Fahrbericht Citroën C4 Cactus (Prototyp)

Citroën C4 Cactus (Prototyp 2017): Fahrbericht

— 30.05.2017

Citroën schwebt wieder

Die weichen Werte kommen zurück: Ein Cactus zeigt, wie Citroën wieder zur Komfortmarke werden will. AUTO BILD ist den Prototyp gefahren!

Französisch kann brutal klingen. "Ralentisseurs!", zu Deutsch: Abbremser, so warnt das Schild am Straßenrand vor Schwellen von bissiger Höhe. Der Cactus rollt mit Tempo 30 an den Spoilerkiller, schluckt ihn und scheint darüber hinwegzuschweben. War da was? Sehr untypisch für Citroëns Kompakten, federt er doch normalerweise eher biestig. Doch der Prototyp rollt auf einem neuen Fahrwerk, das endlich wieder französischen Komfort verspricht – und manchmal an die legendäre Hydropneumatik erinnert.

Au Revoir Gas und Öl, Bonjour progressive mechanische Dämpfer

Der neue Dämpfer ähnelt äußerlich herkömmlichen Stoßdämpfern. Im Inneren versteckt sich die Innovation.

Die aufwendige Gas-/Ölfederung (Hydractive 3) wird mit dem letzten C5 gerade zu Grabe getragen. Im Gegenzug präsentiert Citroën die Zukunft: neu entwickelte Dämpfer. Das progressiv arbeitende Dämpfersystem erinnert – zumindest äußerlich – an herkömmliche Stoßdämpfer. Der technische Kniff steckt im Inneren: Die Anschläge der Kolbenstange sind nicht mehr starr, sondern nun hydraulisch. Drei Kammern sorgen für ein unterschiedliches Ansprechverhalten des Dämpfers. Das progressive Verhalten, also dass der Dämpfer immer härter wird, je weiter er einfährt, kommt durch unterschiedlich große Umström-Öffnungen im Inneren zustande. Anfangs fließt das Öl noch durch größere Löcher in den Anschlägen, später bieten sich nur noch kleine an. Das funktioniert bei Zug- und Druck gleichermaßen, weshalb die Insassen keinen Rückstoßeffekt spüren sollen. Auch die Federwege sind durch das neue System verlängert worden. Vorteil: Die Technik kommt ohne Elektronik aus und passt in jedes Modell.
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Der Fortschritt ist ganz deutlich zu spüren

Gut abgestimmt: Endlich fährt der Cactus so entspannt lässig, wie es seine Optik verspricht.

Als Vorgeschmack bietet der von AUTO BILD gefahrene Cactus-Prototyp alles, was Citroën wieder zur Komfortmarke machen soll: die 20 Prozent steifere Karosserie, dickere Polster auf anderen Sitzfedern und die neuen Dämpfer. Sie sprechen weicher an, schlucken souveräner 1weg – davon profitiert das ganze Auto. Der vordere Stabi wird nachgiebiger, die neu kalibrierte Lenkung hat ihre Zappeligkeit verloren. Der Fortschritt ist deutlich zu spüren. Die Karosserie ist dank des Einsatzes von Klebern um 20 Prozent steifer geworden, ohne an Gewicht zuzulegen. Endlich fährt der Cactus so entspannt lässig, wie seine Optik es schon immer verspricht. Die neuen Dämpfer wiegen zusammen nur 600 Gramm extra, Mehrverbrauch Fehlanzeige. Nachrüsten bei alten Citroën klappt nicht, alle neuen ab dem C5 Aircross (ab 2018) bekommen die Wunderfederung. Nicht als Extra, sondern als Teil von höheren Ausstattungen. Nur ein passender Name für ihren Fortschritt fehlt den Franzosen noch. Wie wär's mit Hydratech 4?

Hydractive 3 war deutlich komplexer

Die aufwendige Gas-/Ölfederung ("Hydractive 3") wird mit dem letzten C5 gerade zu Grabe getragen.

Das nun abgelöste System war sehr lange ein typisches Marken-Merkmal. Die Gas-/Ölfederung "Hydractive" basierte auf der von Citroën entwickelten Hydropneumatik. Sie funktionierte mit Hydraulikzylindern in den Federbeinen und Federkugeln in der Karosserie. Diese waren mit Stickstoff und Öl gefüllt, eine Membran trennte das Gas vom Hydrauliköl. Das Öl drückte bei eingefedertem Rad gegen die Membran und komprimierte so das Gas. Dadurch entstand der berühmte Fahrkomfort der französischen Autobauer. Gegen Ende steuerte Citroën das System dann elektronisch.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Applaus, Citroën! Erstens, weil die neue Federung echte Fortschritte bringt statt leerer Versprechungen – zumindest im Prototyp. Zweitens, weil die Franzosen wieder bieten, was sie einmalig machte: Komfort. Bei der harten Konkurrenz bleibt Genuss zu oft auf der Strecke.

Autoren: Joachim Staat, Andreas Huber

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