Fahrbericht Cadillac CT6

Cadillac CT6 im Test: Fahrbericht

— 26.01.2016

Nachhilfe aus Übersee

Mit Leichtigkeit will Cadillac in Europa punkten: Der neue CT6 bringt nur 1,6 Tonnen auf die Waage und soll Ende 2016 zu uns kommen. Fahrbericht.

Dass die Amerikaner den deutschen Herstellern in Sachen Leichtbau einmal Nachhilfe erteilen würden, damit haben in der Industrie vermutlich nur wenige gerechnet. Doch der jetzt in Südkalifornien präsentierte Cadillac CT6, eine Luxuslimousine von 518 Zentimetern Länge und 188 Zentimetern Breite, stellt die Verhältnisse auf den Kopf. Mit einer ausgeklügelten Stahl-Aluminium-Mischbauweise bringt der Ami-Schlitten in der Einstiegsvariante gerade mal 1649 Kilogramm auf die Waage. Damit wird sogar die obere Mittelklasse unterboten, von den Platzhirschen wie der Mercedes-Benz S-Klasse ganz zu schweigen. Sie sind um mehrere hundert Kilo schwerer.

Das Motorenangebot umfasst zunächst drei Benziner

Zunächst kommt der CT6 mit drei Benzinern auf den Markt, Hybrid und Diesel folgen.

Cadillac hat für den CT6 eine völlig neue Fahrzeugarchitektur entwickelt, die auf den Namen "Omega" hört. Angeboten wird sie mit Hinterrad- oder Allradantrieb und vorerst drei Motoren: Über dem Einstiegsversion mit 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbomotor und 198 kW/269 PS rangiert ein 3,6-Liter-V6-Saugmotor mit 250 kW/340 PS (der nicht nach Europa kommt) sowie ein 3,0-Liter-V6-Biturbo mit 301 kW/410 PS. Schon jetzt ist ein Vierzylinder-Plug-In-Hybrid bestätigt; später soll ein 4,2-Liter-V8-Biturbo nachgereicht werden, und um 2020 wird es auch V6-Dieselmotoren geben. Ein Vierzylinder in der Oberklasse ist auch heute noch ungewöhnlich, sachlich spricht allerdings wenig gegen dieses auf die Spitze getriebene "Downsizing". Gekoppelt an eine Achtstufen-Hydramatic sprintet der CT6 damit in knapp über sechs Sekunden auf 100 km/h – bei 241 km/h wird abgeregelt. Dabei bleibt der Motor akustisch weitgehend im Hintergrund. Klar ist jedoch auch: Zum Rennwagen wird der Cadillac mit dem Vierzylinder nicht. Wer Fahrspaß sucht, sollte zum V6-Biturbo greifen.
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Auch für die forschere Gangart ist der CT6 durchaus zu haben

Er kann auch dynamisch: Bei verschärfter Kurvenfahrt scheint der Cadillac CT6 zu schrumpfen.

Der getestete Vierventiler reagiert bissig aufs Gas und dreht leichtfüßig bis 6500 Touren heraus, untermalt von einem kehligen Sound. Der entströmt übrigens nicht nur den vier eindrucksvollen Endrohren der Auspuffanlage, sondern auch der aufwendigen Bose-Panaray-Stereoanlage. Ansonsten ist der CT6 weitgehend frei von Geräuschquellen. Die Kabine bleibt auch bei hohen Geschwindigkeiten sehr leise. Dazu passt die gelungene Fahrwerksabstimmung, die – je nach gewähltem Fahrmodus – sehr komfortabel ist, auf kurvigen Straßen jedoch trotzdem hohe Dynamik erlaubt. Mit seinem langen Radstand bügelt der CT6 Fahrbahnunebenheiten und Bodenwellen nonchalant weg, ohne jene Wank- und Schwing-Bewegungen, die man gemeinhin mit amerikanischen Luxusautos assoziiert. Bei forciertem Fahren scheint der CT6 zu schrumpfen, und er vermittelt am Volant eigentlich nie das Gefühl, in einem "schweren Auto" zu sitzen. Ist er ja auch nicht. 

Dass der CT6 auch für den chinesischen Markt konstruiert ist, wird im Fond deutlich. Hier bietet er nicht nur reichlich Bewegungsfreiheit, sondern er glänzt auch mit reichlich Ablagemöglichkeiten, je nach Ausstattungsniveau vielfach verstellbaren Sitzen - und perfekt integrierten Bildschirmen, die nicht nur einfach aufgesetzt sind, sondern elegant aus den Rückenlehnen der Vordersitze ausfahren. Eine solche Lösung würde man sich auch in der deutschen Oberklasse wünschen; gleiches gilt für die perfekt konstruierten Ablageschalen für die Smartphones der geschätzten Kundschaft, die dabei gleichzeitig induktiv aufgeladen werden können.

Nicht alles am Cadillac ist auf Oberklasse-Niveau

Nicht oberklassig: Die Piktogramme des integrierten Infotainmentsystems wirken ein wenig kitschig.

Die Kombination zweier verschiedener Hölzer in der Platinum-Variante ist ungewöhnlich; wir finden diesen Look gut. Aber: So perfekt manche Detaillösungen konzipiert sind, so offensichtlich fehlte an anderer Stelle das Budget, um das Niveau der Oberklasse zu halten. Die Ambientebeleuchtung etwa gibt es nur in einer Farbe; die Rückseite der Vordersitze wirkt, sofern keine Bildschirme bestellt wurden, billig; der TFT-Instrumentierung vor dem Fahrer mangelt es an Kontrast – und das integrierte Infotainment-System CUE beleidigt das Auge mit altmodisch-kitschigen Symbolen, die vielleicht einer Saugnapf-Navigation angemessen sind, nicht aber einer Oberklasse-Limousine des Jahrgangs 2016. Nach Europa kommt der CT6 Ende des Jahres 2016, ob Cadillac die Oberklasse-Limousine hier zu ähnlichen Kampfpreisen anbieten wird wie in den USA, ist noch offen. Dort startet er als 2.0 T bei 53.495 Dollar; mit dem V6-Biturbo werden als 3.0 TT etwa 10.000 Dollar mehr fällig, und selbst das überaus reichhaltig ausgestattete Spitzenmodell Platinum bleibt deutlich unter der 90.000-Dollar-Schwelle.

Ohne Diesel wird's in Europa schwer

Cadillac-Chef Johan de Nysschen macht sich übrigens keine Illusionen über die Marktchancen der Limousine. Richtig durchstarten wird Cadillac hier erst ab 2020. Dann gibt es nicht nur ein weiteres Flaggschiff, sondern auch eine Palette kleinerer Crossover-Modelle – und Dieselmotoren. Denn ohne den Selbstzünder, das wissen auch die Amerikaner, lässt sich kein globaler Anspruch formulieren.

Fahrbericht Cadillac CT6

Autor: Jens Meiners

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Limousine

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