Rennen, desto spannender. Am besten, der Sieger lässt sich mit dem bloßen Auge gar nicht ausmachen und muss durch Foto-Finish entschieden werden. So eng geht es oft nicht nur im Sport zu, sondern auch in der deutschen Mittelklasse. Audi, BMW und Mercedes-Benz setzen hier die Maßstäbe, liegen unheimlich dicht beieinander. Auf höchstem Niveau konkurrieren A4, 3er und C-Klasse. Und wann immer ein Hersteller seine Baureihe überarbeitet, stellt sich die Frage: Wer hat jetzt die Nase vorn? Aktuell rollt die C-Klasse frisch geliftet an den Start. Um das zu erkennen, muss man aber schon zweimal hinsehen. Erst dann fallen größerer Lufteinlass am Bug, Klarglasabdeckungen der Scheinwerfer, neue Seitenschweller und neue Rückleuchten auf. Eine dezente, aber gelungene Kosmetik. Ein schrilles Make-up würde auch nicht passen.

Deutlich fühl- und sichtbar sind hingegen die Änderungen im Innenraum. Mercedes-Benz ersetzt einige Verkleidungen durch neue mit hochwertigerer Narbung. Sieht besser aus als bisher und fühlt sich gut an. Dazu gibt es neue Schalter, eine geänderte Mittelkonsole und die Rückkehr zu zwei klassischen Rundinstrumenten. Trotz Digital- und LCD-Technik sind es doch genau diese Instrumente, die wir Autofahrer sehen wollen. Das war schon vor 50 Jahren so und wird wohl auch so bleiben. Bei Audi und BMW finden wir sie auch. Das Cockpit des 325i ist genauso funktional wie das der C-Klasse. Die klaren, unterkühlten Linien am Arbeitsplatz des A4 spiegeln den Zeitgeist wider.

Auf den Plätzen der C-Klasse erleben vor allem Vielfahrer ein neues Sitzgefühl mit mehr Langstreckenkomfort. Auch hinten, denn die Rückbank bietet die besten Sitzpositionen im Fond. Viel angenehmer als im eng geschnittenen Audi oder flachen BMW. Zusätzlich genießen die Passagiere in der C-Klasse den bequemsten – weil größten – Ein- und Ausstieg hinten.

Etikettenschwindel bei Mercedes-Benz

Entscheidender dürfte für viele aber sein, was sich bei unseren drei Kandidaten ganz vorn abspielt. Um es auf den Punkt zu bringen: einiges. Mit Motoren um die 190 PS haben die Testwagen reichlich Leistung unter ihren Hauben. Jeder erreicht die aber auf verschiedene Art. BMW setzt ganz konventionell auf seinen Reihensechszylinder, Audi auf vier Zylinder mit Fünfventiltechnik und Turbolader, Mercedes-Benz ebenfalls auf einen Vierzylinder, aber mit Kompressoraufladung. Dieser Motor ist in der Form neu in der C-Klasse. Er hört auf die Bezeichnung 230 K, und damit ertappen wir die Schwaben bei einem Etikettenschwindel.

K steht für Kompressor – logisch –, und bei 230 denken wir an 2,3 Liter Hubraum. So hat uns das Mercedes-Benz über Jahrzehnte verklickert. Dieser Motor aber ist ein 1800er. Weil es ihn auch mit 143 (C 180 K), 163 (C 200 K) oder 170 PS (C 200 CGI) gibt, wählten die Schwaben die Bezeichnung 230 K. Mit Kompressorhilfe zaubert Mercedes-Benz satte 192 PS aus dem kleinen Motor. Und die lauern nur darauf, sich entfalten zu dürfen.

Das tun sie mit einem Paukenschlag. Herrlich spontan nimmt der Motor Gas an. Schon bei niedrigen Drehzahlen baut der Kompressor Druck auf, ohne dass der Fahrer vom Ladereinsatz überhaupt etwas spürt. Die hohe Laufkultur bewahrt der Motor über den gesamten Drehzahlbereich. Bei 3500 Umdrehungen erreicht er sein maximales Drehmoment von 260 Newtonmetern. Damit kann man beides: schaltfaul dahingleiten oder wie elektrisiert losstürmen.

Saufen können sie alle drei 'ne Menge

Verhaltener geht der Audi ans Werk. Auch hier arbeitet eine 1,8-Liter-Maschine (190 PS), die aber nicht ganz so spontan anspricht. Der Turbolader benötigt halt etwas Zeit, um Kraft aufzubauen. Hat er diesen Moment der Besinnlichkeit überwunden, steht er dem Kompressor-Motor der C-Klasse in nichts nach.

Ganz anders tritt der BMW-Motor auf. Mit sechs Zylindern in Reihe und 2,5 Liter Hubraum von der Konstruktion her ein Klassiker. Über hohe Drehzahlen kommt er hier zu den besten Beschleunigungswerten. Beim Antritt aus niedrigen Drehzahlen agieren die aufgeladenen Motoren aber elastischer. Dafür entfaltet der BMW seine Kraft gleichmäßiger, besitzt die beste Laufkultur. Insgesamt wirkt er souveräner und erwachsener als die Vierzylinder im Vergleich – auch wegen des kernigen Sounds.

Der Spaß, den unbestritten alle Triebwerke bereiten, muss aber teuer erkauft werden. Bei schneller Autobahnfahrt trinken die drei ganz ungeniert – der Mercedes-Benz bis zu 22,7 Liter. Wer es jedoch ruhiger angehen lässt, kommt mit weniger als zehn Litern aus.

Getrieb und Fahrkomfort

Wenn nur nicht dieses Kribbeln da wäre. Mercedes-Benz weckt es mit einem neuen, deutlich besser schaltbaren Sechsganggetriebe. Auch die neue, betont sportliche Fahrwerkabstimmung kommt wie gerufen. Sie verführt regelrecht zum Gasgeben. Mit wachsender Begeisterung lassen wir uns von einer Kurve in die nächste fallen, düsen auf unserer abgesperrten Teststrecke fast halbstark ums Eck. Ein ganz neues Gefühl am Steuer einer C-Klasse.

Sind wir dann müde vom Angasen, kuscheln wir uns in die komfortable Federung. Der 325i bietet noch einen Hauch mehr Komfort, bügelt die meisten Fahrbahnfehler souverän glatt. Weitere Pluspunkte sammelt der Bayer durch die weniger straffe, gefühlvollere Lenkung. In puncto Agilität und Straßenlage hat er seinen Vorsprung gegenüber Mercedes-Benz aber eingebüßt.

Audi, der Einzige hier mit Frontantrieb, kann da nicht ganz mithalten. Der A4 neigt eher zum Untersteuern, seine Federung schluckt Fahrbahnabsätze nicht so komfortabel, wie es BMW und Mercedes-Benz vormachen. Außerdem bremst der Ingolstädter am schlechtesten, arbeitet seine Lenkung nicht so präzise. Ohne Frage besitzt Audi zwar die beste Lenkung in der Welt der Fronttriebler, völlig lassen sich Antriebseinflüsse aber nicht ausschließen.

Kosten und Ausstattungen

Dafür fordert Audi mit 29.150 Euro die geringste Ablösesumme. Deutlich dicker kommt es bei Mercedes-Benz und BMW. Der C 230 K kostet mindestens 31.784, der 325i sogar 31.800 Euro. Zumindest an dieser Stelle wird es also kein Foto-Finish geben.

Technische Daten und Testwerte

Audi verliert die Bremsprüfung. Mercedes-Benz zeigt, wie es besser geht: 36,9 Meter bei kalter Bremse. Solche Werte schafften vor ein paar Jahren nur Supersportwagen à la Porsche. Vertrauen erwecken auch die Bremsen des BMW. Die Bremswerte des Audi (39,1 m kalt/39,5 m warm) sind nicht wirklich schlecht, rangieren aber dennoch klar hinter der Konkurrenz. So hoch ist heute der Standard.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Manfred Kolbe Ein paar Retuschen am Blech, etwas Feinschliff im Inneren sowie deutliche Eingriffe an Fahrwerk und Lenkung. Nicht zu vergessen der auf 192 PS erstarkte Motor. Vier Jahre nach Einführung der aktuellen C-Klasse hat Mercedes-Benz nachgebessert. Mit Erfolg. Das Auto sieht moderner aus, wirkt innen hochwertiger. Fahrwerk und Kompressormotor verhelfen der C-Klasse zu einem wahrhaft sportlichen Auftritt, ihren Fahrern zu ungeahntem Fahrvergnügen. So macht C-Klasse Spaß – auch wenn die Gefahr besteht, mal über die Stränge zu schlagen.

Dank der neuen Agilität landet die C-Klasse mit 424 Punkten um eine Nasenlänge vor dem 3er-BMW, der 419 Punkte sammelt. An ihm faszinierren Fahrkomfort, Laufruhe und Souveränität des bulligen Sechszylinders. Der 3er hinterlässt einen erwachsenen, rundum gediegenen Eindruck. Das ist wirklich Premium. Die Konkurrenten mit ihren aufgeladenen Motoren wirken dagegen etwas halbstark. Dem spritzigen, betont sportlich ausgelegten Audi (402 Punkte) fehlt es zudem an Platz für die hinteren Passagiere, Fahrkomfort und einer wirklich zupackenden Bremse. Immerhin ist er unter dem Strich aber die preiswerteste und wirtschaftlichste Alternative unter den drei Top-Modellen der Mittelklasse.

Welche Limousine gefällt Ihnen besser?

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für die Mercedes-Benz C-Klasse, den 3er BMW und den Audi A4.

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